# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S144 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 144 Die lutherische Kirche und die Union. Weise darzuthun.“ „Die Prädestination ist zwar nicht die Consequenz, nicht ein Postulat seines antimysterischen Gedankens. Die Leugnung der Sakramente, der Schlüsselgewalt ꝛc. kann auch ohne sie festgehalten werden — aber sie ist die sicherste Begründung und ist darum ein Interesse seines antimysterischen Gedankens.“ Und jetzt erst, nachdem Zwingli die Lehre von der Prädestination in ihrer ganzen Consequenz sich angeeignet hat, „vermag er dem Glauben eine Stelle in der Heilsökonomie anzuweisen, mit dem er früher, da er sich an Luther anschloß, nichts anzufangen wußte; es ist aber auch eine sehr untergeordnete Stelle, und aus ihr kommen Consequenzen der erstaunlichsten Art. Der Glaube hat ihm keine andere Bedeutung, als daß der Mensch an ihm eine sichere Kenntniß und Größe seiner Erwählung bekommt.. Er ist deßhalb an sich auch gar nicht nothwendig. Gottes Erwählung ist nicht an den Glauben gebunden, denn der Mensch kann ja selig werden, ohne daß ihm hienieden davon Kunde zukommt.“ — — Ganz besonders bezeichnet Herr Stahl es als einen Irrthum die beiden Confessionen als etwas Nothwendiges und darum beide als gleich wahr aus dem Gedanken der Reformation darlegen zu wollen: daß die lutherische gegen den Judaismus, die reformirte gegen den Paganismus der katholischen Kirche gerichtet sei, oder daß jene den Trost der Erlösung, diese die absolute Abhängigkeit von Gott, oder nach Anderen die unbedingte Unterwerfung unter Gottes Wort, als ihre besondere Seite im Ganzen der Reformation zur Folge habe.. Solche Constructionsweise erklärt Stahl aus der Verbildung neuerer Philosophie und ihrer pantheistischen Voraussetzung, daß alles was da ist, von Gott, daher gut, vernünftig, nothwendig sei. „Der innerste Gegensatz der beiden Confessionen ist kein anderer als der, daß die lutherische Kirche an Gnadenspendung durch Mittel und Werkzeuge glaubt und Trost daraus schöpft, die reformirte Kirche sie bestreitet, und das kann nicht gleich nothwendig und gleich wahr, sondern es kann nur entweder jenes Wahrheit und dieses Irrthum sein oder aber umgekehrt.“ — — Das dritte Buch erörtert die Unionsfrage. Im ersten Kapitel werden die Gründe für die Union angeführt und geprüft. Diese werden stets von der Annahme hergeleitet, daß die Unterscheidungslehren völlig indifferent seien. Aber die Beweisführung ist eine mannigfache. Die eine Art ist die, daß ein Gegensatz gar nicht bestehe, daß auch in diesen streitigen Lehren eine wesentliche Uebereinstimmung. (consensus), und der Widerspruch nur scheinbar, nur eine Verschiedenheit der Fassungen sei. Das allgemeine Urtheil, das Stahl darüber fällt, ist das, daß alle solche Darstellungen auf der Wahl zweideutiger Ausdrücke beruhen, durch die man den anderen Theil die Uebereinstimmung mit ihm glauben macht, während man von derselben weit. entfernt ist. In diese Kategorie fallen die Versuche in Marburg, die von Beza, Bucer und Melanchthon. „Es beruhen alle Versuche, in den Unterscheidungslehren einen wesentlichen Consensus zwischen Lutheranern und Reformirten darzustellen, entweder auf Unwahrhaftigkeit oder auf Mangel an Klarheit.“ Eine andere Art der Beweisführung ist die, daß man behauptet, die