# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 29_S23 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) IFen nun der himmliſchen Dinge Vorbilder“ (nemlich die Stiftshütte und ihre Geräthe) „mit ſolchem“ (Thierblut) „gereinigt werden; aber ſie ſelbſt, die himmliſchen“ (Dinge des Neuen Teſtamentes) „müſſen beſſere Opfer haben, denn jene waren“ (nemlich des Sohnes Gottes eignes Blut). Ebr. 9, 23. Was folgt nun hieraus auf das aller⸗ natürlichſte? Nichts anders, als dies: Wie die Opferung des Paſſah lamms, im Alten Teſtament ein bloßes Vorbild der Opferung des wahren Paſſahlamms, nemlich ein Vorbild der Creuzigung Chriſti war, ſo war auch der Ge⸗ nuß des Paſſah mahls im Alten Teſtament ein bloßes Vorbild von dem Genuſſe des wahren Paſſahmahls, nemlich des heiligen Abendmahls. Wie aber die Erfüllung des in der Opferung des Oſterlammes liegenden Vorbildes nicht darin beſtand, daß Chriſtus ſich wieder bloß bildlich op⸗ fern ließ, ſo beſtehet die Erfüllung des in dem Genuß des Oſterlammes liegenden Vorbildes auch nicht darin, daß Chriſti Leib und Blut wieder bloß bildlich genoſſen wird! So gewiß vielmehr die Erfüllung des altteſtamentlichen Op⸗ fers darin beſtand, daß nun im Neuen Teſta⸗ ment der wirkliche Leib Chriſti geopfert und das wirkliche Blut Chriſti vergoſſen wurde, ſo gewiß beſteht auch die Erfüllung des altteſtament⸗ lichen Paſſahmahls darin, daß nun im Neuen Teſtament der wirkliche Leib Chriſti gegeſſen und ſein wirkliches Blut getrun⸗ ken wird. Es iſt klar: indem Herr Naſt ein⸗ geſteht: „Das Paſſahmahl war der Schatten, des HErrn Mahl das Weſen/, ſo ſchlägt er ſich ſelbſt; denn Herr Naſt wird ja wohl nicht das Fleiſch und Blut des Lammes für die Schat⸗ ten, und das Brod und den Wein im heiligen Abendmahl für das Weſen erklären?! — Herr Naſt geht freilich weiter unten wieder von ſeiner erſten Behauptung ab und ſtellt hierauf das Abendmahl des Neuen Teſtamentes dem Paſſah⸗ mahl des Alten Teſtamentes wieder völlig gleich, indem er behauptet, daß im Neuen Teſtament nur die äußerlichen Zeichen gewechſelt ſeien, daß nemlich „das Brod in demſelben Sinne der Leib Chriſti ſei, in welchem es das Oſterlamm vorher geweſen“; aber damit verſtößt er gröblich gegen die deutliche von ihm ſelbſt vorher anerkannte und von uns oben mit Wenigem nachgewieſene Schriftlehre von dem Unterſchied des Alten und Neuen Teſtamentes, macht Chriſtum zum Stif⸗ ter eines neuen Ceremonialgottesdienſtes und das Chriſtenthum zu einem neuen Judenthum voll Schatten und Bilder ohne den Körper und ohne das Weſen der Dinge ſelbſt.“) Ja, auf dieſe Weiſe legt er dem Alten Teſtament einen großen Vorzug vor dem Neuen bei, denn die Darſtellung des Leibes und Blutes Chriſti wäre dann im Alten reeller geweſen, als im Neuen. Abgeſehen *) Herr Naſt gibt zwar ſeiner Darſtellung den Schein, als gebe er auch dem Neuen Teſtament das Weſen der Dinge ſelbſt, aber durch eine (wir hoffen, unwiſſentliche) Verwechſelung der Objecte, indem er die Realität des neu⸗ teſtamentlichen Paſſahlammes dem neuteſtamentlichen Paſſah mahl ſubſtituirt. Der aufmerkſame Leſer prüfe hiernach Herrn Naſt's Aufſatz, ſo wird er finden, was wir ſagen. 