# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1860_S107 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber die Grundlagen der Schenkel'schen vom Standpuncte des Gewissens ꝛc. 107 derung des Seelenheils ihrer Pfarrkinder tragen. Diese würde man richtiger Viehhirten als Seelenhirten nennen. Das sagen wir nicht, als ob wir es absolut und an sich mißbilligten, daß ein Prediger irgend welche Sorge für sein Hauswesen trage (wenn es nur ohne Schaden des Amt und der Studien geschieht), die auf die Fütterung des Viehs und die Bestellung der Aecker verwandt wird. Aber er soll zuerst und hauptsächlich auf sich selbst und auf die Lehre Acht haben, und nicht um der Nahrung und Kleidung willen besorgt und ängstlich arbeiten, weil Gott selbst unser Erbe ist, der wird uns Feld, Weinberg, Oelgarten, Saat, Acker und Frucht zugleich sein, und weil Christus nicht dulden wird, daß seinen Knechten etwas fehlt, Luc. 22, 36. Wehe daher jenen Dronen, welche die Heerde nicht weiden, sondern aufzehren. Diese durchbohrt der Prophet Ezechiel mit dem Schwerte seines Worts, Ezech. 34. Denn es ist unsere Aufgabe, nicht unsern Gewinn, sondern die Seligkeit der Schafe zu suchen, 2 Cor. 12, 14.: „Ich suche nicht das Eure, sondern euch“. Wir sind zu Menschenfischern, nicht zu Geldfischern gesetzt. Darum sollen die Prediger, wie Aquinas treffend sagt, größere Sorge für die Mehrung der geistlichen Güter in der Gemeinde haben als für den Erwerb irdischer Güter. — Ueber die Grundlagen der Schenkel'schen vom Standpuncte des Gewissens aus dargestellten christlichen Dogmatik. Unter dieser Ueberschrift bringt die Erlanger Zeitschrift für Protestantismus und Kirche im Novemberheft 1859 eine Kritik über den ersten Band des genannten Werkes. Danach ist die Grundlage der Schenkelschen Dogmatik der vulgäre Rationalismus, welcher gerade im Begriff ist, eine Amalgamation mit dem Pantheismus einzugehen, womit er jedoch so wenig zu Stande gekommen, daß zur Zeit die Ingredienzien beider Geistesverirrungen noch ziemlich unvermittelt neben einander stehen. Der alte vulgäre Rationalismus hat sich überlebt, das ist eine Thatsache, die er selbst nicht mehr leugnen kann. Er getraut es sich nicht mehr, dem heutigen Zeitgeiste seine dürre Trias „Gott, Tugend und Unsterblichkeit“ als das non plus ultra aller Weisheit in Religion und Philosophie anzupreisen. Damit würde er sein Schicksal: Tod durch Langeweile nur beschleunigen. Er sinnt deshalb auf eine Metamorphose, um sich dadurch dem Publikum wieder interessant zu machen. Da nun der Pantheismus jetzt unter den Gebildeten die herrschende Geistesströmung ist, so hat er sich entschlossen, darin ein Bad der Verjüngung zu nehmen, um so in geistreicher, speculativer und ästhetischer Schöne wie ein neuer Phönix wieder aufzustehen und neue Eroberungen zu machen. Indeß — der Zopf, der hängt ihm hinten! Mitten durch die wunderliche pantheistische Verbrämung blickt uns doch