# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S141 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die lutherische Kirche und die Union. 141 digem Herzen alle deine Sünde vergeben hat; und Christus bezahlet ihm solche schwere theuere Schuld für dich mit Dargeben seines Leibes und Blutes und schenket dir solchen Schatz zum Pfand der Vergebung deiner Sünde und lässet dich nun um deines Glaubens willen mit ihm ein Gottes Kind und Erbe sein zum ewigen Leben. Lieber! so sei nun zufrieden und laß es Gott mit dir machen, als mit seinem lieben Kinde, nach seinem väterlichen Willen; er lasse dich nun länger hier leben oder nehme dich von hinnen und heiße dich mit allen seinen lieben heiligen Patriarchen, Propheten, Märtyrern und lieben Kindern schlafen gehen; so sprich: Vater im Himmel! dein Wille geschehe und ich befehle mich in deine Hände. Amen. Die lutherische Kirche und die Union. F. J. Stahl, nach Schwarz' Urtheil der geistig bedeutendste unter den orthodoxen Dilettanten, hat voriges Jahr ein Werk unter dem Titel: „Die lutherische Kirche und die Union“ herausgegeben, dessen Erscheinen von der Ev. Kirchen⸗Zeitung „das Ereigniß des vorigen Jahres auf dem Gebiete der Union“ genannt wird. „Die Wirksamkeit des Stahl'schen Werkes,“ sagt dieselbe Zeitschrift, „ist bis jetzt eine außerordentliche gewesen. Es ist in den weitesten Kreisen, nicht nur der Theologen, sondern auch der Laien gelesen worden, und von allen Seiten kommen uns Notizen zu über den tiefen Eindruck, den es gemacht, den Umschwung in der Denkungsart, den es hervorgerufen hat. Ein hochgestellter Kirchenbeamter, der bei Einführung der Union die einflußreichste Thätigkeit ausgeübt hat, warnte seine Ordinanden vor diesem Buche als einem gar gefährlichen, fast bezaubernden und ermahnte sie täglich nicht mehr darin zu lesen als einige Seiten, damit ihnen nicht die zu starke Dosis des Giftes verderblich werde.“ — „Der ganze Endzweck des Buches“ berichtet eine Recension dieser Schrift in der Erlanger Zeitschrift für Protestantismus und Kirche, Febr. 1860, „ist der, darzuthun, daß eine Union im vollen Sinn des Wortes zwischen lutherischer und reformirter Kirche nicht möglich sei, weil in beiden Kirchen ein anderer Geist ist, daß aber in der preußischen Kirche eine solche Union auch nicht vollzogen sei, die lutherische Kirche ihr Recht da noch nicht verloren habe, und ein Lutheraner also unter gewissen Bedingungen mit gutem Gewissen in der preußischen Landeskirche verbleiben könne.“ In diesem Werke finden sich neben dem vielen Vortrefflichen leider auch Irrthümer und wiederholtes Mißkennen der lutherischen Lehre und Kirche. Wir geben folgends einige ausgewählte Stellen aus der genannten Recension. Stahl unterscheidet in der reformatorischen Bewegung zwei Hauptrichtungen, eine Bewegung aus evangelischem Geist und eine aus natürlichem Geist. Luther gehört ihm rein und ungetheilt der ersteren Richtung an. „Seine Bildung und Anschauungsweise, seine Beweggründe waren rein christlich religiös, rein evangelisch. Er kannte die humanistische Bildung und