# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S165 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Aus der kirchlichen Gegenwart. 165 Der Unterbau, fürchten wir, trägt noch ganz andere Differenzen, als jene beiden, deren Unverfänglichkeit zu erweisen der Verfasser sich anschickte. Darum begegnen wir denn auch sofort einem anderen Kanon. „Es liegt Alles daran in unsern Tagen und Tagesfragen, genau und scharf zu unterscheiden, welche Abweichung und Verschiedenheit in der Lehre kirchentrennend sei und welche nicht. Es wird sich aber finden, daß keine Lehre kirchentrennend sein kann und darf, die nicht gegen die alten Symbole, gegen die Heilsordnung und gegen die lutherische Lehre von den Gnadenmitteln streitet. Dies ist der Fall bei der Fassung der Lehre von Kirche und Amt und von den letzten Dingen, wie wir sie lehren.“ Man sieht wohl, des Nachweises glaubt sich der Verfasser hier überhoben. Es wird sich finden, sagt er. Aber wie, wenn es sich nicht finden sollte? Und gewiß, es wird sich das um so weniger finden, je willkürlicher der Kanon zugeschnitten ist, damit gerade die beiden controversen Lehrpuncte, auf die es dermalen ankommt, hinein passen. Aber sie passen nicht einmal. Oder meint der Verfasser, die Lehre von Kirche und Amt, wie er und seine Freunde sie lehren, sei so harmlos und unverfänglich, daß es für „die Heilsordnung und die lutherische Lehre von den Gnadenmitteln“ nichts verschlage, ob man so darüber lehre oder anders? Doch genug hiervon. Wir sind nun in der Lage, zu verstehen, warum Herr Pfarrer Löhe seine „Rosenmonate heiliger Frauen“ in einem apologetischen Tone geschrieben hat. Er „wollte ihn nicht vermeiden“, und in der That begegnet uns kaum eine unter den sechszig Lebensbeschreibungen heiliger Frauen, deren Namen in den herkömmlichen Kalendern aufgenommen sind, wo nicht in der oder jener Form die Polemik gegen protestantische Exclusivität wiederkehrte. Wir haben an sich nichts dawider, wenn die größere Weitschaft und Liberalität, zu welcher die Löhe'sche Richtung, wie wir sahen, fortgegangen ist, gegenüber auch der katholischen Kirche sich geltend macht, wenn es uns auch scheinen will, als sei sie dieser mit Vorliebe und in höherem Grade als anderen Confessionen zugewendet. Auch wir sind gar nicht gemeint, ein Lutherthum zu wollen, welches auf sich selbst bornirt unfähig ist, die kirchliche Vergangenheit zu verstehen und den Wahrheitsgehalt derselben sich anzueignen. Aber das fordern wir allerdings, daß es Wahrheit sei und nicht Irrthum, wenn auch glänzender Irrthum und „Fehler, welche für Leute unsrer Tage zu groß sind“, die man zum Vorbild und zur Nacheiferung der kirchlichen Gegenwart vorhalte. Und dagegen verwahren wir uns, daß in einem Buche, welches zum Zwecke der Erbauung die Werke Gottes in seinen Heiligen uns vorführen will, nicht Fabeln erzählt werden, mit der entschuldigenden Clausel, „es könne uns nicht schwer oder gar unlieb sein, einige Wunder mehr hinzunehmen“ (S. 227.). Jene Zeit naiver Versenkung in die Geschichten der Heiligen, wo man das Historische recipirend poetisch producirte und unbewußt Beides mit einander vermischte, ist für uns vorbei — wir mögen jene Legenden als Erzeugnisse eines frommen poetischen Gemüthes bewundern, aber wo uns zur Erbauung und „um den Sinn der Nachfolge zu wecken“ (S. 96.) Erzählungen aus der kirchlichen Vergangen⸗