# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S152 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 152 Umschau. gebracht und wird ihnen, wills Gott, immer mehrere und klarere bringen. Vorerst erinnert er sie nur an das Wachsthum der lutherischen Kirche in Preußen, die seit 3—4 Jahren um 10,000 Seelen zugenommen hat; erinnert an die lutherischen Vereine der unirten Landeskirche Preußens, die doch nichts anderes sind, als die Wasser jener confefsionellen Strömung, die durch die Erdadern nach allen Seiten hinausdringen und da und dort als Brunnquellen, wenn auch noch getrübt hervorbrechen; ferner an die confessionelle Gestaltung der Missionsvereine in Thüringen und die wachsende Theilnahme, die sie finden; an das Ringen und Kämpfen der treuen Lutheraner in Hessen; an den Sieg, den die confessionelle Strömung im Lande Braunschweig gewonnen, wo sie endlich die „kleine Bibel“ wegspülte und einem bekenntnißtreuen Katechismus Raum machte; an das Wachsthum der lutherischen Gemeindlein in Baden und endlich daran, wie diese Strömung allenthalben durch die lutherischen Landeskirchen geht, von den breiten Gewässern unionistischen Geistes, der freilich in denselben allenthalben sich geltend gemacht hat, nicht verschlungen wird, sondern wie sie im Gegentheil trotz alles Widerstrebens und Widerstreitens von jener die confessionelle Färbung angenommen und auch wohl mehr Kraft und Leben gesogen haben, als man insgemein zugestehen will. Daß auch Freimund von dieser Strömung getragen wird, daß er sie überall hinleiten und eben damit Segen bringen möchte, braucht er nicht erst zu sagen. Denn er ist der festen Ueberzeugung, daß entschiedene Bekenntnißtreue allein der römischen Kirche nicht nur Stand und Stich zu halten, sondern ihr auch einen Sieg nach dem andern abzugewinnen vermag, und das dann um so mehr, wenn beide einmal nur ihrer eigenen Kraft überlassen sein und beiderseits nur mit Waffen des Geistes fechten werden, wohin es früher oder später doch noch kommen wird. Daß man das nicht erkennen will, ist eine merkwürdige Verblendung. Wodurch ist denn die Macht des Papstthums gebrochen worden, wodurch ist denn die evangelische Kirche von Anfang an siegreich bestanden gegen alle Angriffe, List und Gewalt desselben, als durch ihr entschiedenes Bekenntniß der reinen vollen Wahrheit göttlichen Worts? was hat sie denn so stark und freudig gemacht als die Einigkeit der Herzen in diesem Bekenntniß? Und wenn nun die kirchlich-politischen Verhältnisse immer ernster werden, wenn alles die Landeskirchen darauf hindrängt, zuletzt doch auf eigenen Füßen stehen zu müssen, wenn sie sich auch selbst dagegen sträuben, wo wird Kraft dazu vorhanden sein, als wo man auf dem Felsengrunde des lautern Bekenntnisses mit entschiedenem Glauben steht? wo wird das Vermögen zu finden sein, sich selbst von innen heraus zu erbauen und unter einander zusammenzuhalten, als wo die Herzen einig geworden sind in demselben Glauben und aus diesem fortwährend Demuth und Liebe genug schöpfen, den Gott des Friedens in williger Unterordnung und freudiger Einordnung und Handreichung, nach eines jeglichen Theil und Maaß zu ehren? — Darum: „zu seinem Wort und Zeugniß! werden sie das nicht sagen, so werden sie die Morgenröthe nicht haben.“ — —