# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1860_S70 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 70 Die fleißige Uebung des Katechismus in der lutherischen Vorzeit. In Pommern wurde im Jahre 1663 bestimmt (denn früher finden wir dort nichts hierauf bezügliches): „daß alle Sonntage Nachmittags der Ka⸗ techismus in den Kirchen auf dem Lande soll geprediget und fort nach der Predigt die Jugend daraus in Beisein der Alten examinirt werden.“ Aehnlicherweise sollte seit dem Jahre 1666 in den Wismarischen Kirchen „nach jedweder Predigt von dem Ministerio die Jugend in der Kirche aus dem Stück, so gepredigt, und dessen Verstand, und was sie aus der Predigt behalten, examiniret werden.“ In Lüneburg wurde im Jahre 1682 bestimmt, daß die wöchentliche Predigt in jeder Kirche nur eine halbe Stunde währen, die andere halbe Stunde aber zur Katechismuslehre angewendet werden solle. In Weimar wurde laut einer Verordnung vom Jahre 1693 „außer den gewöhnlichen Katechismusübungen, Montags eine Katechismuslehre und Examen geordnet und ein besonderer Diaconus dazu bestellt.“ So viel von den mir bekannten Zeugnissen alter Kirchenordnungen für die Verbindung der Katechismuspredigt und des Examens. Ich habe seit 10 Jahren diese Weise befolgt und mich dabei immer mehr von dem vielfäl⸗ tigen Nutzen derselben überzeugt, daß man erst ein Stück vorpredigt und dann abfragt, so daß beides ohngefähr eine Stunde währt. Hierbei kommt die Bedeutung des Wortes Katechismus, das von Echo abstammt, zu ihrem vollen Rechte; denn das, was erst vorgepredigt, vorgesagt oder vorgelesen und dann wieder abgefragt wird, ist dem Schalle, die Antwort aber dem Wiederhalle oder dem Echo zu vergleichen. Dies Verfahren gewährt ferner den Lehrern so wie den Schülern große Erleichterung, indem jene weit be⸗ stimmter fragen und diese, wenn sie anders aufmerksam zugehört haben, weit treffender antworten können. Auch in einer solchen kurzen Predigt kann noch mancher Wink für die Erwachsenen gegeben werden, den die Kinder noch nicht so nöthig haben, von denen nur dann die Hauptsachen, in kleinen Fragen zergliedert, abgefragt werden; denn sonst würde eine halbstündige Predigt ein Examen von wenigstens einer Stunde erfordern. Sollten nun nicht alle Prediger, die bisher Predigt und Examen ge⸗ trennt oder eins dem andern vorgezogen haben, ihr eigenes Urtheil in dieser Sache der Stimme Dr. Luthers, so vieler luth. Kirchenordnungen und der langjährigen Erfahrung Anderer unterordnen und wenigstens ein Jahr lang versuchen, sich in diese Weise hinein zu arbeiten? Je treuer sie dies thun, desto mehr werden alle ihre früheren Vorurtheile und Bedenklichkeiten ver⸗ schwinden, mit desto größerer Freude werden sie auf dem alten jetzt aber neuen Wege fortschreiten und nur wünschen, daß sie ihn schon früher erwählt hätten. Der Eifer der lieben Alten begnügte sich aber nicht mit der eben beschrie⸗ benen Weise, bei welcher sie den Katechismus in 1, spätestens in 1¼ Jahr ganz, nämlich mit Einschluß des sogenannten Anhanges auslegten, sondern dieser Eifer trieb sie an, zur Wiederholung desselben noch außerdem gewisse Zeiten zu bestimmen.