# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1860_S129 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang VI. Mai 1860. No. 5. Wie man die Einfältigen und sonderlich die Kranken im Christenthum unterrichten soll. Durch H. Friedrich Mecum (Myconius.) (Diese kleine Schrift des bekannten Freundes Luther's ist uns von einem hochverehrten Freunde, der sie schon seit Jahren mit Segen gebraucht hat, zur Mittheilung in „Lehre und Wehre“ empfohlen worden in der Ueberzeugung, es werde damit den Brüdern im Amte eine willkommene Gabe dargeboten. Auch wir glaubten seinem Urtheile nur beistimmen zu können. Der gewissenhafte Prediger, welcher der Rechenschaft für die ihm anvertrauten Seelen, die er einst zu geben hat, eingedenk ist, fühlt oft nicht wenig Unruhe darüber, ob er auch in seinen seelsorglichen Gesprächen bei Beichtanmeldungen und Krankencommunion das Nothwendige vollständig, klar, eindringlich genug den Einfältigen mitgetheilt habe. Dies Büchlein enthält den Stoff, klar und in kräftiger Kürze, der dem Gemüthe des Seelsorgers bei solchen Amtshandlungen gegenwärtig sein soll. In vielen Fällen möchte selbst das wörtliche Vorlesen sich noch fruchtbarer erweisen als ein, wie manchmal geschehen muß, unvorbereitet gehaltener eigener Vortrag. Denn hier ist ein klarer, frischer Strom des lebendigen Wassers, das in das ewige Leben quillt, der gleichsam das Mark des in Gottes fester Verheißung webenden geistlichen Lebens dem aufmerksamen Hörer ins Herz führt. Die Gabe wo möglich noch annehmlicher zu machen, bieten wir dem Leser im Folgenden einen Blick in das Leben des außerordentlichen Mannes, der in dem Schriftchen redet. Myconius wurde am 26. Dez. 1491 zu Lichtenfels in Franken von gottesfürchtigen Eltern geboren. In seinem neunzehnten Jahre, während er zu Annaberg studirte, begehrte er von Tetzel Ablaß und zwar als ein Armer um Gottes Willen umsonst, wie der Pabst befohlen habe. Tetzel verweigerte es. Die Priester in seiner Begleitung boten dem fließend Latein redenden Jünglinge das nöthige Geld an, als einem jungen Menschen von Geist und Beredsamkeit, der einer solchen Wohlthat vor anderen würdig sei. Myconius aber will unentgeltliche Vergebung der Sünde von dem, der in des Pabstes Namen die Macht dazu habe. So kehrt er denn ohne Ablaß weinend in seine Herberge zurück. Während er in Thränen vor seinem Crucisixe Gott um Vergebung der Sünde anruft, erfährt er eine Umwandlung seines gan⸗