# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1860_S104 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 104 Vom Eifer der Prediger. und gleichmäßiges Verhalten anlocke, daß sie sich für die Wahrheit empfänglich beweisen möchten. Lasset uns darum die Heerde Christi weiden nicht herrisch und gebieterisch, noch weniger tyrannisch und hart, sondern väterlich, nämlich ernst, freundlich, gelinde und mit einer väterlichen Güte und Herzlichkeit, indem wir mehr suchen, geliebt als gescheuet zu werden. Laurentius zu 1 Pet. 5, 3. hat richtig gesagt: Ein jeder Pastor regiere seine Gemeinde vorsichtig und besonnen, nicht mit der Härte der Gewalt, sondern durch den Geist der Lindigkeit, und nicht mit stetem Pochen auf seine Amtsmacht und Autorität bei allen Sachen und gegen jedermann, wie er zwar an und für sich mit höchstem Rechte thun könnte, sondern indem er zuweilen von seinem Recht etwas nachläßt, wie Paulus mehr als einmal gethan zu haben bezeugt, 1 Cor. 9, 12., 2, 13. 2., 2 Thess. 3, 9. Lasset uns den Basilius nachahmen, der durch Milde ein Magnet, durch Geduld und Standhaftigkeit ein Demant war. — Ueberdies soll ein Prediger alles mit Wärme und Eifer, nichts träge und gleichgiltig thun. Lasset uns laut rufen und wie mit Posaunenschall die Stimme erheben, weil wir zu Todten und Steinen reden. Lasset uns den Vater des Lichts anflehen, daß er unsern Mund mit der glühenden Kohle anrühre, daß nur Reines, Göttliches und Himmlisches von unsern Lippen komme, damit wir brennende und leuchtende Lampen seien, brennend in uns durch Eifer, Glauben und Liebe, leuchtend andern durch Worte und Werke; damit wir Kohlen und Fackeln seien, Kohlen uns selbst, Fackeln der Heerde, Joh. 5, 25. Daher gab Christus den ersten Lehrern der Kirche nicht fleischerne, sondern feurige Zungen, damit sie mit denselben mit glühendem Eifer reden und die Herzen der Hörer entzünden möchten, Apgsch. 2, 3. Herrlich war jenes Lob Luthers: „Was nur Luther sagt, und was er nur schreibt, das dringt in die Herzen und läßt im Gemüth der Hörer wunderbare Stacheln zurück“. Lasset uns dem Elias nachahmen, der eifrig eiferte, der, von heftigem Eifer entzündet, ganz Feuer war und darum auch auf feurigem Wagen gen Himmel fuhr. Lasset uns dem Elisa, Jesaja, Jeremia (29, 9.), Johannes dem Täufer und Paulus (Gal. 2, 11. 12.) nachahmen, welche im Feuer der Liebe brennend durch feuerige Predigten die kalten Herzen der Hörer in Flammen setzten. Lasset uns im heiligen Eifer glühenden Sinn, Mund und Hände haben, damit wir die Leute vom Laster zur Tugend führen. Den Kindern wollen wir Milch, den Stärkeren feste Speise geben, und nichts, was zum Heile der Heerde dienlich ist, aus Trägheit unterlassen. Lasset uns endlich den Seraphim nachahmen, welche in brennendem Eifer behend und bereit sind, jeglichen Auftrag Gottes auszurichten, und, wie sie, nicht blos zwei, sondern sechs Flügel haben, mit welchen wir aufwärts und abwärts, vorwärts und rückwärts, rechts und links auf's schnellste uns bewegen und fliegen können (Jes. 6, 2.), wie die Engel, welche das ewige Evangelium verkündigen, nicht kriechen noch gehen, sondern mit eiligen Flügeln rasch mitten durch den Himmel fliegen, Offb. 14, 6. —