# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1860_S120 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 120 Zu den laufenden Fragen. Verunglimpfung des Nächsten, nicht eine Ergötzung über seinen Fall, nicht eine Verspottung, viel weniger sein Untergang sein, sondern Besserung seines Lebens und Vermeidung der ewigen Verdammniß. Also wird zuerst zwar Eifer, aber auch Barmherzigkeit und Mitleiden bei dem, welcher bestraft, er⸗ fordert und derselbe soll durch des Nächsten Gefahr vorsichtiger werden. Des⸗ halb will Paulus, daß wir den Bruder mit sanftmüthigem Geiste zurecht helfen sollen, so daß auch wir nicht versucht werden, Gal. 6, 1. Das ist es, was jener Greis that, welcher, als er gehört hatte, daß einer der Brüder ge⸗ sündiget hatte, bitterlich weinte und sagte: jener heute, ich morgen. So erzählt Bernhard in seiner zweiten Osterpredigt. In dieser Stelle verlangt jener heilige Mönch an dem, welcher den Bruder bestrafen will, drei Stücke: die Seele, die Zunge und die Hand. In der Seele sei Mitleid des Gemüths, Eifer fürs Rechte, Klugheit des Geistes. An der Zunge finde sich Beschei⸗ denheit im Schelten, Ueberfluß im Ermahnen, Nachdruck im Ueberreden, in der Hand sei Enthaltsamkeit des Fleisches, Barmherzigkeit gegen den Bruder, Geduld in Frömmigkeit. ————◆———— Zu den laufenden Fragen. Unter dieser Ueberschrift schreibt Hengstenberg in der Dezember⸗ Nummer der Ev. Kirchen⸗Zeitung in einer Recension der Schrift des Missions⸗ Inspectors Dr. Fr. Fabri: „Die Entstehung des Heidenthums und die Auf⸗ gabe der Heidenmission“ (Barmen 1859) u. A. Folgendes: Der Verfasser fügt der aus dem Individualitätsprincip für Aufgabe der Heidenmission hergenommenen Instanz (— nicht Völker⸗, nur Einzelbekehrung! —) noch eine andere hinzu. Wäre es in dieser Weltzeit*) „auf eine Wiedergeburt der Heidenwelt im großen Ganzen, auf eine Wiedergeburt der Nationen“ abge⸗ sehen, „so müßte ja das Volk der Auswahl, da Gott seine Erwählung und Berufung nicht gereuen mag, als Vorbild der erneuerten und geheiligten Nationalität an der Spitze der Völker stehen.“ (S. 67.) „Israel ist der priesterliche Vermittler des Heils für die übrigen Völker.“ (S. 66.) Erst muß Israel in seiner „Fülle“ eingegangen sein, dann ist Hoffnung vorhanden für eine Herrlichkeitszeit. — Das ist nun eine bekannte Rede, die immer herrschender werden zu wollen scheint, aber eine Rede, die sich erst anders ausweisen müßte, um für eine gesunde und ausgemachte gelten zu können. Besonders auch hier in dem vorliegenden Schriftchen. Die Beweisführung ist doch gar zu flüchtig und absprechend. Offenbar nicht stichhaltig ist die Berufung auf Röm. 11, 29. Denn wenn auch gewiß „Gottes Gaben und Berufung ihn nicht gereuen mögen,“ so ist doch in dem ganzen Abschnitt nicht von einer Berufung Israels zum „Vorbild“ die Rede, sondern nur von einer *) „Diese Weltzeit“ ist hier die gegenwärtige Zeit im Gegensatze zu der neuen Welt⸗ zeit, die mit dem Millennium beginnen soll. D. R. p. t.