# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S153 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 153 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. Amerika. Der Lutherische Kirchenbote bringt in seiner letzten Nummer eine Beurtheilung einiger Grundsätze, welche von Gliedern der Generalsynode bei einer Conferenz zu Peking. Ills. aufgestellt worden sind. Wir geben die Substanz dieser Beurtheilung hier in der Weise wieder, daß wir, die Richtigkeit der Schlüsse ins Licht zu setzen, sie mehr in schulgerechte Form bringen und deshalb die zu ergänzenden Prämissen, wo sie fehlen, hinzufügen. 1. Da die Brüder in Illinois den Grundsatz aufstellen: „Die sämmtlichen symbolischen Bücher der Ev. Lutherischen Kirche, wie sie die Concordia enthält, sind die reine und unverfälschte Erklärung und Darlegung des Wortes Gottes“; da ferner kein Mensch, der nicht wie die Apostel selbst inspirirt ist, je wissen kann, was eigentlich die heilige Schrift lehrt, also auch keiner das Wort Gottes rein und unverfälscht darlegen kann; so folgt, daß die genannten Brüder die Verfasser der symbolischen Bücher für solche Menschen erklären, die sich einer besonderen und außerordentlichen Inspiration bei Verabfassung der symbolischen Bücher erfreut haben und dadurch untrüglich gemacht werden sind; was doch diese Verfasser selbst nie von sich behaupteten. 2. Weil die Brüder sagen: „Alle aufkommenden Fragen in Lehre, Praxis und Ceremonien werden auf Grund der Concordia erledigt werden“; weil ferner jeder, der solchen Grundsatz hegt, offenbar von einer unüberwindlichen Neigung beherrscht wird, jeden Andersdenkenden zu Gottes Ehre zu hauen, zu stechen, zu spießen, zu hängen, zu köpfen, zu rädern, zu ersäufen und zu verbrennen; so darf man sich nicht wundern, wenn mir, C. B. Thümmel (dem Beurtheiler), dem „die Verfolgungen und die Scheiterhaufen und die Greuelthaten der früheren Zeit“, die sich, sobald jene Brüder die Macht haben, nothwendig wiederholen „müssen“ vor Augen stehen — „schaudert.“ 3. Da jene Brüder als Grundsatz aussprechen: „Meidung und Entsagung aller Religionsmengerei (Syncretismus), z. B. Bedienung unirter Gemeinden, Theilnahme an der Sakramentsfeier falscher Confessionen, und Theilnahme an deren Tractatenwesen“; da ferner jeder, der so etwas nur aussprechen kann, offenbar von einem „unsauberen Geiste“ besessen ist, der ihn nicht nur zu Christen sagen läßt: „Stehe zurück, ich bin ein Heiliger“, sondern ihm auch eingiebt, nicht mit jedem Bekenner des Einen HErrn aus irgend einer Kirchengemeinschaft „in Eintracht des Glaubens“ das Mahl seines Versöhnungstodes feiern zu wollen, dagegen falsche Lehre für eine Entheiligung des Namens Gottes zu erklären; so folgt, daß die Brüder „die Menschen zum Glauben, zur Buße und zur Bekehrung nicht führen“ können, da hierzu der Geist Christi erfordert wird. — Wenn jene Conferenz⸗Glieder selbst nach diesem schlagenden Nachweise bei ihren Grundsätzen verharren, so ist das ein neuer Beleg dafür, daß sie vom Teufel besessen sind. Illinois State University zu Springfield. Der „Lutheran Standard“ berichtet, daß Professor L. P. Esbjorn mit den meisten der schwedischen Studenten Springfield verlassen habe und nach Chicago gezogen sei. Als Gründe des Wegzugs werden Lehrdifferenzen und Mangel an Mitteln, die Studenten bis zum Schluß des Semesters zu erhalten, genannt. Die Allgemeine lutherische Conferenz. Die Redaction der „Lutherischen Kirchenzeitung“ von Columbus erklärt mit Bezugnahme auf die an sie eingesandte Anzeige der nächsten Sitzung der genannten Conferenz, daß sie öffentlich und förmlich von ihr Abschied nehme, da sie unter bestehenden Verhältnissen keine Lust mehr habe beizuwohnen. II. Ausland. Aus Böhmen. Ueber die Lage der Kirche im Allgemeinen, schreibt das Braunschweiger Kirchenblatt, wie auch die Zustände der Katholischen wird so von Böhmen aus berichtet: „Während des italienischen Krieges war uns recht bange; die römische Geistlichkeit ließ sich vernehmen, daß, wenn Oesterreich als Sieger aus dem Kampfe hervorgehen werde, alle Protestanten aus dem Lande gejagt werden sollten. Unsere hohe Regierung mag wohl von dieser böswilligen Zumuthung nichts gewußt haben.. Nach Beendigung des