# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 10 13_S28 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) deutlich ſagt: aber damit wollen ſie die Art und Weiſe, wie Chriſti Leib und Blut im heiligen Abendmahl iſt, keinesweges angeben und erklären, ſondern nur bezeugen, daß im heiligen Abendmahl nicht ein bloßer Beweis, nicht ein bloßes Zeichen, Bild, Symbol ꝛc. des Leibes Chriſti, ſondern daß der wirkliche, wahrhaftige, weſentliche Leib Chriſti da ſei, denn kein anderer Leib iſt gekreuzigt und ſpäter verklärt worden, als Chriſti wirklicher⸗ wahrhaftiger und weſentlicher Leib. Was die Art und Weiſe der Gegenwart des Leibes Chriſti im heiligen Abendmahl betrifft, ſo hat die lutheriſche Kirche allezeit bekannt, daß dieſelbe eine allein Gott bekannte, unausſprechliche, ge⸗ heimnißvolle und unerforſchliche ſei, die ſie darum eine ſacramentliche nennt, weil eine ſolche Gegenwart, vermöge welcher der Leib und das Blut Chriſti unter gewiſſen äußeren Zeichen un⸗ begreiflich und doch wahrhaftig gegenwärtig iſt und empfangen wird, allein in dem heiligen Sacrament ſtatt findet.“) Hiernach iſt klar, daß auch nach dieſer bibliſch-lutheriſchen Lehre „die Apoſtel kein anderes Abendmahl als wir feierten“, und daß man, um dieſes behaupten zu können, keinesweges den Worten Chriſti zum Trotz mit dem Apologeten annehmen müſſe, daß weder die Apoſtel noch wir den Leib Chriſti im heiligen Abendmahl genießen, ſondern nur daran denken ſollen. Auf dieſem Wege werden allerdings der Vernunft ſchnell und leicht alle An⸗ ſtöße, aber auch Chriſto ſeine Ehre und Wahr⸗ haftigkeit genommen. Und das ſei ferne von allen, die Chriſtum noch für den Sohn Gottes *) Zum Belege diene eine Stelle aus Johann Ger⸗ hard. Derſelbe ſchreibt: „Wir erinnern aber nochmals um der falſchen Beſchuldigungen der Widerſacher willen, daß wir weder eine Impanation (Einbrodung) noch eine Conſubſtantiation (eine Vereinigung des Leibes Chriſti und des Brodes zu Einem Weſen), noch irgend eine andere na⸗ türliche oder räumliche Gegenwart annehmen, ſondern wir glauben, lehren und bekennen, daß nach der Einſetzung Chriſti ſelbſt auf eine Gott allein bekannte, uns aber unbegreifliche Weiſe mit dem Brod im Abend⸗ mahle, als dem von Gott verordneten Mittel, Chriſti Leib wahrhaftig, wirklich (realiter) und weſentlich gegenwärtig, und mit dem Weine im Abendmahl Chriſti Blut wahr⸗ haftig, wirklich und weſentlich gegenwärtig vereinigt werde, ſo daß wir mit jenem Brode Chriſti wahren Leib, mit jenem Weine Chriſti wahres Blut in dem hohen Ge⸗ heimniſſe nehmen, eſſen und trinken. Dieſe Gegenwart wird eine ſacramentliche genannt, nicht in dem Sinne, in welchem ſich die Gegner (die Reformirten) dieſes Wor⸗ tes bedienen, als eine Gegenwart durch bloße Zeichen, ſondern weil uns in dieſem Geheimniſſe etwas Himmliſches vermittelſt gewiſſer äußerlicher Symbole überreicht und mit⸗ getheilt wird. . . . Einige von den Unſrigen reden von einer leiblichen Gegenwart in Rückſicht auf das Was? (Ob- jekt), keinesweges aber auf das Wie? oder auf die Art und Weiſe. Sie wollten damit ſagen, daß nicht allein die Kraft und Wirkſamkeit, ſondern das Weſen des Leibes und Blutes Chriſti ſelbſt in dem heiligen Abendmahl gegen⸗ wärtig ſei; denn ſie haben dieſes Wort der geiſtlichen Gegenwart enigegengeſetzt, wie dieſelbe von den Gegnern erklärt wird, keinesweges wollten ſie aber, daß der Leib Chriſti auf eine leibliche und quantitative Weiſe (d. h. nach ſeiner Größe, Länge, Breite ꝛc.) gegenwärtig ſei.