# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1860_S99 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vom Eifer der Prediger. 99 Dornen sind. Jene brennen, wenn man sie leicht berührt; wenn man sie mit den Fingern zusammendrückt, erregen sie gar kein Jucken: diese verwunden, wenn man nicht vorsichtig mit ihnen umgeht. So merkte Paulus, als er zu den Athenern reden wollte, vieles, wodurch er dann ihre gute Meinung gewann. — 3) Die Werke Gottes, sowohl der Schöpfung als der Regierung, seien ein Buch, woraus ein Seelsorger sich und andere unterrichte. Aus diesen nehme er zahlreiche Beweise für Gottes Macht, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Weisheit und Wahrheit in den Verheißungen wie in den Drohungen. Wie fleißig David und Salomo sie betrachteten, bezeugt der Psalter und der Prediger. — Wie die heil. Schrift gelesen werden solle, haben wir an einem andern Orte gezeigt. Hier wollen wir nur einige Regeln geben. I. Die heiligen Geheimnisse Gottes sollen nicht gelesen werden, ohne daß man Gott um die gnädige Mittheilung seines Geistes, der das Herz erleuchtet und lehret, herzlich und flehentlich bittet. II. Man versetze das Gemüth in die rechte Stimmung, wenn man zu diesem Geschäft schreitet. III. Es soll uns der Zweck des Buches sowohl als der Stelle, welche wir lesen, wiederholt beim Lesen vor die Augen treten. — Wir wollen nun kurz beifügen, was uns zu unermüdlichem Eifer entflammen soll. Bekanntlich soll man ja nicht obenhin, sondern fleißig und eifrig im Weinberg des Herrn arbeiten. Denn von uns erwartet die Kirche, unsere Mutter, Hilfe. Lasset uns daher herzueilen und nach allem Vermögen uns bemühen, auf die Aergernisse Acht zu haben, den Zwiespalt auszutilgen, die Ketzereien zu vernichten, die Gräuel niederzukämpfen und das Reich des Satan von Grund aus auszurotten. Lasset uns anhalten zur rechten Zeit und zur Unzeit: zur rechten Zeit, wenn sich die Gelegenheit von selbst darbietet; zur Unzeit, wenn dem Fleisch etliche Unbequemlichkeiten und Gefahren zu drohen scheinen. Fleiß ist in allen Sachen ein köstliches Ding (denn er macht viele reich, Sprüch. 10, 4. und bringt viele zu Ehren 22, 29.), vornehmlich aber im Predigtamt und in der Seelsorge, welche die Kunst der Künste ist und die größte Vollkommenheit, Uebung, Anstrengung und Klugheit erfordert; denn einige sind störrig und ungelehrig, andere schwach, andere unverschämt, viele unwissend. Wir wollen daher wachsam sein und alle Empfindlichkeit ablegen. Der täuscht sich völlig, welcher dies Amt antreten will, ohne sich zugleich mit einem heldenmüthigen und unüberwindlichen Sinn zum Kampfe zu rüsten. Denn niemanden ist Satan mehr auf dem Halse, niemand wird heftiger angegriffen, oder erleidet mehr und schwerere Schmach, als die heiligen und treuen Standartenträger der Kirche, welche Gott nicht zu Ergötzung und Wollust, sondern zum Haß und Schmach der Welt bestimmt hat, nach dem Ausspruch des Apostels Röm. 8, 36.: „Um deinetwillen werden wir getödtet den ganzen Tag und sind geachtet wie Schlachtschafe“; vergl. 1 Cor. 4, 13. Und was