# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1860_S102 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 102 Vom Eifer der Prediger. wird, 1 Cor. 9, 27. Der Tag ist kurz, die Arbeit viel, der Lohn sehr groß. Lasset uns auf den Kampfpreis schauen, und um in der Arbeit freudig ausharren zu können, lasset uns Liebe haben: denn dem Liebenden ist nichts schwer, sondern er läuft, fliegt, überwindet alles, Hohes Lied 8, 6. 7., 2 Cor. 5, 14., 1. Mos. 29, 20. Petrus, welcher Christum lieb hat, weidet dreifach, Joh. 21, 15., durch's Wort, durch's Leben, durch Schrift. Als Zacharias nicht reden konnte, schrieb er, denn die Stimme der Feder geht weiter als die des Mundes, weil wir durch Buchstaben uns mit weit Entfernten unterhalten können, und weil durch sie die Todten noch reden. — Ferner muß man im Weinberg des Herrn frei arbeiten, mit voller Zuversicht des Herzens und mit unerschrockenem Sinn. Der Würfel sei geworfen, und das Schiff wollen wir den Winden überlassen, weil es nöthig ist, daß wir schiffen, nicht daß wir leben, wie Cäsar heldenmüthig sagte. Denn wer den Haß und Hohn der weltlich Gesinnten zu sehr fürchtet, wird schnell wanken. Daher bedarf es einer gewissen Freimüthigkeit und Selbstgewißheit, um damit alle Gefahren und alle Verachtung der Gottlosen zu verachten. Wie der Feldherr stehend sterben muß, so muß der Pastor leidend und arbeitend, tragend und sich selbst verleugnend, betend und predigend sterben, ja alles Schreckliche und Schwere durch die Liebe Christi freudig auf sich nehmen. Denn das heißt in Wahrheit sich leiden als ein guter Streiter Jesu Christi, 2 Tim. 2, 3., das Uebel tragen, Unrecht jeder Art um des Evangeliums willen erdulden und das Herz gegen die Spöttereien der Unvernünftigen hart machen, nach dem Vorbild Christi, welcher sein Angesicht dargeboten hat als einen Kieselstein, Jes. 50, 7., und darum in der höchsten Noth und Gefahr unbewegt und unbesiegt dastand wie ein Fels, an welchen die Fluthen anschlagen und abprallen und in Schaum zerrinnen. Darum mögen andere fliehen, sich fürchten und voll Schrecken werden: wir müssen streiten und kämpfen bis zum Tod. Ein Beispiel sei uns jener Bias, der von dem Athenischen Feldherrn Iphikrates eingeschlossen war, und als ihn seine Soldaten fragten, was geschehen sollte, sagte: „Was anders, als daß ihr für euere Rettung Sorge tragt: ich werde fechtend sterben!“ Wie Alexander sich selbst anredete: „Entweder kämpfe tapfer oder lege den Namen ab!“ so redet auch Christus uns an: „Entweder richte eifrig das Predigtamt aus oder sei nicht Prediger!“ Denn das Hauptgeschäft eines Pastors ist, das Reich des Satans mit geistlichen Waffen zu zerstören und zu Grunde zu richten. Aber dies können wir nicht vollbringen durch sanft thun und zu Gefallen reden, sondern durch die Freimüthigkeit und Entschiedenheit, mit welcher wir die herrschenden Ketzereien, Irrthümer und Sünden, vornehmlich diejenigen, welche das Gewissen verwüsten, sowohl an Großen als an Geringen freimüthig, besonnen und kühn strafen, ohne alles Ansehen der Person. Denn es ist unsere Pflicht, alle, sogar die Könige selbst ihrer Sünden zu überführen. So strafte Nathan den König David, Elia den Ahab, Elisa den Joram, Hosea (5, 1.)