# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S131 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie man die Einfältigen und sonderlich die Kranken im Christenthum ꝛc. 131 bracht werden. Da tritt plötzlich der Führer wieder zu ihm, mit Andreas oder Philippus, ihn freundlich tröstend. Während er diesem zuhört erblickt er das Bild des Gekreuzigten, das er in der Quelle gesehen, sich gegenüber an der Wand, aber abgezehrt und kläglich. In diesem Augenblicke berührt der Führer seine Brust und auf Christum weisend, spricht er: diesem mußt du ähnlich werden—und Myconius erwacht. Verspottung fürchtend theilte er Keinem den Traum mit; deutete ihn aber, obgleich nicht mit völliger Sicherheit, auf die von ihm geschehene Vertauschung des weltlichen mit dem Mönchsleben. Sieben Jahre, zu Annaberg, Leipzig und in Weimar, wo er die Priesterweihe empfing, marterte er sich nun ab mit Mönchswerken um Gewissens⸗Ruhe und wahre Frömmigkeit ringend, aber sein Herz wurde immer öder, ernste Zweifel über seine Erwählung ließen ihn Höllenpein schmecken und seine Genossen wurden es zuletzt überdrüssig, ihm Trost zuzusprechen. Da erschienen Luthers Sätze und augenblicklich erkannte er in Luther den Führer in der Wüste. „Gott eröffnete mir,“ sagt er, „sogleich meine Augen und Ohren, ja er ergriff mich durch ihn, führte mich zur Quelle und warf mich auf Christum. An ihn schloß ich mich gleich im Jahre 1517 im Bekenntniß der Lehre an.“ Nun folgten sieben andere Jahre, in welchen er fröhlich und unerschrocken das Evangelium predigte, aber von Seiten seiner Klosterbrüder dafür alle Wetter der Verfolgung über ihn hereinbrachen. Fünfmal von den Mönchen in den Bann gethan, verurtheilt, wärend sie aßen, auf der Erde zu kriechen und ihre Füße zu küssen, und die schwersten Geißelhiebe schweigend hinzunehmen, ja mit der Einmauerung bei lebendigem Leibe bedroht, entfloh er endlich seinen Peinigern auf einer Reise, die ihn verderben sollte. In demselben Jahre noch wurde er als Superintendent nach Gotha berufen, welche Stelle er mit reichem Segen für ganz Thüringen bis an sein Ende verwaltete. Zwei Jahre darauf (1526) verehelichte er sich. Luthers Beispiele folgend. Sein rastloser Eiser und seine hohe Begabung zeigte sich in der Aufrichtung von Schulen, der Ausstattung von Predigerstellen, in seinen Kirchenvisitationen, in der Verhinderung und Niederschlagung des Bauernaufruhrs in seinem Sprengel durch die überzeugende Macht seines Wortes. Aber auch in anderen Gegenden war er ein eifriger Arbeiter in der Erndte des HErrn; so im Cleveschen; in England, wo er als Glied der Gesandtschaft, die auf Heinrichs VIII. Ansuchen von den protestantischen Fürsten nach England geschickt wurde, während eines ganzen Sommers siegreich die Augsburgische Confession vertheidigte. In Leipzig erwies er sich, wie J. Jonas sagt, als der rechte Apostel der Leipziger. „Die Dachblumen (der päpstlichen Doktoren der Universität daselbst) verwelkten vor der Hitz und Glanz der Sonnen Gottes Wortes“ in einer öffentlichen Disputation. Nach anderthalbjährigem Aufenthalt daselbst kehrte er (1540) zu seiner ihn sehnlichst erwartenden Gemeinde nach Gotha zurück, aber mit geschwächter Gesundheit. Eine bald völlig ausgebildete Schwindsucht nahm ihm jede Hoffnung längeren Lebens. Da erschien Luther's Brief. „Gehabt euch wohl, mein lieber Ehr Friedrich, der HErr lasse mich ja nicht hören, so