# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 29_S21 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) fung vorzulegen, und zweitens, weil es hoffentlich nicht ohne Segen ſein wim, wenn die irregelei⸗ teten redlichen Seelen unter den Methodiſten bei dieſer Gelegenheit erfahren, wie die Abendmahls⸗ lehre der Parthei, zu welcher ſie ſich ohne gehörige Prüfung geſchlagen, ſo gar keinen Grund in dem Worte Gottes habe, und wie wohl begründet hingegen die Lehre der evangeliſch-lutheriſchen Kirche ſei, die viele von ihnen leider! in großer Untreue verlaſſen haben, ja wohl gar jetzt ver⸗ werfen und verfolgen helfen. So möge denn vorerſt Herrn Naſt's Aufſatz hier ganz und unverändert Platz finden, worauf wir unſere Prüfung desſelben folgen laſſen. Eine Betrachtung Herrn Naſt's über das heilige Abendmahl. (Genommen aus dem „Apologeten“ No. 437.) „Die Lehre von dem heiligen Abendmahl iſt höchſt wichtig, nicht aus dem Grunde, weil ſo viel darüber geſtritten worden iſt, ſondern wegen ſeiner Bedeutung, inſofern der gläubige Genuß desſelben alle Früchte des Todes Chriſti in ſich faſſet und uns aufs feierlichſte als eine Pflicht auferlegt iſt. Die wahrhaft Frommen jeder Zeit und jedes Landes betrachteten es ſtets mit der tief⸗ ſten Ehrfurcht und Hochachtung, als ein hoch⸗ wichtiges Gnadenmittel. Es wurde von Chriſto ſelbſt eingeſetzt zu dem Zwecke, das allerhöchſte Ereigniß, das je geſchah und die anbetende Ver⸗ wunderung der Engel erregte, die Erlöſung des gefallenen Menſchengeſchlechts von der Sünde und ihren ſchrecklichen, ewigen Folgen durch das Leiden und Sterben des Sohnes Gottes, zu feiern; es wurde unter den rührendſten Umſtänden ein⸗ geſetzt am Vorabend ſeines Todestages; ſein Lehramt auf Erden war vollendet; die Pläne ſeiner Feinde, Ihn ums Leben zu bringen, waren reif; Judas war ſchon im Verrathe ſeines Meiſters begriffen; die Hohenprieſter und das von ihnen verführte Volk dürſteten nach ſeinem Blut. Unſer Herr und Heiland wußte alles dieß, dachte aber blos an die Seligmachung Derer, die an Ihn glauben würden, und bereitete ihnen ein heiliges, ſegenbringendes Mahl, mit der feierlichen Ver— ordnung, ſeinem letzten Befehl, dasſelbe „zu Seinem Gedächtniß“ zu feiern. Die Natur und Bedeutung dieſes Mahles iſt leicht zu verſtehen, wenn wir nur daran denken wollen, daß der Herr es einſetzte, gerade als Er das im Alten Bunde verordnete Oſterlamm mit ſeinen Jüngern aß. Die Aehnlichkeit zwiſchen dem jüdiſchen Paſſah und dem Mahle des Herrn macht Dr. Clarke in folgenden Bemerkungen höchſt anſchaulich: 1. Das Oſterlamm war eine göttliche An⸗ ordnung; ſo war das Gedächtnißmahl des Opfer⸗ todes Jeſu Chriſti. 2. Das Oſterlamm war ein Sacrament des Alten Bundes; das Gedächt⸗ nißmahl iſt ein Sacrament des Neuen Bun⸗ des. 3. Das Paſſahfeſt wurde eingeſetzt zum Andenken an Iſraels Befreiung von der Knecht⸗ ſchaft Egyptens; das heilige Abendmahl zum Andenken an die viel wichtigere Befreiung von der Knechtſchaft der Sünde und des Satans. 4. Das Oſterlamm war ein Vorbild des zu⸗ künftigen Todes Chriſti; das Abendmahl ein Sinnbild des geſchehenen Todes. 5. Das Oſterlamm war ein gewiſſes Bundeszeichen zwi⸗ ſchen Gott und den Menſchen; ſo auch das heilige Abendmahl, indem es das Verſöhnungsblut vor⸗ ſtellt, welches vergoſſen wurde, um den Neuen Bund zwiſchen Gott und den Menſchen zu machen. 