# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 10 13_S27 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) leuchtung und der Wahrheits⸗Eifer der Menſchen, durch welche Gott die heilige Schrift hat abfaſſen laſſen; die leuchtenden Wunder, durch welche die Lehre der heiligen Schrift als göttlich beſtätigt wird; das übereinſtimmende Zeugniß der über den ganzen Erdkreis verbreiteten (nicht etwa bloß römiſchen) Kirche; die Standhaftigkeit der Mär⸗ tyrer; das anerkennende Zeugniß, welches ſelbſt die nicht chriſtlichen Völker der in der heiligen Schrift enthaltenen Lehre nicht verſagen können; die ſchnelle und glückliche Ausbreitung der chriſt⸗ lichen Religion über den Erdkreis und ihre wun⸗ derbare Erhaltung trotz der erbittertſten und wie— derholteſten Verfolgungen; endlich auch die ſchreck⸗ lichen und auffallenden Strafen, von denen Ver⸗ ächter und Verfolger des göttlichen Wortes ge⸗ troffen ſind. — Dieſe äußeren Zeugniſſe werden beſonders ihre Anwendung finden, um Ungläu⸗ bige zum eifrigen Leſen und Betrachten der heili⸗ gen Schrift zu bewegen, damit ihnen darnach, ob Gott wolle, auch das Zeugniß des Heiligen Gei⸗ ſtes zu Theil werde. Und ob zwar dieſe inneren und äußeren Zeugniſſe alle für ſich allein nicht abſolut entſcheidend ſind, ſo können ſie doch ſehr wohl eine innere moraliſche Ueberzeugung bewir⸗ ken, und neben dem Zeugniſſe des Heiligen Gei⸗ ſies haben ſie einen nicht geringen Werth. Na⸗ mentlich werden rein geſchichtliche Fragen, z. B. in welcher Sprache urſprünglich ein Buch der hei⸗ ligen Schrift verfaßt iſt, nur durch ihre Herbei⸗ ziehung beantwortet werden können, und natürlich iſt hier das Zeugniß der Kirche ſehr hoch anzu⸗ ſchlagen, beſonders das Zeugniß der älteſten Kirchenlehrer, welche gleichzeitig mit oder bald nach den Apoſteln lebten. (Schluß folgt.) Warum ſind die Einſetzungsworte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, eigentlich zu nehmen? (Fortſetzung.) Ein dritter Grund, welchen Herr Naſt für ſeine Meinung anführt, daß die Einſetzungs⸗ worte nicht buchſtäblich und eigentlich genommen werden könnten, iſt dieſer: Chriſtus ſpreche von ſeinem Leibe: „Der für euch gegeben wird“, und von ſeinem Blute: „Das für euch vergoſſen wird“; nun ſei ja aber zur Zeit der Einſetzung des heiligen Abendmahls Chriſti Leib und Blut noch nicht wirklich dahin gegeben und vergoſſen geweſen; alſo könne auch Chriſtus hier nicht von ſeinem wirklichen Leibe und Blute reden; unter den Worten: „Das iſt mein Leib, der für euch gegeben wird“ ꝛc., könne man daher nichts anderes verſtehen, als daß das Brod und der Wein bloß der äußere ſichtbare Beweis des für uns dahingegebenen Leibes und für uns vergoſſe⸗ nen Blutes Chriſti, das heißt, der durch ihn ge⸗ ſtifteten Verſöhnung, ſein ſolle: denn die Verſöhnung ſei allerdings in dem Geiſte d. i. in den Gedanken Gottes ſchon von Ewigkeit ſo gut wie geſchehen, daher Chriſtus davon als von einem ſchon vollzogenen Akte habe reden können. Herr Naſt macht hier einen Schluß, ohngefähr wie der folgende: 27 Chriſtus redet bei der Einſetzung des heiligen Abendmahls von ſeinem Verräther, und ſpricht: „Wehe demſelbigen Menſchen, durch welchen des Menſchen Sohn verrathen wird.