# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1860_S77 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Dr. v. Hofmann's Lehre vom Sündenfall. 77 Apfelbiß, also mit dem Begehren eines irdischen, weltlichen Guts angefangen hat, so großes Gewicht, daß er von hier aus zu einer totalen Umkehrung der kirchlichen Anschauungen von der Sünde und ihrem Ursprunge kommt. Der Mensch, sagt v. Hofmann, stand in seinem Verhältnisse zu Gott indifferent. Nun aber schied Gott von den Bäumen des Gartens, die er ihm zum Genusse gab, einen aus. Damit richtete Gott dem Menschen eine Schranke seines gottesbildlichen Verhältnisses zur Welt auf: der Mensch war gesetzt, daß er Herr der Erde sein sollte, wie Gott Herr der Welt überhaupt, und dies Herrschaftsverhältniß bekam eine Schranke an dem ausbeschiedenen Baum. An diese Schranke knüpfte nun Satans List an, lehrte sie den Menschen als Schranke fühlen, spiegelte ihm vor, daß er sein Herrschaftsverhältniß zur Welt erweitern, Gott ähnlicher werden werde, wenn er diese Schranke überspringe; und der Mensch that es. So geschah es, daß die Sünde als das Begehren eines der körperlichen Welt angehörigen Dinges, daß sie im Bereiche des Verhältnisses des Menschen zur Welt anfing. Und dies ist von den wichtigsten Folgen gewesen. Hätte die Sünde damit angehoben, daß der Mensch sich in seinem Verhältnisse zu Gott wider Gott bestimmt, seinen Willen dem Willen Gottes direct entgegen gesetzt hätte, so hätte die Sünde als Feindschaft gegen Gott angehoben, und dann hätte der Mensch sterben müssen und nicht für eine Gnade gespart werden können. Nun aber hat die Sünde nicht so, sondern damit angefangen, daß der Mensch sich in seinem Verhältniß zur Welt unrichtig bestimmte: nicht Gottes Willen zu verneinen lag ihm an, er wollte nur ein irdisch Gut mehr haben, nur sein Herrschaftsgebiet über die Welt erweitern. Freilich war damit eine Richtung eingeschlagen, die den Menschen im Verfolge zur Feindschaft gegen Gott, zur bewußten Entgegensetzung seines Willens gegen Gottes Willen bringen mußte. Aber dies war eben nicht der Anfang, sondern das Resultat der weiteren Entwickelung in der Sünde. Erst als nun Gott dem sündigen Menschen mit der seine Bekehrung suchenden Gnade gegenüber trat, ihm seinen Willen im Gesetze ausdrücklich aussprach, ihm persönlich in seinem Sohne entgegen kam, da erst ward bei Denen, die ungehorsam und ungläubig Gott verwarfen, die Sünde Feindschaft gegen Gott. Der Anfang dagegen war nur, daß den Menschen nach einem körperlichen Dinge mehr gelüstete, und das war eben so schlimm nicht, daß Gott den Menschen nicht hätte leben lassen und auf eine Gnade sparen können. Das ist v. Hofmann's Hamartiogonie. Es ist nun nicht schwer, den Irrthum nachzuweisen, auf dem sie beruht. Wir brauchen nicht auf die Künsteleien einzugehen, mit denen v. Hofmann (man vergleiche z. B., was er II. 349 zu Röm. 5, 10. sagt) sich die ihm entgegenstehenden Schriftausdrücke vom Halse zu schaffen versucht; der Gegenbeweis, zu welchem jedes menschliche Gewissen Ja sagen muß, liegt in der Geschichte des Sündenfalls selbst vor. Allerdings nemlich erfolgte die erste Sündenthat im Verhältnisse des Menschen zu der körperlichen Welt, als Begehrung ihres Gutes. Aber dies Gut war dem Menschen verwehrt, durch ausgesprochenen Willen Gottes verwehrt. Ehe also der Mensch nach diesem Gut gelüstete und griff, mußte