23 übrigens davon, daß dies der göttlichen Offen⸗ barung von den verſchiedenen Haushaltun⸗ gen Gottes vor und nach Chriſto total wider⸗ ſtreitet, ſo iſt es auch wider alle Vernunft; denn ſollte das Brod und der Wein im Mahle des Neuen Bundes Chriſti für uns dahin gegebenen Leib und ſein für uns vergoſſenes Blut auch nur darſtellen und an ſein Opfer am Creuz erinnern, ſo hätte Chriſtus das paſſende Bild abgeſchafft und ein unpaſſendes eingeſetzt; denn wer ſieht nicht, daß die Schlachtung und der Genuß eines Lammes und die Vergießung des Blutes des ſel⸗ ben viel deutlicher an Chriſti Opfertod erinnert, als der Genuß eines Stücklein Brodes und eini⸗ ger Tropfen Wein? Weit entfernt daher, daß die Vergleichung des heiligen Abendmahles mit dem Paſſahmahl uns abhalten könnte, Chriſti Worte: „Das iſt mein Leib“ ꝛc. buchſtäblich und eigentlich zu nehmen, ſo beſtärkt uns dieſe Ver⸗ gleichung vielmehr darin. Deſto feſter glauben wir, daß das Gedächtniß Chriſti nicht wie im Alten Teſtament durch äußerliche Zeichen und ſymboliſche Handlungen, ſondern durch den wirk⸗ lichen Genuß ſeines Leibes und Blutes entzündet werden ſoll. (Fortſetzung folgt.) (Eingeſandt.) An unſere lieben Freunde und Glaubensbrüder. Wir können es uns nicht verſagen, Euch, theure Brüder, folgende Nachricht mitzutheilen: Unſer ſeitheriger in Chriſto IEſu vielgeliebter Seelſorger, Herr Paſtor Keyl, Ehrwürden, hat den Ruf der ev.⸗lutheriſchen Gemeinden zu Mil⸗ waukee und Freyſtadt angenommen und am 16. Sonntag nach Trinitatis ſeine letzten Predigten bei uns gehalten. Es geſchah dies vor einer großen Verſammlung, da auch aus den Nachbar⸗ gemeinden viele kamen, die das Wort Gottes noch einmal aus ſeinem Munde hören wollten, ſo daß unſer kleines Kirchhaus zu klein war, um die Menge zu faſſen. Die Vormittagspredigt von der Auferweckung des Jünglings zu Nain ging uns in unſerer Lage, da wir durch den Fort⸗ gang unſeres Seelſorgers ſchon tief bewegt waren, um ſo tiefer zu Herzen, ſie war aber auch ſehr tröſtlich für uns, weil wir daraus lernten, wie unſer HErr Chriſtus auch noch zu uns in aller Noth ſpricht: „Weine nicht.“ Darauf wurde das heilige Abendmahl und nach dem Gottes⸗ dienſt eine Gemeindeverſammlung gehalten, wo er tiefbewegt von einem jeden Abſchied nahm. In der Nachmittagspredigt fuhr er in der Erklä⸗ rung des erſten Buchs Moſe fort, welches er in den Wochengottesdienſten ausgelegt hatte. In dieſer Predigt — über das 35. Capitel — han⸗ delte er unter andern davon, wie bei dem heiligen Patriarchen Jakob immer ein Kreuz nach dem anderen gekommen ſei, aber auch Troſt des gött⸗ lichen Wortes damit abgewechſelt habe. Zum Schluß gab er uns noch mehrere wichtige Er⸗ mahnungen, daß wir das reichlich empfangene Wort Gottes treu bewahren möchten, und er⸗ klärte, daß er darum keine förmliche Abſchieds⸗ predigt gehalten habe, weil er glaubte, die Weh⸗ muth würde ihn und uns ſo ergreifen, daß das Weinen ein ſtörendes Hinderniß zum Lehren und Zuhören ſein möchte. Wir denken, es wird un⸗ ſern lieben Freunden lieb ſein, den Schluß der Abſchiedspredigt zu hören. Es war dieſer: „Vor allem preiſe