# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1860_S122 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 122 Zu den laufenden Fragen. vollendete göttliche Berufung und Wahl, aber auch als geistliche Bestimmtheit und Selbstbestimmung in sich hegt, die also so wenig etwas verflüchtigen, daß sie vielmehr das, was allein Realität hat und allein Realität giebt, die in Christo offenbare göttliche Gnadenfülle und Willensmeinung aufrecht erhalten wider einen, dieselbe beeinträchtigenden schlechten fleischlichen Volks⸗ partikularismus. Und wenn dieser heute, anno 1859 mehr gelten soll, als er anno 1559 gegolten, wie der Verf. will, indem das prophetische Verständniß „im Fortgang der Zeit bestimmter und allseitiger“ geworden, so möchte sich doch gerade hiermit vor der verständigen Betrachtung dies Verständniß ein schlechtes Zeugniß ausgestellt haben. Die reformatorische Zeit in Auffassung eines so wichtigen Punktes, den der Verf. selbst einigermaßen in Verbindung bringt mit dem die deutsche Reformation bewegenden Grundgedanken, über⸗ haupt einer Verfehlung zu bezüchtigen, dazu bedürfte es hier, wie auch sonst, eines besseren Nachweises, einer in die Augen fallenden haltbaren genetischen Erklärung. Wir bleiben also dabei, und können, was nicht ist, auch nicht für einen die Aufgabe der Heidenmission bestimmenden Grund halten. Aber Dr. Fabri hat noch einen, die eigentliche Bedeutung unserer jetzigen Heidenmission bestimmenden Grund, mit dem wir auf die für uns anziehendste und mehr ergiebige Partie seiner Schrift kommen. Er behauptet (S. 101.), „daß die in der Babel⸗Katastrophe für diese Weltzeit festgestellte Vertheilung von Fluch und Segen über den Völkern sammt allen, diese beglei⸗ tenden, charakteristischen Unterschieden so gewaltig sind, daß auch die Botschaft des Evangeliums und die gläubige Annahme desselben die Völker von den Folgen dieses göttlichen Fatums nicht befreit;“ oder er behauptet, daß die Mission für diese Völker nur die Bedeutung eines Zeugnisses und der Samm⸗ lung einer Auswahl habe, aber niemals zur ganzen Bekehrung derselben und wirklichen Herstellung einer volksthümlichen Kirche führen werde, und daß das also göttliche Bestimmung sei. Treten wir darum seiner Erörterung über die Babel-Katastrophe ein wenig näher. Der Babylonische Thurmbau ist eine großartige Aeußerung des wider Gott sich erhebenden menschlichen Trotzes und Hochmuthes. Dem entspricht daher auch das darüber verhängte Gericht, das sich in drei Momenten vollzieht. Der HErr verwirrt und zertheilt die Sprache; Er zerstreuet die Menschen über die Oberfläche der ganzen Erde; Er zertheilt die Erde selbst. (1 Mos. 10, 25.) Nur mit der so zertheilten Erde zugleich, wie sie jetzt in Welttheilen geschieden vor uns liegt, läßt sich auch eine plötzliche und unfreiwillige Vertheilung und Zerstreuung ihrer Bewohner denken. Desgleichen deutet auf eine Erdrevolution der Umstand, daß mit dieser Länder⸗ und Völkerzer⸗ theilung das Lebensalter der Menschen zum zweiten Mal um die Hälfte sinkt. Wichtiger und bedeutsamer noch ist aber die ethisch⸗intellectuelle Seite des Ereignisses: die Sprachverwirrung. Denn mit dieser muß zugleich eine Zerrüttung und Zertheilung des ursprünglich gemeinsamen Gottes⸗ und Volksbewußtseins verbunden gedacht werden. Die Sprache ist ja nur nicht etwa blos der Ausdruck und Ausbruch dieses Bewußtseins, sondern das