“ (Luc. 22, 21. 22.) Nun hatte aber Judas Chriſtum damals noch nicht wirklich verrathen; Alſo kann Chriſtus damals nicht von dem wirk⸗ lichen Judas geredet haben. Daß dieſer Schluß irgendwo einen Fehler haben müſſe, weiß jeder, der die Paſſionshiſtorie kennt, wenn er auch ſonſt mit den Eigenſchaften, welche ein richtiger Schluß haben muß, nicht be⸗ kannt iſt; denn daß Chriſtus in jenen Worten keinen andern Menſchen, als den wirklichen Ju⸗ das, gemeint habe, iſt außer Zweifel. Herrn Naſt's Schluß leidet aber an demſelben Fehler.“) Worin ſteckt nun wohl der Fehler? Darin, Herr Naſt hat nicht bedacht, daß es eine in der hei— ligen Schrift ſehr häufig vorkommende Redefigur iſt, das Präſens (d. i. die gegenwärtige Zeit) für das Futurum (die zukünftige Zeit) zu ſetzen, nem⸗ lich von einer Sache, die erſt noch geſchehen ſoll, ſo zu ſprechen, als geſchehe ſie eben oder als ſei ſie ſchon geſchehen. Eine ſolche Enallage oder Vertauſchung findet z. B. in den Worten Chriſti ſtatt: „Ich laſſe mein Leben für die Schafe“, Joh. 10, 15., anſtatt: „Ich werde es laſſen“ (wie er denn Joh. 6, 51. wirklich ſpricht: „Das Brod, das ich geben werde, iſt mein Fleiſch, welches ich geben werde für das Leben der Welt/). Jene Redeweiſe kommt in der heiligen Schrift ſo oft vor, daß Luther zuweilen in der Ueberſetzung ſogleich anſtatt der im Urterte gebrauchten gegen⸗ wärtigen Zeit zu beſſerem Verſtändniß der Sache die zukünftige ſetzt; wenn Luther z. B. überſetzt: „Da ich es neu trinken werde in meines Va⸗ ters Reich“, ſo ſteht im Griechiſchen nur: „Da ich es neu trinke“ ꝛc. Matth. 26, 29. Hieraus geht hervor: wenn Chriſtus im heiligen Abend⸗ mahl ſagt: „Das iſt mein Leib, der für euch ge⸗ geben wird“, ſo heißt das einfach ſo viel, als: „Der für euch dahin gegeben werden wird.“ Die in jener Ausdrucksweiſe vorgeblich liegende Schwierigkeit iſt alſo nur eine eingebildete und es liegt daher in derſelben nicht der mindeſte Grund zu der Meinung, daß Chriſtus bloß von einem Zeichen ſeines Leibes und der Dahingabe des⸗ ) In dem Schluſſe des Herrn Naſt kommt außerdem noch dieſer Fehler hinzu, daß derſelbe die Worte: „Der für euch gegeben wird“, zu ſeinem Zwecke verändert und ſo davon redet, als habe Chriſtus geſagt: „Der für euch ge⸗ geben worden iſt.“ Denn ſo müßte, ſtreng genommen, Chriſtus auch nach Herrn Naſt's Auslegung geredet haben, wenn er, wie Herr Naſt will, von der Verſöhnung als von einem bereits vollzogenen Akte hätte reden wollen. Uebri⸗ gens iſt es wunderlich genug, daß Herr Naſt zugibt, Chri⸗ ſtus habe die Verſöhnung als ſchon vollzogen darreichen können, aber nicht ſeinen Leib als ſchon dahingegeben. Siehet denn Herr Naſt nicht, daß der ſein ſollende Auf⸗ ſchluß, welchen er über die Redeweiſe Chriſti gibt: „Der für euch gegeben wird“, für ſeine Meinung nicht mehr beweiſ't, als für die lutheriſche Lehre? Denn konnte Chri⸗ ſtus von der Verſöhnung vor ihrer wirklichen Vollziehung als von einer ſchon vollzogenen reden und ſie als ſolche dar⸗ reichen, ſo konnte er auch von ſeinem Leibe vor deſſen Da⸗ bingabe als von einem ſchon