# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1860_S72 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 72 Die fleißige Uebung des Katechismus in der lutherischen Vorzeit. den Kindern und Dienstboten, auf den Dörfern aber (warum nicht auch in den Städten?) „mit den Alten, gleichwohl auch mit guter Bescheidenheit gehalten, und besonders mit den Alten gehandelt werden, deren Bekenntniß und Verstand auch in der Beichte eigentlich erkundigt werden kann.“ Damit stimmt auch die Coburger Kirchenordnung vom Jahre 1713 wörtlich überein. Ein jährliches Examen im Sommer an etlichen Sonntagen nach einander und zwar mit Jungen und Alten, schreibt die Würtembergische Kirchenordnung vom Jahre 1660 vor. Wir sehen auch hieraus, wie viel die lieben Alten auf die fleißige Uebung des Katechismus gehalten haben. Es war ihnen nicht genug, die Hauptstücke sammt dem Anhange durchpredigen und durchexaminiren zu lassen, was gewöhnlich in einem Jahre geschehen mußte, sondern sie ließen ihn auch außerdem noch zu gewissen Zeiten wenigstens aber im Jahre einmal kurz wiederholen. Wenn es nun jetzt eine seltene Ausnahme ist, daß der Katechismus in einem Jahre ganz durchgenommen wird, so wird sich zu einer Wiederholung desselben vollends keine Zeit finden. Wohl aber könnten, ja es sollten billig gewisse Katechismusstunden für neue Gemeindeglieder und Abendmahlsgenossen festgesetzt werden; denn wer in einer Stadt wohnen will, sagt Dr. Luther in der Vorrede zum kleinen Katechismus, der soll das Stadtrecht wissen und halten, das er genießen will. 3. Von dem Vorlesen und Aufsagen des Katechismus. Auch hierbei müssen wir die mütterliche Treue der lutherischen Kirche bewundern, die ihren Kindern die lautere Milch des Katechismus tropfenweise einflößte, indem sie erst den ganzen Text Satz für Satz, und dann eben so die Auslegung deutlich vorlesen und von dem Volk heimlich nachsprechen oder aufsagen ließ. So wurde auch den Alten, die zum großen Theil des Lesens unkundig waren oder sich nicht daheim im Auswendiglernen übten, Gelegenheit gegeben, die heilsamen Worte nach und nach ihrem Gedächtniß einzuprägen. Auch hier hat Dr. Luther den Weg gezeigt, denn er wollte „daß man den Katechismus täglich predigte und aus dem Buch einfältig läse“ (22, 609.). Gleicherweise verordnete der Unterricht der sächsischen Visitatoren: „es sollen auch zu dieser Predigt (des Katechismus), um der Kinder und andern einfältigen unwissenden Leute willen, von Wort zu Wort gesprochen werden, die zehen Gebot, Vater Unser und die Artikel des Glaubens.“ (10, 1962.) Aehnliche Bestimmungen finden sich in mehreren Kirchenordnungen. Die Pommersche sagt: „In Städten und Dörfern soll der Küster alle Sonntage ein Stück des Katechismi mit der Auslegung, wenn das Evangelium vor dem Altar gelesen ist, dem Volke vorlesen, und auf Dörfern der Pastor den Katechismum des Sonntags Nachmittags fleißig predigen und mit dem Volke aufsagen.“ Folglich wurde an jedem Sonntage Vormittags der Katechismus vorgelesen und Nachmittags aufgesagt, und zwar so, daß an jedem Sonntage eins der sechs Hauptstücke und dann je eins der drei Stücke des Anhanges vorgenommen und darnach wieder von vorne angefangen wurde.