# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S148 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 148 Umschau. ches Wesen und Bürgerrecht im Himmel hat, wie sollte die Kirche dann nicht in das Jenseits hinein fortdauern, das ihr eigentlicher Ort ist? Auf der andern Seite liegt klar vor, daß das Reich Gottes schon mit Christi erster Zukunft seinen Anfang genommen hat. Das Reich Gottes, spricht Christus, ist schon zu euch gekommen, Matth. 12, 28, es kommt nicht mit äußeren Geberden, sondern es ist schon mitten unter euch, Luc. 17, 20. 21. Die Parabeln vom Reiche in Matth. 13 beziehen sich alle auf die von unsern lieben Gegnern sogenannte Kirchenzeit. Auf sie allein passen z. B. die Parabeln vom Senfkorn, vom Sauerteig. Diese Parabeln vom Reiche sind allein schon hinreichend aufzuwecken aus dem Traume von dem noch bevorstehenden tausendjährigen Reiche. Mit den behaupteten Eigenthümlichkeiten dieses Reiches, das man so phantastisch ausschmückt, steht im graden Widerspruch, was in den Parabeln von der Beschaffenheit des Reiches Gottes in der ganzen Zeit bis zum letzten Gerichte, dem Punkte der nach Apoc. 20, 15 hinter dem tausendjährigen Reiche liegt, ausgesagt wird. Von Christi erster Erscheinung an bis zu der Zeit, da die Gottlosen in den Feuerofen geworfen werden, V. 42, 47, also auch während des tausendjährigen Reiches, wird es in dem Reiche Gottes Unkraut geben, Söhne des Bösen, solche die Unrecht üben, neben den guten Fischen faule, Böse neben den Guten; während dieses ganzen Zeitraums werden die Einflüsse des Satans fortgehen, er wird ununterbrochen darauf bedacht sein, Unkraut zu säen. Das ist ein Anstoß, den keine gegnerische Anstrengung aus dem Wege räumen wird. Das Unbegründete der Erwartungen in Bezug auf eine äußere Herstellung der Juden, die mit jener Ansicht vom tausendjährigen Reiche Hand in Hand gehen, und von denen aus man prophezeit, „der Hauptbahnhof der Welt“ werde in Zukunft in Jerusalem sein, ist schon früher in diesen Blättern nachgewiesen worden. Wir bemerken hier noch, daß die richtige Consequenz aus diesen Ansichten eine kürzlich auch in Berlin aufgetauchte Secte, die „christlichen Israeliten“ gezogen hat, welche die Einzeichnung in das „Buch des Lebens“ von der Uebernahme der Beschneidung abhängig macht. Gehören alle Verheißungen, welche in der Schrift Israel ertheilt werden, den Juden, sind diese allein das priesterliche Volk, alle übrigen nur so zu sagen Heloten in dem Reiche Gottes, so ist es ja ganz natürlich, daß man das schon im A. T. dargebotene Mittel benutzt, um aus diesem erniedrigenden Zustande heraus zu kommen. Oder sollen unter dem N. B. die Heidenchristen etwa noch niedriger gestellt sein, wie unter dem A. B. die Proselyten aus dem Heidenthum, denen durch die Beschneidung der Zugang eröffnet war zu allen Rechten des Volkes Gottes?“ Umschau. Aus Freimunds Wochenblatt. — — Aus allem, was wir bisher betrachtet haben, ergibt sich die unleugbare Wahrnehmung, daß unsere Zeit eine Zeit großer Entscheidung sei,