# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1860_S127 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 127 Wortes in Entschiedenheit, aber nicht büreaukratisch, sondern im Geiste väterlicher und brüderlicher Liebe. Es ist ganz natürlich, daß die so abgefaßten Visitationsbescheide nicht überall Beifall finden, und in einzelnen Fällen auch lebhafte Opposition erweckt haben; aber gerade sie sind es, welche das ganze Visitationswerk in unserer Provinz beleben und zu einem rechten Triebrad der gesammten kirchlichen Thätigkeit machen, ein enges reales Band zwischen der kirchlichen Behörde und der untergebenen Geistlichkeit knüpfen und nach allen Seiten hin Segen spenden.“ Großherzogthum Weimar. Einen Einblick in den mit nur wenigen Ausnahmen kläglichen Zustand der Weimarschen Kirche können folgende Auszüge aus dem Weimarschen Kirchen⸗ und Schulblatt gewähren, wie sie in einem Berichte der Ev. Kirchenzeitung mitgetheilt sind: „Abwechslung in der Liturgie hat niemals ihren wohlthätigen Einfluß verfehlt, namentlich bewährte sich selbige bei der Abendmahlsfeier, wo besonders Ermahnungen an die Communicanten in gebundener Rede, mit Würde und Nachdruck vorgetragen, einen tiefen Eindruck auf die Gemüther der am Tische des Herrn Erscheinenden machen. Einige dieser Ermahnungen, deren ich mich bediene, übergebe ich hier den Herren Amtsbrüdern zur Begutachtung: Ermahnungen an die Communicanten. I. Am grünen Donnerstage. 1. Ueber Jesu Haupte schwebte furchtbar schwer des Schicksals Wetter. Die verfolgte Tugend bebte; nirgends fand die Unschuld Retter. Düster wurde jede Stunde und des Jammers Tag war nahe, wo der Herr — nach sichrer Kunde — Schmach und Tod ihm kommen sahe. Schreckensvoll war das Erwarten aller Qualen, die sein harrten. 2. Doch nicht die ihm drohenden Schmerzen — mehr die Seinen, die er liebte — machten seinem frommen Herzen herbes Weh, das ihn betrübte. — „Freunde! sollte mir nicht bangen?“ sprach er; — ich muß von euch scheiden! Feinde, die mein Blut verlangen, rüsten sich zu meinem Leiden; Bosheit waffnet Uebelthäter und ein Freund ist mein Verräther. II. Naht mit liebendem Gemüth, Jesu Freunde zum Altare! Wer von Lebenskraft noch glüht und der Greis im Silberhaare, hoch und niedrig, arm und reich; alle sind wir hier uns gleich.“ In der Weimarer Zeitung fand sich bei Gelegenheit einer Mittheilung von der Versammlung des Lehrervereins folgendes: „Eine besondere Section des Lehrervereins ist der von einem Lehrer creirte Lehrerverein. Die Devise dieses Vereins, der sich immer mehr erweitert, ist: Harmlose Heiterkeit, Biederkeit, Brudersinn und gemüthlicher Humor. Zu dem Zwecke versammeln sich die Mitglieder dieser Verbrüderung jährlich einmal, halten freie Redeübungen über vom Vorsitzenden gegebene Themata, worin sie möglichst Logik, Poesie und Humor zu entwickeln haben.“ Die amtlichen und Besoldungs-Verhältnisse der protest. Geistlichkeit in Bayern. Sämmtliche Pfarreien der Ev.-Lutherischen Kirche in Bavern, sagt ein Berichterstatter in der Ev. Kirchenzeitung, sind in fünf Classen eingetheilt, in welchen die Geistlichen nach Alter und Würdigkeit vorrücken und auf Meldungen, wozu die Stellen in amtlichen Blättern ausgeschrieben werden, befördert werden. Die Anfangsstellen tragen 400—800 Fl., die zweite Classe 800 — 1200 Fl., die dritte 1200 — 1600 Fl., die vierte 1600—2000 Fl., die fünfte 2000 Fl. und darüber. Die Zahl der Anfangsstellen ist die größere, die der beiden letzten bei weitem die kleinste. Doch sind die Anfangspfarreien seit einigen Jahren durch einen Staatsbeitrag auf 500 Fl. erhoben und so große Noth mancher Geistlichen theilweise beseitigt worden. Noch ist aber die Lage Vieler, zumal Vermögensloser, bei harten Anfängen, bei lange nicht erfolgter Beförderung, mit Zunahme der Familie und unter dem Drucke von Krankheiten und Unglücksfällen, eine oft jammervolle. Es ist in öffentlichen Blättern nachgewiesen worden, daß dem Pfarrer von seinen 500 Fl. Gehalt nach Abzug dessen, was er an Steuern, Collecten, Literatur, Wittwenbeitrag, Pfarr-Unterstützungsquote, Dienstboten u. s. w. unumgänglich leisten muß, zum Lebensunterhalt für sich und seine Familie keine 300 Fl. jährlich übrig bleiben. Das ist nun die erste Errungenschaft für ein zehn bis zwölf Jahre langes Studium und für eine eben so lange Wartezeit, als Pfarrgehülfe oder Pfarrverweser mit c. 300 Fl. Vicars- oder Verwesers⸗Gehalt. Ueber diesen letztgenannten Gehalt kann man nicht klagen; denn Vicarien und Verweser, ohne Familie und ohne eigenen, oder doch mit nur ganz einfachem Haushalte