“ (Loci theol. Art. 24 § 98. Vergleiche: „Lutheraner“ III. 26.) An einer andern Stelle ſchreibt Gerhard: „Wir haben im⸗ mer dagegen proteſtirt, mit irgend jemanden über dit Art und Weiſe zu ſtreiten, da dieſelbe aller menſchlichen Ver⸗ nunft unbekannt iſt.“ (Ib. 7 105.) 28 erkennen! Nein, die heiligen Apoſtel genoſſen bei der erſten Feier den Leib Chriſti, der (nicht in dem Zuſtande, wie er) dahin gegeben und ge⸗ kreuziget, und der (nicht wie er) verklärt wor⸗ den iſt, und denſelben Leib genießen auch wir; und auf dieſelbe geheimnißvolle Weiſe, wie er jetzt im heiligen Abendmahle gegenwärtig iſt, ſo war er auch in dem erſten Abendmahle. Wohl iſt es zwar wahr, daß der Leib Chriſti zur Zeit der er⸗ ſten Feier noch nicht verklärt war, was er jetzt iſt; wir müſſen aber wohl bedenken, daß Chriſtus noch denſelben Leib habe, der einſt am Creuze hing, und noch dasſelbe Blut, das einſt aus ſeinen Wunden zu unſerer Verſöhnung ſtrömte. Chriſtus hat durch die Verklärung nicht einen andern, neuen Leib, ſondern eben dieſer (Leib) hat dadurch nur andere, neue Eigenſchaften bekommen, bedarf nun nemlich zu ſeinem Leben nicht mehr Speiſe, Trank, Schlaf ꝛc, iſt nicht mehr dem Tode unterworfen, und dergleichen. Wer wird aber deswegen, daß ſich Chriſti Leib jetzt in einem herrlicheren Zuſtande befindet, ſagen, daß, wenn er im Abendmahle gegenwärtig wäre, die Apoſtel ein anderes Abendmahl gefeiert haben müßten, als wir? Nachdem wir nun bezeugt haben, daß wir Lu⸗ theraner die Gegenwart des Leibes Chriſti im heiligen Abendmahle auch nicht auf die erfolgte Verklärung desſelben bauen, ſo müſſen wir er⸗ warten, daß Herr Naſt das Argument, was er in ſeinem Aufſatz gegen die römiſchen Prieſter führt, nun als ſein fünftes auch uns vorhalten werde: daß nemlich Chriſtus den Apoſteln darum „ſeinen natürlichen Leib nicht habe darreichen können, weil er ja leiblich gegenwärtig geweſen“ ſei, und mit ihnen am Tiſche geſeſſen habe. Hierauf ant⸗ worten wir: Wäre Chriſti Leib der Leib eines gewöhnlichen Menſchen, ſo wäre dieſer Schluß allerdings ganz richtig, denn es ſtreitet wider die Natur unſeres Leibes, daß derſelbe natürlicher Weiſe hier und übernatürlicher Weiſe, und doch wahrhaftig, anderswo ſein ſollte. Aber wir wiſſen aus der Schrift nicht nur, daß Chriſtus einen wahren menſchlichen Leib gehabt habe, ſondern auch, daß in Chriſto „die ganze Fülle der Gott⸗ heit leibhaftig wohnte“ (Col. 2, 9.), daß in Chriſto „das Wort, das Gott war“ von Ewig⸗ keit, „Fleiſch ward“ (Joh. 1, 1. 14.). Gott ſelbſt hat ſich alſo mit der menſchlichen Natur JEſu perſönlich vereinigt, das heißt, Gott wohnte in JEſu nicht wie in einem gläubigen Gnaden⸗ kinde Gottes, ſondern alſo, daß in Ihm Gott und Menſch Eine Perſon ausmachte. Chriſti Blut wird daher in der heiligen Schrift „das Blut des Sohnes Gottes“ (1 Joh. 1. 7.), ja, „Gottes eignes Blut“ (Ap. Geſch. 20, 28.) genannt, und es wird daher den Juden vorge⸗ worfen, daß ſie „den Fürſten des Lebens ge⸗ tödtet“ (Ap. Geſch. 