# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S154 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 154 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Krieges ist die päpstliche Geistlichkeit still geworden und wir athmen nun etwas freier, und alles berechtigt uns zu der Hoffnung, daß es uns Evangelischen in Oesterreich besser gehen werde. Die evangelische Kirche in Ungarn hat ihre kirchliche Verfassung von der Regierung erhalten; es lassen sich jedoch leider in Ungarn gegen diese allerdings sehr freisinnige Verfassung wühlerische Stimmen vernehmen, die der Sache der evangelischen Kirche Ungarns nachtheilig sein können. Wir sind nun sehr gespannt, wie unsere Regierung in den andern Provinzen in dieser Beziehung vorgehen werde, und welche Begünstigungen uns zu Theil werden. Das mit dem Papste geschlossene und hier allgemein verhaßte Concordat mag diesfalls viele Schwierigkeiten bieten; wir hoffen, daß unser gegenwärtiges Ministerium auch uns gerecht werden wird. In den hiesigen katholischen Kirchen sind soeben Gebete für den Papst angeordnet worden. Das katholische Volk schüttelt dabei mit dem Kopfe und macht zuweilen sehr vernünftige Bemerkungen dazu. Ueberhaupt macht man hierlandes die Wahrnehmung, daß sich das katholische Volk sehr wenig für den Papst interessirt. Die Katholiken kann man bei uns füglich in drei Klassen theilen. Zur ersten Klasse gehört die sogenannte intelligente Welt, zu welcher kaiserliche und Privatbeamte, Bürger, Kaufleute und Fabrikanten gehören, die sich damit rühmen, viele Jahre bei der Beichte nicht gewesen zu sein, die sich aus den Lehren und Institutionen der römischen Kirche nur ein Hohngelächter machen, die, um keine Ausnahme zu machen, und weil die Regierung darauf dringt, die Kirche zeitweise besuchen; und weil diese Leute in ihrem Leben keine Bibel gesehen, so herrscht unter ihnen der krasseste Unglaube. Sie lassen Alles gehen, wie es geht, und kümmern sich gar nicht um Religionsangelegenheiten. Sie loben die evangelische Kirche, bei der, wie sie sagen, derlei Albernheiten wie bei der römischen Kirche nicht anzutreffen sind. Und weil die Regierung es verlangt, daß die Kirche besucht werde, so sind aus ihnen Heuchler geworden. Die Zahl dieser so gesinnten Leute ist bei uns ungemein groß und mächtig. Die römischen Geistlichen wissen es, lassen aber diese Leute in Ruhe, wahrscheinlich um nicht einen allgemeinen Abfall herbeizuführen. Diese Menschen studiren fleißig die Gebrechen und Laster ihrer Geistlichkeit, und eben deshalb werden sie auch von den Geistlichen gefürchtet. — Zur zweiten Klasse gehört das gemeine Volk, welches an Leib und Seele verkümmert, eigentlich in der Hand der römischen Geistlichkeit ist, voll Aberglauben und unwissend und ein blindes Werkzeug blinder Führer. — Zur dritten Klasse gehören diejenigen, die nach der Wahrheit ein Verlangen tragen, aber in Folge der politischen Macht der katholischen Kirche im Verborgenen seufzen und nicht wagen, den Mund aufzuthun. Derlei Menschen sind auch in den oben geschilderten zwei Klassen anzutreffen; sie sind unsrer evangelischen Kirche zugethan, getrauen sich jedoch nicht, um nicht verfolgt zu werden, aus der päpstlichen Kirche auszuscheiden. Wäre der Uebertritt zur evangelischen Kirche hierlandes nicht mit Nachtheil im bürgerlichen Leben verbunden, sie würden schaarenweise übertreten; man sah es im Jahre 1848, wo selbst das katholische Volk vor Allem Religionsfreiheit und Gleichberechtigung aller Confessionen verlangte. Ueberhaupt macht man überall hier die Wahrnehmung, daß der Katholicismus in Oesterreich auf sehr schwachen Füßen steht, und würde ihm die Regierung ihre Stütze versagen, so würde er gänzlich zerfallen. Insbesondere können die nüchternen katholischen Böhmen ihren Huß noch immer nicht vergessen. Wir sind voll Erwartung, wie unsere hohe Regierung unsere kirchlichen Angelegenheiten ordnen werde, und wir hoffen, daß in dieser Beziehung demnächst eine Entscheidung erfolgen dürfte. Der Herr wolle das Herz Sr. Majestät unsers Kaisers uns geneigt machen, damit er uns, die wir doch seine getreuen Unterthanen sind, in religiöser Beziehung eine Erleichterung gewähren möge!“ — Die Methodisten in Deutschland. Die Bremer Missionsanstalt der bischöflichen Methodistenkirche, die am 13. und 14. November 1858 eingeweiht wurde, enthält, laut dem ersten Jahresbericht derselben, acht Zöglinge. Die aus dieser Anstalt hervorgehenden Missionare werden nicht zu den Heiden, sondern dazu ausgesendet: in die christlichen Gemeinden Deutschlands einzubrechen, um vermittelst des Bauens auf fremdem Grunde auch in Deutschland eine „Ausgießung des Geistes“ zu bewirken. Die Preußischen Lutheraner und die Leipziger Mission. „Be