# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1860_S73 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die fleißige Uebung des Katechismus in der lutherischen Vorzeit. 73 Chyträus führte diesen heilsamen Gebrauch in die österreichischen Gemeinden ein und die Generalartikel vom Jahre 1580 erneuerten ihn für das Churfürstenthum Sachsen, „damit der Katechismus Jedermann gemein und wohl bekannt werde.“ Eine ganz eigenthümliche Anordnung enthält das Ausschreiben Ernst des Frommen vom Jahre 1642, daß nämlich „vor den Katechismuspredigten statt des Eingangs die sechs im Katechismo begriffenen Hauptstücke bloß hin, ohne die Auslegung, einmal, und dann hienächst auf das gesprochene Vater Unser der Text, der aus dem Katechismo in der Ordnung in selbiger Predigt abzuhandeln, dreimal nach einander deutlich abgelesen, auch derselbe zu Ende der Predigt so vielmal wiederholt werden solle.“ Das Aufsagen des Katechismus von Seiten der Kinder geschah an manchen Orten so, daß sie paarweise gegen einander aufgestellt wurden, wobei der eine fragte, der andere aber antwortete. Diese für das deutliche Sprechen sowie für das genaue Lernen gleich förderliche Sitte finden wir in der sächsischen Kirchenordnung vom Jahre 1580, außerdem bestand sie in Celle, Rostock und an andern Orten bis auf die neuesten Zeiten. Das Aufsagen des Katechismus von Seiten des Pfarrers mit den Alten und Jungen wurde sehr bezeichnend, das „Beten“ oder „Aufbeten“ genannt. So berichtet Mathesius von Dr. Luthers Kirchenvisitation: „Er verhört die armen Bäuerlein im Beten und befragt sie im Katechismus fein säuberlich und mit Gedult und unterrichtet sie“ und er selbst sagt: „daß ein jung getauftes Kind, Morgens, Abends und über Tisch seine zehen Gebote, Glauben und Vater Unser spricht, das ist recht gebetet und von Gott erhöret; denn es betet als ein Christ und Priester, in der Taufe geboren und geweihet durch Christum.“ (5, 1508.) Diesen Ausdruck sollten alle Lehrer in Kirchen und Schulen wohl beherzigen und bei dem Aufsagen des Katechismus von Seiten der Kinder, namentlich im Chore, darauf halten, daß es nicht ein widriges, eintöniges, Herz⸗ und Verstandeslose Geplärre, sondern ein wirkliches Beten sei, was nur dann geschehen wird, wenn sie selbst den Kindern den Katechismus zum öfteren vorbeten und dann auch mit ihnen beten. Den Schluß beim Aufsagen oder auch bei dem Examen kann das kurze Gebet Dr. Luthers von einzelnen oder von allen gesprochen, machen, das also lautet: „Ich danke dir, lieber Herr Gott Vater, für alle deine Güte und Wohlthat, die du mir erzeiget hast, daß du mich erschaffen hast zu einem vernünftigen Menschen, und hast mich erlöset durch das unschuldige Blut deines lieben Sohnes, meines Herrn und Heilandes Jesu Christi. Ich bitte dich, lieber Vater, verleihe mir Gnade, dein heiliges göttliches Wort wohl zu lernen, christlich zu leben und selig zu sterben, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn unsern HErrn, Amen.“ Ich will hier noch auf den genauen Zusammenhang aufmerksam machen, in welchem früher die Confirmation mit dem Katechismusexamen stand. Davon sagt Dr. Kliefoth: „Auf Grund der Taufe soll die Katechese das