3, 15.) und „den HErrn der Herrlichkeit gekreuzigt“ (1 Cor. 2, 8.) hätten. Was folgt hieraus? Nichts geringeres, als daß die menſchliche Natur IEſu durch die perſönliche Vereinigung mit der göttlichen zu un⸗ ausſprechlicher Herrlichkeit erhoben worden ſein müſſe und daß da, wo der Sohn Gottes iſt, auch — der Menſchenſohn ſei, daß alſo auch dieſer allge⸗ genwärtig ſein müſſe; denn gäbe es einen Ort im Himmel oder auf Erden, wo man ſagen könnte: Hier iſt zwar der Sohn Gottes, aber nicht der Menſchenſohn, — ſo wäre der Sohn Gottes in JEſu nicht wirklich Menſch geworden, ſo wäre er in ihm nicht perſönlich, ſondern allein wie in einem andern Menſchen geweſen und es hätte in ihm die ganze Fülle der Gottheit nicht leibhaf⸗ tig gewohnt. Mit der Leugnung der Allgegen⸗ wart des Menſchenſohnes wird alſo (neſtorianiſch) Chriſti Perſon zerriſſen, das Fleiſchwerden oder die Menſchwerdung Gottes geleugnet, und ſo⸗ mit Chriſti Gottheit verworfen. Dieſe Folge⸗ rungen machen wir aber nicht eigenmächtig, ſie werden in Gottes Wort ſelbſt gemacht. Matthäi am letzten heißt es: „Siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Wer iſt dieſer „Ich“, der allenthalben und allezeit bei ſeinen Chriſten gegenwärtig ſein will? Es iſt IEſus Chriſtus, Gott und Menſch in einer Perſon, vor dem wir uns nicht fürchten müſſen als vor einem verzehrenden Feuer, ſondern der da kommt als unſer Bruder und als der Bräutigam unſe⸗ rer Seelen. Wollte aber jemand ſagen: „Ja, ſo hat Chriſtus geredet im Stande der Erhöhung“, ſo erinnern wir ihn daran, daß der Menſchheit Chriſti göttliche Eigenſchaften nicht erſt in der auf ſeine Erniedrigung folgenden Erhöhung mit⸗ getheilt worden ſeien. Die Erhöhung beſteht allein darin, daß Chriſtus mit Beginn derſelben die ſeiner menſchlichen Natur mitgetheilten herr⸗ lichen Eigenſchaften völlig, ohne alle Beſchrän⸗ kung gebrauchte, während er im Stande ſeiner Erniedrigung ſich derſelben, um für uns leiden und ſterben zu können, freiwillig entäußert und ſie nur zu Zeiten hatte hervorſtrahlen laſſen, wenn er z. B. Wunder that, wenn er eine gött⸗ liche heilende Kraft von ſeinem Leibe ausgehen ließ (Luc. 8, 46.), wenn er mit ſeinem Leibe auf dem Meere wie auf feſtem Boden ging u. ſ. w. Mitgetheilt worden ſind der menſchlichen Na⸗ tur Chriſti die göttlichen Eigenſchaften in dem Augenblick, in welchem ſich mit ihr die Gottheit perſönlich vereinigte. Dieſe Herrlichkeit hatte da⸗ her Chriſtus auch als Menſch, ſchon als er noch in tiefſter Niedrigkeit einherging, als er noch ſchmachvoll am Creuze hing, ja ſchon in der Krippe. Hätte der Menſch Chriſtus IEſus da⸗ mals dieſe Herrlichkeit noch nicht gehabt, ſo wäre er damals auch noch nicht „Chriſtus der HErr“ geweſen, wie ihn die himmliſchen Heerſchaaren den Hirten nennen, denn wie das glühende Eiſen allein durch das Feuer leuchtet und brennt, ſo hat die menſchliche Natur Chriſti göttliche Eigen⸗ ſchaften allein vermöge ihrer Vereinigung mit der göttlichen, von welcher ſie durchdrungen iſt. Ein unwiderſprechliches Zeugniß dafür iſt der merk⸗ würdige Ausſpruch Chriſti: „Niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder gekom⸗ men iſt, nemlich des Menſchen Sohn, der im Himmel iſt.“ hier Chriſtus zu Nicodemus, daß er auch als Menſch, obgleich er nach der natürlichen Weiſe auf Erden wandele, doch auf eine uns unbegreif⸗ Joh. 3, 13. Deutlich ſagt