# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S147 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wider den Chiliasmus. 147 Dadurch werden ihre eigenen Abweichungen von der allgemeinen christlichen Lehre gerechtfertigt und legalisirt. Ja es wird ihr Standpunkt selbst, die allgemeine Bekenntnißlockerung, der öffentlich in der Kirche geltende. Die Kirche steht nicht mehr auf dem Bekenntniß, sondern auf der beweglichen aus Schrift und Philosophie ewig neubildenden Wissenschaft. So ist ihr die Union die Bedingung ihrer Existenz und ist ihr das Mittel ihrer Herrschaft. In keinem anderen Kreise gläubiger Christen ist darum der Eifer für die Union so groß, ja so stürmisch als in dieser Schule.“ Eben deshalb geht aber auch das Unionsinteresse der Vermittlungstheologie viel weiter, als das, was der Begriff der Union, was das reformirte und pietistische Interesse an der Union ist, nämlich die Indifferenziirung der Unterscheidungslehren zwischen lutherischer und reformirter Kirche, und geht auf eine Indifferenziirung durch das ganze Bekenntniß der Kirche, daß alles bisherige Dogma seine bestimmte Fassung und Bedeutung verliere, „in Fluß gebracht werde“ und dann den manigfachen entgegengesetzten Darstellungen desselben die gleiche Berechtigung in der Kirche zukomme.“ Stahl weist dann nach, wie das die eigentliche Schule Schleiermachers und wie es die Vermittlungstheologie thut. Das Letztere an der Bekenntnißtheorie von Julius Müller. Wider den Chiliasmus. So schreibt Hengstenberg im diesjährigen Vorwort zur Evang. Kirchenzeitung: „Im Interesse der Erwartung des tausendjährigen Reiches als eines noch zukünftigen sucht man, was in den 18 Jahrhunderten der christlichen Kirche geschah, möglichst herabzusetzen. . . Durch solche herabsetzende Urtheile raubt man sich selbst den festen Untergrund für die Hoffnung auf das Zukünftige und tritt in Conflict mit den Verheißungen Christi, daß er bei den Seinen sein wolle alle Tage bis zum Ende der Welt und daß die Pforten der Hölle seine Kirche nicht überwältigen werden. Man streift hart an das Judenthum an mit seiner Lehre von dem noch zukünftigen Messias. Man geht so weit, daß man den Namen des Reiches Gottes nur jenem eingebildeten tausendjährigen Reiche noch beilegen, dagegen die ganze frühere Zeit mit dem vermeintlich niederen Namen der Kirche bezeichnen will. Daß solche Entgegensetzung von Kirche und Reich Gottes eine unbiblische ist, liegt am Tage. Daß die Kirche für immer ist, daß sie nicht blos dem Diesseits, sondern auch dem Jenseits angehört, das liegt einfach schon darin, daß sie als der Leib Christi bezeichnet wird, Eph. 1, 22. 5, 23. Ist das Haupt ewig, so muß auch dem Leibe ewige Dauer zukommen. Ausdrücklich ausgesagt wird die Ewigkeit der Kirche in Ephes. 3, 21, wonach Christus in seiner Kirche geehrt werden soll in alle Ewigkeiten. Ein Herübergreifen der Kirche in das Jenseits wird durch Hebr. 12, 23, wo von der Kirche der Erstgebornen geredet wird, die im Himmel angeschrieben sind, auch dann bezeugt, wenn man unter dieser Kirche die diesseitige versteht. Denn wenn schon die diesseitige Kirche ihr eigentli