dahin gegebenen reden und ihn als ſolchen darreichen. ſelben rede, da ja wenige Stunden darnach der wirkliche Leib Chriſti in der That dahin gegeben und ſein wirkliches Blut vergoͤſſen worden iſt. Uebrigens darf man nicht denken, wenn behauptet wird, daß ſich in der heiligen Schrift Vertau⸗ ſchungen der Zeitformen finden, daß damit ge⸗ ſagt werden ſolle, die Redeweiſe der heiligen Schrift ſei ungenau, darin werde oft willkührlich das eine für das andere geſetzt, und jeder könne ſelbige daher nach ſeinem Belieben deuten. ſei ferne! Eine ſolche Behauptung wäre eine Gottes läſterung. Gerade in der heiligen Schrift iſt jeves Wort und jede Form desſelben ſo genau ausgewählt, daß kein anderes Wort und keine andere Form desſelben den Sinn des Heiligen Geiſtes ſo vollkommen ausdrücken würde. In der heiligen Schrift hat jede grammatiſche Figur einen tiefen Grund, welchen aufzuſuchen die ſelige Pflicht jedes Bibelleſers iſt. Das iſt denn auch bei der in Rede ſtehenden Enallage der Fall. Chriſtus ſagt nemlich von ſeinem Leibe: „Der für euch gegeben wird“, und nicht: „gegeben werden wird“, weil in jener Nacht, in welcher er das heilige Sacrament einſetzte, ſein letztes Leiden bereits begonnen hatte. — Der vierte Grund, warum Herr Naſt von den Worten Chriſti bei Einſetzung des heiligen Abendmahls abgehen zu müſſen glaubt, iſt dieſer: Wolle man nicht annehmen, daß Chriſtus bloße Zeichen ſeines Leibes und Blutes dargereicht habe, ſo müſſe man glauben, die heiligen Apo⸗ Das ſtel hätten bei der erſten Feier des heiligen Abendmahls ein anderes Mahl, als wir jetzt, ge⸗ feiert, denn damals habe Chriſtus noch einen na⸗ türlichen Leib gehabt, jetzt aber habe er einen ver⸗ klärten. Herr Naſt geht hier von der falſchen Vorausſetzung aus, als müſſe Chriſtus, wenn er ſeinen Leib wirklich und wahrhaftig gebe, den⸗ N „ x ſelben entweder ſo geben, „wie er von Maria ge⸗ boren und am Creuze getödtet wurde“, oder wie ö derſelbe nach ſeiner Auferſtehung und Himmel⸗ fahrt nun als verklärter Leib im Himmel ſei. Keines von beiden findet aber nach der Lehre der heiligen Schrift, welche die lutheriſche Kirche feſt⸗ hält und bekennt, Statt. Chriſtus ſagt zwar von dem, was er darreicht, daß es der Leib ſei, „der für uns gegeben wird“, und daß es das Blut ſei, „das für uns vergoſſen wird“, Luc. 22, 19. 20., aber er ſagt nicht, daß beides uns auf die Weiſe im heiligen Abendmahl gegeben werde, ö wie es für uns in den Tod gegeben und vergoſ⸗ ſen worden iſt, noch viel weniger ſagt er ein Wort davon, daß uns ſein Leib ſo gegeben werde, wie er als ein verklärter jetzt im Himmel iſt; und wenn Herr Naſt in den Gedanken ſteht, als werde das letztere in der lutheriſchen Kirche ge⸗ glaubt und gelehrt, ſo kennt er die lutheriſche Lehre durchaus nicht. Die Lutheraner bekennen zwar nicht nur, daß im heiligen Abendmahl kein anderer als der am Creuz geopferte Leib und kein anderes als das da vergoſſene Blut Chriſti gegen⸗ wärtig ſei, weil dies Chriſtus ausdrücklich in den Einſetzungsworten ſagt; ſie bekennen auch, daß dieſer Leib jetzt im Zuſtande der Verklärung iſt, weil dies die heilige Schrift an andern Orten auch