6. Wie niemand Theil nehmen konnte an dem 21 Oſterlamm, ehe er beſchnitten war, 2 Moſ. 12, 43—48., ſo geſtattet die Kirche Chriſti nur Denjenigen den Genuß des heiligen Abendmahls, welche getauft worden ſind. 7. Wie die Juden, um das Oſterlamm genießen zu dürfen, frei ſein mußten von aller willkührlichen Befleckung, ſo befiehlt die heilige Schrift Jedem, ſich ſelbſt zu prüfen, ehe er von dieſem Brode ißt und von die⸗ ſem Weine trinkt, und den alten Sauerteig der Bosheit auszufegen, 1 Cor. 11, 27 — 29. 8. Wie die muthwillige Vernachläſſigung des Oſterlam⸗ mes einen Menſchen aus der Gemeinſchaft Jji⸗ raels ſchloß, 2 Moſ. 12, 15. 4 Moſ. 9, 13., ſo ſchließt eine Verachtung des Gedächtnißmahles, in ſo fern dadurch das Sühnopfer für die Sün den der Welt, Jeſus Chriſtus, verworfen wird, den Menſchen nothwendig aus von den Früchten des Leidens und Sterbens unſeres Herrn. 9. So wie das Oſterlamm ſo lange dauern ſollte, als der Alte Bund, ſo ſoll das Ge⸗ dächtnißmahl des Todes Chriſti gefeiert werden, bis der Herr kommt, die Welt zu richten. Ein gründlicher Theologe, Dr. Krehl in ſeinem neuteſtamentlichen Handwörterbuch, ſtellt die Aehn⸗ lichkeit kürzer, aus einem etwas verſchiedenen, aber eben ſo richtigen Geſichtspunkte dar: „Des Herrn Mahl iſt die Erfüllung des im Paſſahmahl enthaltenen Vorbildes; das Paſſah⸗ mahl war der Schatten, des Herrn Mahl das Weſen. Das jüdiſche Paſſah war Erinnerung an die Verſchonung der iſraelitiſchen Erſtgeburt bei der Erwürgung der egyptiſchen. Der Herr war aber jetzt im Begriff, Verſchon ung für die ganze Menſchheit, ihre Verſöhnung mit Gott und ihre Erhaltung zum ewigen Leben durch ſein eignes Blut zu bewirken. Das jüdiſche Paſſah war ein Mahl des Dankes für die Erlöſung des iſraeliti⸗ ſchen Volkes aus der egyptiſchen Dienſtbarkeit; Erlöſung von dem Joche und Tode der Sünde wollte der Herr durch ſeinen Opfertod vermitteln. An die Stiftung des Alten Bundes erinnerte das Paſſah; einen Neuen ewigen Bund wollte der Herr durch ſein heiliges Opferblut errichten. Zum Einzug in das Land Kanaan, in das irdiſche Land der Verheißung rüſteten ſich die Juden bei dem erſten Paſſahmahle. Den Ein tritt der Gläu⸗ bigen in das Land der ewigen Verheißung wollte Chriſtus durch ſeinen Tod vermitteln, und das heilige Mahl ſollte die Verbürgung dieſer Hoff⸗ nung ſein.“ Aus dieſen Bemerkungen erhellt deutlich, daß, ſo wie die Taufe im Neuen Bunde an die Stelle der Beſchneidung im Alten Bunde trat, — das heilige Abendmahl von unſerm Heiland an die Stelle des Paſſah geſetzt wurde, unmittelbar nach⸗ dem Er dasſelbe zum letztenmal mit ſeinen Jüngern feierte. Da Er im Begriff war, dieſe vorbildliche Verordnung durch ſeinen eigenen Opfertod zu erfüllen, ſo konnte ſie keinen Platz mehr finden im Neuen Bund. . Chriſtus in ſeiner eigenen Perſon wurde das wahrhafte Oſterlamm und eine neue Verordnung war nothwendig, die geiſtliche Befreiung oder Erlöſung des Menſchen zu feiern und ihre Wohlthaten mitzutheilen und zu beſtätigen. Dieß wollte der Herr ſeinen Jün⸗ gern deutlich machen, er wollte die Verordnung des Alten Bundes aufheben und an ihre Stelle ein zur Erinnerung, zum Gedächtniß gegebenes Zeichen und Siegel ſeines Leidens und Sterbens für die Sünden der Welt und der dadurch er⸗ worbenen Güter ſetzen. Indem Jeſus ſeinen Jüngern Brod und Wein darreichte mit den Worten: „Dieß iſt mein Leib, dieß iſt mein Blut, eſſet und trinket dieß zu meinem Gedächtniß!