# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S150 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 150 Umschau. die Hirten Herren des Glaubens und als solche die Heerde nur schören, aber nicht pflegten und weideten, so würden sie streng auf Reinheit der Lehre nach Gottes Wort halten, würden falsche Propheten, die menschliche Weisheit lehren, nicht dulden, würden alle Miethlinge, alle Bauchpfaffen, alle Wölfe in Schaafskleidern, mit den süßen Worten von der Liebe auf den Lippen, und mit Schlangengift unter der Zunge und im Herzen, austreiben. Und das ginge in unsern Tagen so leicht, wo die Stimme der Massen so große Geltung und Macht hat, wie man bei den kirchlichen Rumoren allenthalben wohl erfahren hat. Aber bei diesen haben sie auch von all dem gesagten gerade das Gegentheil gesucht, gesagt und gesetzt. Warum haben sie es aber? Weil sie einen andern Geist sich immer mehr erheben sehen, der dem ihrigen stracks entgegen ist, und von dem es eben so unleugbar und unverkennbar ist, daß er in unsern Tagen wieder eine Macht geworden und, wenn auch langsam und unter schweren Kämpfen mit jenem geschworenen Erbfeind, immer weiter um sich greift: das ist der Geist des Glaubens an das Evangelium. Seit 40 Jahren hat sich dieser Geist wieder unter uns erhoben und hat alle Stände und Geschlechter durchdrungen, nicht so, daß er sie erfüllt, aber so, daß er in allen hie ein Plätzlein und dort eines besamet und gute Frucht zuwege gebracht hat, und daß diese Oasen in der weiten Wüste sich immer mehr ausbreiteten und einzelne Furchen einander entgegenstreckten, also daß ganz Deutschland wie mit einem Eisenbahnnetz auch mit einem Netz von Predigtorten des Evangeliums, von Gesellschaften für innere und äußere Mission, von Bibelvereinen, Jünglingsvereinen, Rettungsanstalten, Kleinkinderschulen, Krippen, Diakonissenhäusern und ⸗Gesellschaften überzogen ist, die alle ihr Werk thun, getrieben vom Geiste des Glaubens an das Evangelium, und deren Streben dahin geht, jenem Geiste des Unglaubens und der Zuchtlosigkeit unter Großen und Kleinen, im allgemeinen und besondern, auf diese und jene Weise entgegenzuarbeiten. Freilich auf diese und jene Weise nicht bloß in Betracht der äußern Formen und Mittel, sondern auch der innern Strömung und Richtung. Dort zieht die Strömung noch in breiter Flachheit als allgemeine Christlichkeit dahin und führt vielen Sand loser Lehre mit sich, wie im Gustav⸗Adolphs⸗Verein und in der Evangelischen Allianz, und wo diese Strömung ihren Sand absetzt, da kann rechtschaffen christliches und kirchliches Wesen nicht gedeihen, wie ich das schon einmal an dem Exempel der ungarischen Gemeinden nachgewiesen habe und noch weiter nachweisen werde. Oder es ist die sanftmurmelnde Strömung geschäftiger Werkthätigkeit, die wie ein Bächlein über Kiesel hüpft und sich durch blumige Wiesen schlängelt, die führt viel leere schimmernde Muscheln des Modechristenthums mit sich, sonderlich wo es über die Ufer tritt und in alle Städte und Flecken dringt; da läßt es dann die leeren Muscheln in großen faulen Lachen zurück, die verdunsten und versumpfen, wenn die Hitze des Sommers kommt. Anderwärts aber geht die Strömung tiefer und mehr auf den Grund, da verengen sich allerdings die Ufer, aber die Fluthen werden stärker und reiner, indem sie Schlamm und Sand von sich hinauswerfen neben an die Ufer hin, und das ist die confessio