# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S151 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Umschau. 151 nelle Strömung; und so eingeengt und beschränkt sie scheint, so dringen doch ihre Wasser allenthalben durch die Erdadern hindurch und bewässern also heimlich die umliegenden Felder und Wiesen weithin und machen sie fruchtbar und wachsend. Und wie die Strömungen, so sind auch die Richtungen verschieden. So sind Gustav⸗Adolphs⸗Verein und Evangelische Allianz vornehmlich gegen die römische Kirche gerichtet; aber von wegen ihrer breiten und flachen Strömung sind sie der nicht sehr gefährlich, die so wohl verpallisadiert und eingedämmt ist und durch die Concordate eben gegen diese Strömung immer weiter vorzudringen und ihr immer mehr Land abzugewinnen sucht, hier auch am leichtesten dazu kommen kann. Die werkthätige Strömung ist hauptsächlich dahin gerichtet, daß den Dürftigen, Verkommenen und Unmündigen durch Erweisungen der Liebe und Barmherzigkeit die Erkenntniß der Liebe Christi nahe gelegt und ihnen ein Geschmack seiner Leutseligkeit und Freundlichkeit beigebracht werde, daß sie also zur Dankbarkeit gereizt und dadurch zu Christo geleitet werden, nach dem Spruch: „Wer Dank opfert, der preiset mich, und das ist der Weg, daß ich ihm zeige das Heil Gottes.“ Aber bei dieser Richtung übersehen sie, daß das Gefühl ein unsicherer schwankender Boden ist, und weil sie beim bloßen Hinblick auf Liebe und Liebeswerke die Reinheit der Lehre gering achten und vielfältig versäumen, jenem schwankenden Boden durch dieselbe festen Grund und Halt zu geben, „die Herzen fest zu machen“; so müssen sie nicht nur vielfältig traurige Erfahrungen machen — weil Undank der Welt Lohn ist, sondern sie werden auch im günstigsten Falle wenige Streiter Christi heranziehen, die in Kampf und Anfechtung fest aushalten, während doch gerade solche der Ernst unserer Zeit vor allem fordert, und ihrer viele werden des selbst Schaden leiden. Jedoch, weil ihr Werk bei aufrichtigem Herzen eine göttliche Verheißung hat, so werden ihrer auch viele als durchs Feuer hindurchgerettet werden zur Entschiedenheit und Klarheit, wenn das Feuer einmal entbrennen wird. Die confessionelle Strömung endlich ist auf Begründung der Herzen in der reinen Lehre göttlichen Worts und auf entschiedenes Bekenntniß derselben in Wort und Werk gerichtet, in Wort und Werk, weswegen ihr der Vorwurf der todten Orthodoxie mit Unrecht gemacht wird, wie ihre Thätigkeit auf dem Felde der innern Mission beweist, sowie die unleugbare Thatsache, daß ihr überall da, wo sie im Amte des Worts klar, offen, frei und treu hervortritt, alsbald die frommen Herzen zufallen und in ihrem Lichte fröhlich werden, weil es eben „ein köstlich Ding ist, daß das Herz fest werde.“ Auch der Vorwurf der Beschränktheit wird ihr mit Unrecht gemacht, denn obwohl sie innerhalb der confessionellen Schranken einhergeht, die ihr durch keine andere Macht als die des klar erkannten und fest geglaubten Wortes Gottes gesetzt sind, so ist sie doch frei genug in ihrer Bewegung, immer mehr in die Tiefe zu dringen und mit ihrem Einfluß und ihrem Segen auch immer mehr in die Weite zu streben, auch was sie auf ihrem Wege wahres, gutes und schönes trifft, sei es wo, und komme es von wem es wolle, mit sich zu führen und sich dienstbar zu machen. Davon hat Freimund seinen Lesern schon Beweise genug