“, ſo wollte Er ihnen damit zu nächſt dieß ſagen: „Dieſes Brod iſt nun mein Leib in dem Sinne, in welchem das Oſterlamm bisher mein Leib ge⸗ weſen iſt; und dieſer Kelch iſt mein Blut im Neuen Teſtament, in eben demſelben Sinne, in welchem das Blut von Ochſen und Schafen mein Blut in dem Alten Bunde geweſen iſt (2 Moſ.24. Hebr. 1.); das heißt: das Oſterlamm und die Beſprengung des Blutes ſtellten mein Sühnopfer bis auf die gegenwärtige Zeit dar; dieſes Brod und dieſer Wein ſollen meinen Leib und mein Blut in allen künftigen Zeiten vorſtellen. Darum thut dieß zu meinem Gedächtniß! Da mein Leib für euch dahingegeben und mein Blut vergoſſen wird zur Vergebung der Sünden, ſo ſollt ihr hin⸗ fort nicht mehr das auf mich hindeutende Oſter⸗ lamm opfern und genießen, zum Andenken an — und als Zeichen und Siegel meines für euch ge⸗ kreuzigten Leibes und meines für euch vergoſſenen Blutes.“ Hätte uns der Heiland auf eine kräf⸗ tigere, deutlichere, rührendere Weiſe an ſeine un⸗ ausſprechliche Liebe bis zum Tod und an die un⸗ ſchätzbaren Früchte ſeines Blutes erinnern kön⸗ nen? So gewiß wir ſind, daß wir das Brod nach der Einſetzung des Herrn empfahen, ſo verſichert dürfen wir ſein, daß der Leib Jeſu Chriſti für uns gekreuzigt wurde; und ſo wie unſer irdiſches Leben von dem Brod abhängt, das uns der gnädige Gott zur Nahrung unſerer Leiber beſcheert, ſo hängt unſer geiſtliches und ewiges Leben ab von dem für unſere Seelen am Kreuzesſtamme geopfer⸗ ten Leib Jeſu Chriſti. Wie leicht verſtändlich iſt der Ausdruck: „Dieſer Kelch iſt der Neue Bund in meinem Blute!“ Was kann er anders be⸗ deuten, als: der in dieſem Kelch enthaltene Wein iſt das Zeichen und Siegel des Neuen Bundes zwiſchen Gott und den Menſchen, der nun ge⸗ ſtiftet iſt durch die Vergießung meines Blutes, weßhalb hinfort kein Blutvergießen mehr nothwendig iſt zur Vergebung der Sünden! Es iſt aber wohl zu bemerken: Brod und Wein wurde den Apoſteln dargereicht nicht als bloße ſinnbildliche Erinnerungs-Zeichen ſei⸗ nes für ſie in den Tod gegebenen (oder dahin zu gebenden) Leibes, ſeines zur Vergebung der Sünden vergoſſenen (oder zu vergießenden) Blu⸗ tes; ſondern als kräftige Bundes⸗Zeichen und Siegel, mit welchen ſie zugleich empfingen die ganze Kraft. die volle Wirkung und allen Se⸗ gen ſeines verſühnenden Todes, die Erlöſung durch ſein Blut, nämlich die Vergebung der Sün⸗ den, und die aus dem neuen, ausgeſühnten Ver⸗ hältniſſe zu Gott hervorgehende jetzige und künf⸗ tige Seligkeit. Wie Brod und Wein leiblich von ihnen genoſſen wurden, ſo ſollten ſie geiſtiger Weiſe ſeinen Leib und ſein Blut genießen, als für ſie dahingegeben, für ſie vergoſſen, und dadurch aller Früchte des Opfertodes Chriſti theil⸗ haftig werden. Sehr beachtungswerth iſt in den Worten der Einſetzung dieß, daß unſer Herr von ſeinem Leib und Blut, als ſchon dahingegeben und ſchon ver⸗ goſſen, redet, während es doch erſt dahingegeben und vergoſſen werden ſollte. Dieß iſt leicht zu erklären, und die Erklärung davon wirft noch mehr Licht auf das rechte Verſtändniß der Einſetzungs⸗ worte. Indem die Verſühnung, ſo durch Je⸗ ſum Chriſtum geſchehen iſt, ein in dem Geiſte Gottes vollzogener Akt iſt, welcher als ſolcher durch die Liebe des Vaters und den Entſchluß des Sohnes von Ewigkeit her vollendet war, ſo konnte Jeſus ſchon vor ſeinem in der Zeit erfolgenden Tode davon, als von einem vollzogenen Akte ſpre⸗ chen, und den Apoſteln in dem Brod und Wein die Verſöhnung wahrhaftig, wirklich und weſent⸗ lich darreichen, gerade ſo wie es noch jetzt bei der Feier des heiligen Abendmahls geſchieht. Brod und Wein heißt das Fleiſch und Blut Chriſti, inſofern es durch die ausdrückliche Verordnung Chriſti zum äußern, ſichtbaren