# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1860_S90 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 90 Aus deutschen Recensionen. würde der Seelen Seligkeit nicht auf Gott und sein unvergängliches, ewig neues Wort, sondern auf todte Menschen, auf Jeremias, Matthäus, Eusebius und deren vergilbte, wurmstichige Pergamente gebaut. Ohne sich selbst untreu zu werden, ohne von ihrem einigen Herrn und Meister abzufallen, darf die evangelische Kirche ihren kanonischen Schriften nur eine aposterioristische Auctorität zugestehen: sie darf nie den reformatorischen Grundsatz fallen lassen: „Darin stimmen alle rechtschaffene heilige Bücher überein, daß sie allesammt Christum predigen und treiben. Auch ist das der rechte Prüfstein, alle Bücher zu tadeln, wenn man sieht, ob sie Christum treiben oder nicht, sintemal alle Schrift Christum zeuget, und St. Paulus nichts denn Christum wissen will. Was Christum nicht lehret, das ist noch nicht apostolisch, wenn es gleich St. Petrus oder Paulus lehrte. Wiederum was Christum prediget, das wäre apostolisch, wenn's gleich Judas, Hannas, Pilatus und Herodes thäte.“ (Luther's Vorrede auf die Epistel St. Jakobi.) Obendrein ist es völlig unerwiesen, daß der Verfasser unseres Briefes ein Apostel oder apostolischer Mann gewesen sei, und es wird auch für immer unerweislich bleiben: „ἐπεὶ πολλοὶ Ἰάκωβοι ἐκαλοῦντο“ (Hegesipp.). Wunderlich genug klingt Huther's Behauptung: „Der Verfasser des Briefes bezeichnet sich in der Aufschrift als Ἰάκωβος, θεοῦ καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ δοῦλος und gibt sich dadurch, wenn auch nicht als Apostel im engeren Sinne des Wortes, doch als ein Mann von apostolischem Ansehen zu erkennen.“ Aber „Knecht“ und „Apostel (Jesu Christi)“ unterscheiden sich ja offenbar wie Genus und Species (vgl. Röm. 1, 1., Ephes. 1, 1., Tit. 1, 1., 2 Petr. 1, 1.); — einen Knecht Christi darf auch Huther, ich und überhaupt jeder Getaufte und Gläubige ohne Selbstüberhebung sich nennen; denn es heißt ja eben nichts weiter als „irgend ein gut, fromm Mann“. Für etwas anderes kann auch unser Jakobus nicht gehalten werden, und Huther's Versuch, mehr aus ihm zu machen, ist wenigstens für mich viel zu gekünstelt und spitzfindig. Auch der Excurs zu Cap. II. (S. 126—132) erscheint mir bei weitem zu schwach, um den nicht bloß „dem Ausdrucke nach“ bestehenden Gegensatz zwischen Jakobus und Paulus aufzuheben. Huther legt viel zu wenig Gewicht auf „das Zurücktreten der christologischen Momente“, das er bloß „als eine Eigenthümlichkeit des Briefes“ ansieht (S. 18.). Hierüber denke ich mit Luther, es sei ein gar wunderbarer Apostel, der da „will Christenleute lehren und gedenket nicht einmal in solcher langen Lehre des Leidens, der Auferstehung, des Geistes Christi. Er nennet Christum etlichemal, aber er lehrt nichts von ihm, sondern saget vom gemeinen Glauben an Gott. Denn das Amt eines rechten Apostels ist, daß er von Christi Leiden und Auferstehung und Amt predige und lege desselbigen Glaubens Grund, wie er selbst sagt: ihr werdet von mir zeugen.“ (Luther a. a. O.) Auch über den Satz: „Wie der Leib ohne Geist todt ist, so ist auch der Glaube ohne die Werke todt,“ geht Huther gar leicht hinweg, obschon der Gedanke, daß der Glaube sich zu den Werken verhalte wie der Leib zum Geiste, allen unbezweifelten Aposteln ebenso