# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1860_S79 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Dr. v. Hofmann's Lehre vom Sündenfall. 79 schen auch ein Gut hin, nemlich sich selbst in Christo, damit er dasselbe lieber gewinne als jenes irrthümlich für ein Gut gehaltene Uebel. Dem entsprechend werden wir z. B. I. 214 belehrt, daß wir den Begriff des ἀποκυταλάσσειν nicht etwa als eine Versöhnung Feindlicher, sondern als ein Wiederbringen aus einer Entfremdung zu fassen haben. Kurz, indifferent ist der Mensch zur verbotenen Frucht, und so wider Gott zu stehen gekommen, als ihm der Teufel ein Weltgut vorhielt; und wenn ihm nun Gott nur ein himmlisch Gut vorhält, so erkennt er seinen Irrthum, und stellt sich wieder zu Gott; denn was dazwischen liegt, die Schuld, kennen wir nicht. Dieselben Argumente, durch welche v. Hofmann darzuthun sucht, daß die Kluft zwischen dem Zustande vor der Sünde und dem nach derselben nicht zu groß sei (I. 409), müssen ihm nun auch ganz folgerichtig dienen, zu erklären, wie Gott den Menschen trotz seiner Sünde leben und Gnade sehen lassen konnte: Wenn der Mensch in Folge von Verführung, vermöge seiner Trennung in Mann und Weib, nicht aus Feindschaft gegen Gott, sondern bloß aus Gelüst nach einem Weltgut sündigte, so wars ja so schlimm nicht; und wenns so schlimm nicht war, so hatte ja Gott des Menschen Verhältniß zu ihm nicht gleich als verneint anzusehen, und ihn dem Tode zu geben. Ja, die Sache lag sogar noch besser für den Menschen. Gott hat ja selbst jenen verbotenen Baum gesetzt, und damit selbst die Möglichkeit gemacht, daß die Sünde des Menschen sich nicht auf Gott, sondern auf die körperliche Welt richtete; Gott hat auch selbst das Weib, die Versucherin, geschaffen, und so selbst möglich gemacht, daß die Täuschung gelang; Gott hat auch selbst die Schlange geschaffen, die der Teufel gebrauchte, und selbst dem Teufel die Macht gegeben, den Menschen zu versuchen, also selbst möglich gemacht, daß die unglückliche Selbstentscheidung nicht in dem Menschen selbst anhob. Also, Gott selbst hat möglich gemacht, daß die Sache diesen Verlauf nahm. Denn Gott wollte, daß der Mensch Gottes werde, und schuf zu dem Zweck den Menschen; zugleich aber gedachte er der Möglichkeit, daß dieser Mensch sich wider seinen Willen bestimmen könnte; und damit er für diesen Fall nicht genöthigt wäre, den Menschen sterben zu lassen und so den Zweck seiner Schöpfung vereitelt zu sehen, veranstaltete er selbst jene Umstände, damit die Sünde des Menschen, falls der Mensch zu dieser sich entschlösse, einen minder gefährlichen Ausweg fände. Wir aber werden hiernach wohl thun, nicht mehr Gott für seine grundlose Barmherzigkeit, die uns dem Tode entrissen hat, zu danken, sondern seine Klugheit zu loben. Denn von Gnade ist hier nicht mehr die Rede. Gnade ists, wenn, wie es nach den kirchlichen Anschauungen steht, Gott des Geschöpfes, das sein Liebes⸗ und Lebensband mit ihm in unbegreiflicher Verblendung und frevelhafter Weise wider sein ausdrücklich bewahrendes Wort 1 Mos. 2, 17. zerrissen hat, wider all sein Verdienst und Würdigkeit sich erbarmt, den wohlverdienten Tod durch ein rettendes Wunder von seinem Haupte enthält, und ihm eine Geschichte der Erlösung schenkt. Aber v. Hofmann's genetischer Fortschritt und seine Tendenz, den fallenden Menschen als der Hülse nicht so unfähig und unwerth erscheinen zu lassen, lassen keinen