# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S155 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 155 kanntlich ist das Ober⸗Kirchen⸗Collegium der ev. lutherischen Kirche in Preußen seit längerer Zeit mit dem luth. Missionscollegium zu Leipzig in Verhandlungen getreten wegen Wahrung der Gewissensrechte solcher Missionszöglinge, die Bedenken tragen bei einem Geistlichen zu communiciren, welcher hinsichtlich der Zulassung zum heil. Abendmahl den Grundsatz der Union befolgt. Das Missionscollegium hat auf die Frage, ob den preußischen Missionszöglingen in solchen Fällen verstattet werden würde, das heil. Abendmahl bei einem Geistlichen zu empfangen, der in dieser Hinsicht kirchenordnungsmäßig verfährt, geantwortet: Man wolle unter Umständen und im Sinne seelsorgerischer Schonung zugeben, daß ein Zögling anderswo seinen Beichtvater habe. Mit dieser allgemein gehaltenen Versicherung bedauert das Ober⸗Kirchen⸗Collegium nicht zufrieden sein zu können und stellt in No. 1 des diesjährigen Kirchenblattes an die preußischen Lutheraner die Frage, ob seine bisherige Verbindung mit der Leipziger Mission deshalb aufzugeben sei oder nicht. Die Lösung dieser Frage soll eine Aufgabe der nächsten preußischen Generalsynode sein.“ (Pilger aus Sachsen.) Evang. Militair⸗Seelsorge. Für die geistliche Pflege der Evangelischen bei der französischen Armee berichtet die Presse, ist in dem letzten Krieg in ganz geregelter und noch reichlicherer Weise als im Krimfeldzuge gesorgt worden. Zwölf evangelische Feldprediger sind mit ihrem Feldsuperintendenten bei derselben mobil und nach allen Seiten, besonders in den Spitälern zu Mailand, Bergamo und Brescia, seelsorglich thätig gewesen. Obgleich die Anzahl der Protestanten bei der französischen Armee weit geringer ist als bei der österreichischen, so hat letztere doch nur einen einzigen evangelischen Feldprediger, weshalb in ihr die Stellvertretung der katholischen Feldgeistlichen sehr häufig in Anspruch genommen werden muß. — Die toscanische Regierung hat an die betreffenden Militaircommandanten ein Circular gerichtet, in welchem die religiösen Beziehungen der nichtkatholischen Soldaten dahin geregelt werden, daß diese den religiösen Funktionen der Katholiken nicht beizuwohnen brauchen, sondern daß die betreffenden Corpscommandanten vielmehr dafür Sorge tragen sollen, daß ihnen die nöthige Zeit gewährt wird, um den religiösen Funktionen ihrer eigenen Confession beizuwohnen. In Sardinien besteht diese Praxis auch. Aus Oberösterreich wird berichtet: Auch bei uns bewegt die Frage: ob ein Presbyterial⸗ oder Consistorialsystem uns gegeben werden soll, die Gemüther sehr. Die Gemeinden Oesterreichs scheinen sehr für das Presbyterialsystem zu sein und namentlich auch für die freie Wahl der Superintendenten und Senioren. Es ist deshalb von einigen Gemeinden eine eigene Deputation nach Wien gegangen. (Freimund.) Luther's Kinderlied. Der „Freimund“ berichtet, das Pariser „Univers“ habe neulich geschrieben: Die miserabeln reformirten Prediger lassen in ihren Kirchen das erschreckliche Lied Luther's singen: Seigneur, favorisez le meurtre du pape et du diable! zu deutsch: HErr, begünstige des Pabsts und des Teufels Mord (Ermordung)! — Man sieht, das papistische Reich fühlt noch immer den Stachel des Lutherschen Liedes und schlägt in Bosheit dagegen aus. Die Ev. Lutherische Mission zu Leipzig. Dem Ev. Luth. Missionsblatt vom 15. Febr. l. J. entnehmen wir die folgende „Mittheilung. Nachdem bereits unter dem 24. März 1858 Dr. Graul dem Collegium und durch dasselbe den Missionsvereinen seinen Wunsch bestimmt erklärt hatte, das Directorium der Missionsanstalt niederzulegen, wenn ein Nachfolger für ihn gefunden sein würde, war schließlich auf der letzten Generalversammlung der Antrag gestellt und zum Beschluß erhoben worden, daß das Collegium diejenigen Schritte thun möge, welche geeignet wären, die Erhaltung der Dienste des Dr. Graul für unsre Mission in sichre Aussicht zu stellen. In Folge dessen ließen wir uns angelegen sein, die nöthigen Verhandlungen mit ihm einzuleiten, um seine Dienste unsrer Mission auch für die Zukunft zu sichern. Es ist dies freilich uns nicht in dem Umfange gelungen, in welchem wir es gewünscht hätten, indem Dr. Graul das Directorium zu behalten sich nicht entschließen konnte. Derselbe erklärte sich jedoch im Laufe der Verhandlungen bereit, durch Uebernahme bestimmter Lehrgegenstände, namentlich der eigentlichen Missions⸗