# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S130 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 130 Wie man die Einfältigen und sonderlich die Kranken im Christenthum ꝛc. zen Wesens, nur eins begehrt er noch, Gott zu leben und Ihm zu gefallen. Einige Tage darauf ist er mit Zustimmung seines Rectors in das dortige Franciskaner⸗Kloster eingetreten. Da bringt ihm nach einem brünstigen Gebete die erste Nacht hier in einem Traume ein Gemälde dessen, was ihm begegnen sollte. Ihm träumt, er befinde sich in einer schrecklichen Wüste. Nach langem Umherirren lehnt er sich endlich erschöpft und verschmachtet an einen Felsen in Erwartung des Todes seinen Geist in Gottes Hände befehlend. Da tritt ein Mann zu ihm, in dem er den Apostel Paulus erkennt, der ihn aufmuntert und folgen heißt. Da sein sterbender Körper das nicht thun kann, erfaßt ihn der Führer und trägt ihn fort. Plötzlich sieht er ein paradiesisches Thal in Sonnenglanz, Farbenschmuck und Blüthenduft vor sich liegen, wie kein Gedanke es schöner erdenken könnte. Im Thale angekommen, es schien ihm 10 oder 11 Uhr zu sein, beugt er sich zu dem anmuthig rauschenden, krystallenen Bache nieder, sich zu erquicken. Aber der Führer erlaubt es nicht, sondern bringt ihn zum Quell mit dem Geheiß, daraus zu trinken. Er dankt erst Gott auf den Knieen und beugt sich dann über die marmorne Einfassung. Schnell jedoch tritt er wieder zurück und sinkt vor Ehrfurcht auf seine Kniee. Er hatte gesehen, daß das Wasser in dem Quell aus den Wunden des Gekreuzigten leuchtender als Rubin hervorquoll und sich dann plötzlich in krystallhelles Wasser verwandelte. Da faßt ihn der Führer und stürzt ihn hinein in den Quell. Hier, das Haupt auf der Brust des HErrn, durchdringt der lieblichste Trank sein ganzes Wesen, aber zugleich erfüllt ihn Scham darüber, daß einem so großen Sünder eine solche Stütze und Erquickung geboten wurde. Der Führer hebt ihn heraus und fordert ihn, nach kurzer Rast, auf, sich zu gürten und ihm zu folgen. Nach einer Stunde Weges, es dünkte ihm jetzt 1 Uhr zu sein, kommt er an ein Weizenfeld, das, wie vorher die Wüste, ihm groß wie die Welt erschien. Hier mußt du arbeiten und erndten! spricht der Führer. Da sieht er einen ehrwürdigen Mann mit gewaltiger Kraft und mit Eifer mit Schneiden beschäftigt und dem Führer so ähnlich, daß er nicht wußte, ob es einer sei oder zwei. Im Namen des HErrn Jesu ergreift er die Sichel und arbeitet, und der Vorgesetzte, dem er als Gehülfe und Mitarbeiter beigegeben worden, half ihm nach, wann er zurückblieb. Als sie auf eine Anhöhe gekommen waren und das Feld sich ins Unermeßliche ausdehnte, und er ausgerufen: Guter Gott, wann wollen wir diese unermeßliche Erndte einbringen, erblickte er Leute, die aus der Ferne herankamen und an verschiedenen Stellen die Arbeit begannen. Viele Tage lang arbeitete er so fort, wie im Himmel sich fühlend, und erquickte sich, wenn müde, mit Speise und Trank in Gemeinschaft mit den Andern am klaren Bache. Endlich aber sank ihm die Kraft und obwohl er noch eine Zeit lang, von den Gehülfen gestärkt, wieder fortgearbeitet hatte, findet er sich doch nach einigen Tagen krank und müde auf dem Bette seines Schlafzimmers. Sein Fleisch ist vertrocknet bis auf das Gebein, sein Geist jedoch getrost, und nur darüber betrübt, es möchte vor Beginn des Winters die Erndte des guten Hausherren nicht ganz einge⸗