ich Gottes überſchwengliche Barmherzigkeit für alle Frucht meines Predigt⸗ amtes, womit er dieſe ganze Zeit über mich und euch geſegnet hat, und bitte ihn, er wolle mir und euch alles, was wir wider ihn geſündigt haben, aus Gnaden vergeben und mit dem Blute ſeines lieben Sohnes Jeſu Chriſti auf ewig be⸗ deckt ſein laſſen; beſonders aber rufe ich ihn an, daß er die Saat ſeines Wortes, welche ich bis jetzt unter euch ausgeſtreut habe und welche mein theurer Nachfolger ferner unter euch ausſtreuen wird,*) alſo ſegnen wolle, daß jeder unter euch immer reicher an der heilſamen Erkenntniß der reinen Lehre, immer feſter und fröhlicher im ſelig⸗ machenden Glauben, inimer mehr erfüllt mit dem Troſte des Heiligen Geiſtes und immer frucht⸗ barer in der Liebe und allen guten Werken werde. Wendet nun allen Fleiß an, das Wort Gottes zu hören und zu lernen, nehmet es jederzeit im Glauben als Gottes Wort an, behaltet es in einem feinen guten Herzen und bringet Frucht in Geduld. Und damit ihr ſolches könnet, ſo ruft Gott ernſtlich um die Gnade an, ſein heiliges Wort recht zu erkennen, von Herzen daran zu glauben, ihm treulich zu gehorchen und dabei feſt zu verharren. Beweiſet euch gegen euren künf⸗ tigen Prediger und Seelſorger in allen Stücken ſo, daß er mit Freuden unter euch arbeiten möge, und da ich euch ſeiner Seelſorge mit völligem Zu⸗ trauen übergebe, ſo kommt ihm auch nun mit Liebe und Zutrauen entgegen, daß er euch in allen Stücken als ein treuer Hirt weiden werde, mit Lehre und Weisheit. ö Erfüllet meine Freude, daß ihr Eines Sinnes ſeid, gleiche Liebe habt, einhellig ſeid, und daß ihr auch mit eurer lieben Nachbargemeinde fortan wie bisher in ſolcher Einigkeit und Liebe lebet. O wie werde ich mich freuen, wenn ich auch ab⸗ weſend von euch höre, daß ihr ſolchen meinen Er⸗ mahnungen von Herzen gehorſam ſeid, denn ich habe keine größere Freude, denn die, daß ich höre, daß ihr in der Wahrheit wandelt. Betrübet euch nicht zu ſehr über meinen Abſchied, bedenket, der Gott, der mich zu euch gerufen hat, der ruft mich jetzt wieder von euch; darum ergebet euch ſeinem heiligen Willen'in dem feſten Glauben, daß auch hierin, ſowie allezeit, ſein Wille ein guter und gnädiger iſt. Bedenket auch, daß ihr gewiß auch meinen neuen Gemeinden nach der Liebe das Gute gönnen werdet, das ihr ſo lange genoſſen habt; ihr Mangel wird dadurch gelindert, und das ſei eure Freude; ihr aber ſollt ja auch in 3u⸗ kunft keinen Mangel an irgend einer Gabe haben, und das ſei euer Troſt. Endlich begleitet mich und die Meinigen mit euren Gebeten, Friedens⸗ und Segenswünſchen, daß Gott mit uns ziehe auf dem Wege, wie er einſt mit Jakob zog, und damit wir ihn auch wis Jakob dafür loben und preiſen mögen, und daß ich das Wort des HErrn bei meinen neuen Gemeinden mit neuem Eifer und neuem Segen treiben möge. Und nun, meine Herzlichgeliebten, ſchließe ich mit den Worten Pauli in ſeiner Abſchiedspredigt Ap. Geſch. 20, 33.: Ich befehle euch Gott und dem Worte ſeiner Gnade, der da mächtig iſt euch zu erbauen und zu geben das Erbe ſammt denen, *) Er predigte uns neun Jahre in Deutſchland und neun Jahre hier in Amerika.