# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1860_S75 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die fleißige Uebung des Katechismus in der lutherischen Vorzeit. 75 Kanzel und sonst bei Gelegenheit die Leute beweglich erinnern, „daß der liebe Katechismus auch in den Häusern privatim fleißig getrieben werden müsse.“ Eine sehr heilsame Uebung ist auch die, wenn man bei der Hausandacht den großen Katechismus von den Kindern und Dienstboten Satz für Satz lesen läßt und dann das Gelesene abfragt. Man nehme erst nur eine halbe Seite vor sich, lese sie vorher aufmerksam durch und bilde sich einige Fragen, die man sich erst selbst vorlegt und aus dem Gelesenen beantwortet. Wenns nun auch dann bei dem Abfragen der Kinder anfangs ein wenig holperig geht und die Antworten oft nicht nach Wunsche kommen, oder gar ausbleiben, so soll man doch getrost fortfahren und wissen, daß es schon nach einigen Wochen besser gehen wird. Vor allen aber könnten Prediger diese Uebung fördern, wenn sie diejenigen Hausväter, die sich dazu willig fänden, einigemal unterweisen, und zwar so, daß sie erst selbst einen kurzen Abschnitt mehremals abfragten und die Antworten aus dem Gelesenen finden lehrten, dann aber Einzelne ermunterten, ähnlicher Weise das Gelesene von den Anderen abzufragen, wobei bald immer mehr Muth und Lust dazu bekommen würden. Ich weiß aus eigner und Anderer Erfahrung, wie mancherlei Nutzen mit dieser Uebung verbunden ist und wie namentlich dadurch Fragende und Antwortende angetrieben werden, besser auf die einzelnen Sätze, Redensarten und Worte zu merken, und so die ganzen Brode in kleine Stücken gebrochen dargereicht und genossen werden. Den großen Katechismus so einmal durchgegangen, bringt mehr Nutzen, als wenn er zehnmal hinter einander bloß vorgelesen wird. Dies alles gilt auch von dem Lesen und Abfragen der Bibel. Wer übrigens mehr von der täglichen Katechismusübung nach Dr. Luthers Rath und Vorbild wissen will, den verweise ich auf den 3. Jahrg. des „Lutheraners“ Nr. 18. Den Uebergang von dieser Uebung zu der mit den Erwachsenen bahnt Dr. R. mit folgenden Worten: „Es war nicht bloß das Haus an und für sich, das man bei Ausbreitung und Feststellung der katechetischen Uebungen berücksichtigte, sondern so wie die Kirche ein jedes Stadium des christlichen Lebens weihet und heiliget, so wollte man, daß alle Lebensverhältnisse fest gegründet und eben damit treu bewahrt würden durch jene Exploration aus dem Worte Gottes, deren Kern und Summe der Katechismus darstellt; und so wie alle Stände in die Kirche eingehen, ein jeder Einzelberuf aber durch diese Einverleibung ein wahrhaft christlicher, Gott angenehmer, wird, so trachtete man dahin, daß die Segensströme des katechetischen Unterrichts zu Theil würden.“ Hierher gehören nun zunächst die Bestimmungen, wie sie namentlich von Chursachsen ausgingen, daß bei der sogenannten Anmeldung mit allen Beichtenden eine gemeinsame Prüfung aus dem Katechismus anzustellen sei, was man früher die Exploration nannte. Solche Katechismusstunden wurden in Weimar von dem Jahre 1710 an vor jeder Communion gehalten. Ich pflege dabei seit mehreren Jahren den großen Katechismus vorzulesen und abzufragen, wovon ich fast jedesmal in der Privatbeichte erfreuliche Wiederklänge höre.