# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1860_S97 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang VI. April 1860. No. 4. (Für „Lehre und Wehre“ aus dem Lateinischen übersetzt von G. Schick.) Vom Eifer der Prediger. (Aus Hartmann's Pastorale Evangelicum, Nürnberg, 1697.) Ernstlich ermahnt der treffliche Dr. Veiel*) in seiner Evangelischen Postille: „Welcher Prediger, insonderheit ein junger, der sich noch nicht ausgearbeitet hat, nicht alle Tage, so viel seine andere Amtsgeschäfte zulassen, ihme vorgesetzet, immerzu etwas zu lesen, zu forschen, zu suchen, zu finden, aufzuzeichnen; sondern gedenket, andere haben, ihm zum Besten, Bücher genug drucken lassen, daß er ohn einige Mühe auch Doctor-mäßige Predigten von Wort zu Wort ablegen könne, der ist ein Müßiggänger und ein Knecht, der sein Pfund vergräbet. Am allermeisten aber soll dies der Lehrer und Prediger ihre Arbeit sein, daß sie durch Lehren und Leben den Glauben, die Liebe, Hoffnung, Geduld, Sanftmuth und Demuth, Verleugnung seiner selbsten, wahre Gottseligkeit und die Früchte aller Tugenden in den Weinberg ihrer lieben Zuhörer hineinsenken; denn dieses Frohnen, (wann schon auf dieser Welt gemeiniglich nur Armuth und schlechte Nahrung bei ihnen, ihren Weibern und Kindern einkehret,) bringet doch endlich großes Belohnen.“ — Darum ist jeder Lehrer in Kirche und Schule auch auf Privatstudien Sorge zu wenden verpflichtet, und Paulus ruft ihm beständig zu: Halte an mit Lesen! 1 Tim. 4, 13. 2 Tim. 4, 1. Paulus selbst, obgleich in vorgerücktem Alter, ließ sich Bücher und Pergamente bringen und wollte nicht Bücherläuse und Motten aufkommen lassen. Petrus las fleißig die Briefe Pauli, Daniel hatte die Weissagungen Jeremia's durchforscht, Cap. 9, 2. David beschäftigte sich Tag und Nacht mit dem Gesetz, Psalm 119. Wenn also die gotterleuchteten (θεόπνευστοι) Männer, auf welche der heilige Geist die reichsten Ströme seiner Gaben ausgoß, trotzdem fleißig Bücher gebrauchten, wie müßten wir Leutlein, die nach Gottes Willen die Funken der Wahrheit, welche er uns zugänglich gemacht hat, mit steter Arbeit herausschlagen sollen, uns schämen, wenn wir in Ruhe der Faulheit pflegen und nicht aus allen Kräften uns des Lesens befleißigen wollen. — *) Veiel war Prediger und Gymnasialdirector zu Ulm und starb 1706.