# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1860_S103 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vom Eifer der Prediger. 103 das Haus des Königs, Johannes der Täufer den Herodes Antipas, Christus tadelte denselben König, Paulus den Felix, Chrysostomus die Eudoxia und Ambrosius den Kaiser Theodosius, indem er ihn wegen frevelhafter Ermordung der Thessalonicher vom Altar wies. Darum wollen wir kühn, unablässig und freimüthig auch die Laster der Fürsten, Großen und Angesehenen strafen. Unbesiegt von falscher Scham, nicht stumm oder ängstlich aus Furcht, ohne Scheu vor Macht oder Haß, laßt uns die Wahrheit mit einer edelen Unehrerbietigkeit aussprechen, in dem Bewußtsein, daß wir Gottes Diener und Boten sind und von ihm geleitet, regiert und beschützt werden, wie zu ersehen ist aus Jes. 42, 6. 50, 7., Jer. 1, 8. 17. 18. 19. und 20, 11., Ezech. 3, 8. 9. Der Herr wird die Seinen nicht verlassen, da er weiß, daß sie ohne seine Hilfe in diesen letzten und schlimmsten Zeitverhältnissen in seinem Dienste nicht ausdauern können. Darum hat er ihnen geboten, daß sie sich gegen die Drohungen und Verleumdungen der Feinde, und seien sie auch stachlichter als Dornen und giftiger als Scorpionen, Ezech. 2, 6., tapfer halten sollen; denn jeder Feige ist ein Mörder, wie Aristoteles sagt, zumal in der Sache Gottes. — Außerdem wollen wir als Liebende lehren, daß alles mit dem Zucker der Liebe gewürzt werde, 1 Cor. 16, 14. Bitten, Predigen, Strafen, Ermahnen u. dergl. soll alles aus dieser Quelle fließen. Das Feuer des Eifers brenne vom Oele der Barmherzigkeit, Jerem. 13, 17., Luc. 19, 41., Phil. 3, 19. So gießt der gute Samariter Wein mit Oel in die Wunden, damit der Wein beiße, das Oel sie heile. Wenn einmal Strenge nöthig wird, so wollen wir den Chirurgen nachahmen, welche den Kranken erquicken, während sie schneiden und brennen, und zeigen, daß das, was sie thun, zu seiner Rettung dienlich sei. Denn es ist keinem erlaubt zu strafen außer dem, welcher liebt, damit die Strafe mit Lindigkeit geschehe, zur Erbauung und Förderung dessen, der gestraft wird, und nicht zu seinem Verderben. Daher will der Apostel, daß unsere Heftigkeit durch Geduld gelindert werde, 2 Tim. 4, 2., und daß wir nicht über die Langsamkeit und Härtigkeit dessen, welchen wir lehren, zürnen. Lasset uns darum niemanden durch unsern Hochmuth oder finstere Härte eine Last auflegen, sondern durch Freundlichkeit, Lindigkeit und liebliches Wesen anziehen und gewinnen, denn so werden wir sie bewegen, wozu wir nur wollen, und werden ein sowohl sehr nützliches als angenehmes Leben mit ihnen führen. „Liebe und sage, was du willst“, schreibt Augustinus. Ja, liebe und thue, was du willst. Wie der Redner nicht nur voll Klugheit, sondern auch voll Güte und Wohlwollen sein muß, so auch der Prediger. Denn es thut viel zur Erweckung des Zutrauens (wie ein Philosoph richtig bemerkt), wenn die Zuhörer der Meinung sind, daß der Redner gegen sie wohlwollend gesinnt sei. Daher ist die Ermahnung Calvin's an Farel verständig und klug gewesen, daß er es nämlich mit dem Volke mehr halten solle, nicht auf schmeichlerische Art, sondern indem er die Herzen durch Milde