# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1860_S87 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die gegenwärtige Spannung unter den separirten Lutheranern Preußens. 87 die Sachen nicht verstanden, sie müßten besonders den Pastoren aufpassen, als ob die ganz besondere Geheimnisse vorhätten. Die wurden natürlich, wenn einer nur diese Seite klug anzuschlagen wußte (und sie wurde oft genug recht derb angeschlagen), bald so, bald anders gelenkt. Da war nun der einzige einigermaßen feste Anhaltspunkt das Oberkirchencollegium, und seinem Fleiße und gutem Willen muß aller Ruhm zu Theil werden. Es präsidirt thatsächlich, es hat die Laien auf seiner Seite und viele Pastoren von vornherein desgleichen; und endlich werden ihm bei der Eile gerade die wichtigsten Dinge nach eigenem Ermessen auszuführen überlassen. Außerdem hat es die Abfassung der Synodalbeschlüsse allein in den Händen.“ Das ist nicht gerade ein starker Empfehlungsbrief für die Synoden, und wer sich darüber wundert, dem entgegnet Diedrich: „Dieselben sollten sich erinnern, daß bei uns jeder, der nicht eine Idee von den Kirchenkämpfen unserer Tage hat, durch Stimmenmehrheit in die Synode gewählt werden kann, und wir haben es nur zu oft erlebt, daß die wichtigsten Dinge, worin selbst Pastoren schwerlich so leicht urtheilen konnten, sehr schnell durch Majoritäten abgemacht sind, darnach aber in manchen Gewissen brennen.“ Die Folge davon war: „Bald steuerte man rechts, bald links, auf ein und derselben Synode, ja an einem Tage;“ und die andere Folge davon beschreibt Diedrich mit den Worten: „Daher die oft gehörte Rede unter uns: Das Beste an den Synodalbeschlüssen sei, daß sie niemand recht kenne und noch weniger halte. Die Sache ist leider wahr, aber in Gottes Lichte besehen unverantwortlich.“ Also auch hier, in einer Gemeinschaft von lauter Gläubigen der allgemeine Synodaljammer und die Klage, daß die Synoden entweder ein Hemmschuh am Rade, oder im günstigsten Falle das fünfte Rad am Wagen sind. Um so mehr sollte man sich freuen, daß es noch ein Oberkirchencollegium gibt, ohne welches alles auseinander fällt, und jede Gemeinde endlich für sich steht. Doch, wie gesagt, Diedrich will die Synoden nicht, weil sie zu wenig leisten, und das Oberkirchencollegium nicht, weil es zu viel leisten kann, und beide nicht, weil sie mit Laien gemischt sind. Was wird er aber an dessen Stelle setzen? Die Sache wird nun sehr einfach werden. Die paar Gemeinden, welche mit ihm austreten, werden stark gesichtet; er vermuthet selbst, daß sie nur sehr klein bleiben werden. Die gleichgesinnten Pastoren, welche allein das Regiment haben, thun sich zu einer Art Synode oder Conferenz zusammen, wo sie sich über ihre Angelegenheiten besprechen, Rath nehmen und geben, und übrigens thut jeder, was er will, auf seine eigene Gefahr. Synodalbeschlüsse wird man nicht wieder machen. Wär' es doch schon jetzt am besten, sagt er, daß man die Beschlüsse der Generalsynoden von 1840 an sammt und sonders ins Feuer würfe, so hätte man dem Papiere gegenüber kein böses Gewissen mehr. Wonach man in den Gemeinden und auf den Synoden zu gehen hat, steht genugsam in der Schrift und in dem Katechismus. Glückseliges Zeitalter der Kirche, wo man Behörden, Synoden, Kirchenrecht und Verordnungen, diesen Alp der Kirche, losgeworden ist und so einfach und frei die Gemeinde regiert! Das wird dann gehen, wie in den Zeiten