# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1860_S88 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 88 Aus deutschen Recensionen. der Richter, wo ein jeder that, was ihm gut deuchte. Aber, sagt mancher, wird da nicht Spaltung ohne Ende sein? Wir sagen: Ja wohl, bis ans Ende, wie Christus vorausgesagt hat. Und die Spaltung ist jetzt schon im Gange, andre werden nachfolgen auf den selbsterwählten Wegen, und die Union wird ein Schauspiel bekommen, wie sie es gern hat. Aus deutschen Recensionen. I. In einer Recension der „Grundlinien zum Religionsunterricht an den oberen Klassen gelehrter Schulen von Dr. G. Thomasius“ (3. Auflage von 1858) schreibt Ströbel: Einen starken Verstoß hätte ich hinweggewünscht. In den Paragraphen 7. und 9. werden die „göttlichen Wesensbestimmtheiten“ als „trinitarische Entfaltung“ der Gottheit unterschieden von den „relativen“ Eigenschaften Gottes, die sich erst aus seinem Verhältniß zur Welt ergeben sollen: Ewigkeit, Unveränderlichkeit, Allgegenwart, Allmacht, Allwissenheit, Weisheit, Gerechtigkeit, Güte, Treue. Diese theologische Vorstellung ist in mehr als einer Hinsicht unrichtig und zieht mit innerer Nothwendigkeit einen christologischen Irrthum nach sich, der im § 23. so formulirt erscheint: „Die μορφὴ θεοῦ ist nicht das göttliche Wesen (dessen hat sich der Sohn nicht entäußert), sondern die dem Wesen Gottes entsprechende Herrlichkeitsgestalt, die ihm als dem ewigen Sohne zustand, μ. δούλου die beschränkte, kreatürlich⸗menschliche Seynsweise. Auf erstere leistet er freiwillig Verzicht, um in letzterer zu erscheinen, zu leben und zu leiden; exinanivit se humanam formam subiens.“ Wäre das wirklich so, dann würde in der heil. Schrift der μορφὴ θεοῦ die μορφὴ ἀνθρώπου entgegengesetzt sein; dann würde aber auch die unvermeidliche Consequenz eintreten, daß Christus entweder noch heute im Stande der Entäußerung sich befinde, oder daß er aufgehört habe Mensch zu sein. Nach der apostolischen Ueberzeugung, wie sie im 8. Art. der Form. Conc. klar und ausführlich wiederholt wird, kann es nur heißen: Jesus Christus exinanivit se servilem formam subiens. Jenes „humanam formam“ dagegen führt uns mitten in die Calvinistische Anschauung hinein, die zunächst den Begriff des menschgewordenen Gottes gegen den eines gottgewordenen Menschen vertauscht, und sodann, wie noch neulich Ebrard's Christologie gezeigt hat, durch Unterscheidung absoluter und relativer Eigenschaften in der Gottheit, diese selbst zu einem absolut⸗relativen, der „Reducirung“ und Wiedervermehrung fähigen Wesen macht. Caveamus istas Calvini speculationes! II. In einer Recension des „kritisch exegetischen Handbuchs über den Brief des Jakobus von Dr. J. E. Huther, Pastor zu Wittenförden bei Schwerin“, von 1858 schreibt Ströbel: Der unbestreitbare Werth des Huther'schen „Handbuchs“ liegt in der genauen grammatischen Exegese — seine Schwäche in der Begriffsentwickelung, nicht minder als in der auf vorgefaßten Meinungen fußenden, oder sichtbar darauf lossteuernden Kritik. In