# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S143 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die lutherische Kirche und die Union. 143 ist der feste Punkt, von dem aus er sein Werk beginnt und der da bleibt bis zum Ende desselben, seine positive Heilslehre. Umgekehrt ist bei Zwingli der feste Punkt die Ausrottung der Menschensatzungen, und was sich als positiver Bescheid ergibt, ist ihm von Anfang noch unbekannt und ergibt sich im Laufe der Entwickelung und zwar in manigfachem Wechsel. Zwingli's Wirksamkeit, behauptet Stahl, ist anfänglich und bevor Luther die Heilslehre verkündet hatte, lediglich verneinend, lediglich Predigt gegen die Mißbräuche und Menschensatzungen, aber nicht Predigt des Evangeliums von der Buße und dem rechtfertigenden Glauben. „Es ist bis jetzt keine Nachweisung gegeben, daß Zwingli vor 1520 irgend eine der evangelischen Heilswahrheiten verkündete, und sicher läßt sich annehmen, daß er von dem Positivsten und Specifischsten der ev. Kirche, der Rechtfertigung aus dem Glauben, noch keine Ahnung hatte. Abthun der Menschensatzungen und des Aberglaubens und ein rechtschaffener Wandel statt der äußeren Ceremonien, war der vorherrschende Antrieb seiner Wirksamkeit. .. Erst später und nur allmählig (gewiß nicht vor 1520) schritt Zwingli fort von der Negation zur Position, von dem Angriff auf Wallfahrt, Mariendienst, Fasten zu einer Predigt von dem Heilswege. Da war bereits von Luther die Fülle der evangelischen Heilswahrheit unter Erschütterung von ganz Europa dargelegt und es ist schwer zu glauben, daß das Zwingli gar nicht berührt, keinen Einfluß auf ihn geübt habe.“ „Aber auch nachher, als Zwingli, unterstützt durch Luther's Vorgang, die evangelische Heilslehre verkündigte, verkündigte er sie — ganz abgesehen von dem späteren Sakramentsstreite — doch nicht in der Reinheit und Tiefe wie Luther, verkündigte er nicht das, was jetzt beide, die reformirte und die lutherische Kirche, als evangelische Lehre bekennen.“ Nachdem Stahl das weiter ausgeführt hat, beschreibt er (im 2. Cap.) das oberste Prinzip Zwingli's. Während es bei Luther die Rechtfertigung aus dem Glauben ist, ist es bei Zwingli der Gedanke: das Heil allein aus Gott, ohne die Mittel kirchlicher Akte. „Er nimmt demnach die evangel. Lehren, die mit seinen Gedanken vereinbar sind, (von Luther) eifrig an, so z. B. die Lehre vom menschlichen Unvermögen zum Guten. Dagegen verwirft er von vornherein alles, was seine Gedanken zu gefährden scheint,—die Sakramente und die Schlüsselgewalt. Aus eben dem Grund besteht er darauf, daß der menschlichen Natur in Christo nicht göttliche Eigenschaften mitgetheilt seien, nicht Anbetung zukommen könne.. Aus eben dem Grund verwirft er alle künstlerischen Mittel für den Cultus: Bilder, Kreuze, ja selbst den Gesang.“ Der Zusammenstoß der beiden Reformationen erfolgte dann natürlich und nothwendig über die Lehre vom Sakramente. Jene Grundgedanken, die ihn zum Gegensatz und Bruch mit Luther führten, führten ihn zuletzt noch weiter, sogar über den Standpunkt, den er selbst in seiner ganzen reformatorischen Wirksamkeit und in den Schriften seiner besten Periode vertreten hatte, hinaus zu der Lehre von der Prädestination. „Den Schritt zur Prädestination thut er aber lediglich, um diese (die Sakramentslehre) zu brechen, um die Unmöglichkeit einer Gnadenwirkung der Sakramente in absoluter