# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S161 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang VI. Juni 1860. No. 6. (Aus der Zeitschrift für Protestantismus und Kirche, April 1860.) Aus der kirchlichen Gegenwart. In dem Vorwort, worin Herr Pfarrer Löhe die Leser oder vielmehr die Leserinnen seiner neuesten Schrift „Rosenmonate heiliger Frauen“ (Stuttgart 1860) über Tendenz und Inhalt derselben zu verständigen sucht, spricht er sich über die Exclusivität der Lutheraner unsrer Tage aus, unter denen „manche einem herben, ja fanatischen Geiste ergeben seien, der statt Gnadenspuren jenseits der eignen Confession aufzusuchen nur mit Mißtrauen und Mißbilligung hinblicke auf Aeußerungen der Freude und des Wohlgefallens darüber, daß der Herr auch außerhalb der lutherischen Kirche Geist und Gabe verliehen hat und noch verleiht.“ Er selbst, Löhe, kämpfe mit gutem Gewissen gegen jene Exclusivität, da er jetzt noch wie früher ein getreuer Anhänger der symbolisch lutherischen Sätze sei und nur „nicht mehr“ zu denen gehöre, „welche die symbolischen Sätze und die dogmatischen Erläuterungen derselben, wie sie sich im 16. und 17. Jahrhundert finden, verwechseln und beide für gleich richtig und wichtig halten.“*) Wir glauben nicht zu denen zu gehören, auf welche diese Polemik des Herrn Pfarrer Löhe zielt. Auch wir sind jener Verwechselung zwischen den symbolischen Sätzen und deren nachmaligen dogmatischen Erläuterungen feind und freuen uns, daß Herr Pfarrer Löhe „nicht mehr“ zu denen gehört, mit denen wir in diesem Stücke uneins sind. Und obwohl, wie sich hernach zeigen wird, es allerdings noch Puncte gibt, in denen wir differiren, so soll uns dies nicht hindern, Geist und Gaben auch auf jener Seite anzuerkennen *) Die Löhesche „Richtung“ nimmt ihren Gegnern gegenüber eine erhabene Stellung ein. Sie erklärt einfach: Die rechtgläubigen Lehrer und Kämpfer für das Kleinod der evangelischen Lehre im 16. und 17. Jahrhundert — die Verfasser der Symbole selbst sogar nicht ausgenommen — haben in den Lehren, in Betreff welcher die neue „Richtung mit ihrer besseren, tieferen und volleren Erkenntniß“ von der älteren Auffassung abweicht, die Symbole nicht verstanden, ihre Erläuterungen derselben sind nicht richtig. Und diejenigen Lutheraner, welche in unserer Zeit die Symbole so wie die früheren Lehrer der Kirche verstehen, wissen nur in ihrer Einfalt die Symbole von den Auslegungen derselben nicht zu unterscheiden. Wer nun aber auf bloße Autorität hin nicht glauben, sondern durch Gründe überzeugt sein will, wird von ihr mit der von Jahr zu Jahr wiederholten Erklärung hingehalten: „Der Nachweis, daß unsere Lehre der Kirchenlehre gemäß ist, wird nicht ausbleiben.“ L. u. W.