# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S159 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 159 formular, und weisen hierzu auch die Decane an, wenn sie diesen Ordinationen übertragen. Wenn ein Geistlicher anders predigt, als das reine, lautere Wort Gottes, wie es die evangelisch⸗lutherische Kirche lehrt, der thut es per nefas, d. h. wider Gebot und mit Unrecht. Und wenn die Kirchenbehörde solche Lästermäuler nicht stopft, so unterläßt sie ihr Strafamt per nefas, d. h. gegen Verpflichtung und Recht. Aber wie eine Schwalbe keinen Sommer macht, so macht auch eine ganze Schaar Wölfe, die in den Schafstall schleichen, noch lange den Schafstall zu keinem Wolfsstall. So lange noch Schafe und Hirten bleiben, so lange bleibt der Schafstall Schafstall. Wölfe werden immer wieder einschleichen, gleich wie Judas Ischarioth und Annanias einst sich einschlichen. Und der HErr wird die Wölfe auch wieder fortjagen. Alles zu seiner Zeit. Wir wollen die Häupter der treuen Hirten in Hessen nicht zählen, wie David einst sein Volk zählte. Wir wollen auch die Schafe nicht zählen, sondern mit Joab wollen wir sprechen: der HErr thue zu diesem Volke, wie es ist, noch hundertmal so viel. Und bekennen wollen wir mit Lob und Dank, daß bei uns das Wort Gottes lauter und rein gepredigt wird. Die Pfarrer haben die Pflicht, also zu thun, und die Gemeinde hat das Recht, die lautere Milch des Evangeliums zu fordern. Ich bin weit entfernt, und der Leser des Freimund weiß dies, die hessischen Zustände zu loben. Aber man darf doch nicht mehr böses von ihnen sagen, als was wahr ist. So ist es auch nicht wahr, daß in allen Schulen der badische Katechismus gebraucht werden muß. Vielmehr muß in allen Schulen der lutherische Katechismus gebraucht werden. Es ist vor kurzem vom großherzoglichen Oberconsistorium und von großherzoglicher Oberstudiendirection (welche Behörde den Schulen vorsteht), der Befehl ausgegangen, daß der lutherische Katechismus in allen lutherischen Schulen auswendig zu lernen sei, daß dagegen der badische nicht auswendig zu lernen sei. Die Schüler sollen bloß mit dem Inhalte bekannt zu machen sein. Auch sollen die Pfarrer den Lehrern sagen, was darin auswendig zu lernen sei. Man sieht, daß diese Verordnungen wegen des Badischen auf Schrauben stehen. Und das ist es. Der geschraubt langweilige badische Katechismus steht auf Schrauben. Man ist ihn allgemein so müde, wie der Magen ein Brechmittel. Und er wird auch nicht lange mehr bleiben. An vielen Orten ist er noch nie gewesen, z. B. in Höchst an der Nidder und anderwärts. An vielen Orten ist er wieder entfernt, ganz entfernt, z. B. in Wetterfeld und an vielen Orten. In der ganzen Grafschaft Schlitz ist ihm jetzt schon der Stab gebrochen. Kein gläubiger Pfarrer greift ihn mit der Kluft (so viel als „Klufe“, Stecknadel?) zum Unterrichte an, und keinem wird zugemuthet, daß er es thue. Auch in anderen lutherischen Landeskirchen sind schlechte Katechismen, und niemand sagt, diese Gemeinden seien nicht lutherisch. Und bei uns wird der badische Katechismus bald ganz ausgethan sein. Hörte man doch neulich schon sagen, Irmischer's Katechismus solle eingeführt werden an seiner Statt. Der lutherische Katechismus steht aber bei uns fest, auf den Füßen des göttlichen Wortes und des guten alten Rechtes. Fest sitzt er im Gedächtnisse der Gemeinden, und fest setzt er sich in den Herzen der Jugend, trotz des badischen rationalistischen Gewäsches, das neben ihm her getrieben zu werden pflegt. Wir haben also noch das Wort Gottes in der Verpflichtung der Kirchendiener und in der Gemeinde lauter und rein. Denn unser lutherischer Katechismus ist lauter und echt lutherisch. Und mit ihm glauben wir, daß der HErr JEsus selbst auch bei uns weilt, und mit uns und für uns streitet. Denn in ganz Hessen bekennt die lutherische Jugend vielfach auch am Altare in der Katechismuslehre folgende schöne Frage: „Glaubst du, daß dein HErr JEsus Christus bei seiner lieben Kirche allhier auf Erden und auch bei dir sei? — Antwort: Ja, mein lieber HErr Christus, wahrer Gott und Mensch, ein HErr über alles, ist nach seiner Verheißung bei mir und allen seinen Gläubigen. Der ist mein Herr und König, welcher, wie er mich erlöset hat, also schützt und schirmet er mich auch, und will mich endlich in sein herrliches Reich nach diesem Leben aufnehmen.“ Es ist auch nicht wahr, daß die lutherischen Gemeinden evangelisch genannt werden müssen. Die lutherischen Gemeinden sollen alle lutherisch genannt werden, und werden so genannt. Als vor einigen Jahren geboten wurde, daß alle Ueberschriften der Behörden an