# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 29_S19 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) (vom Jahre 1526), am kürzeſten und nachdrück⸗ lichſten aber in ſeiner Warnungsſchrift an die Frankfurter (vom Jahr 1533). Wie hoch und werth Dr. Luther die Privat⸗ beichte gehalten habe, hat er in der 8ten Predigt bezeugt, die er im Jahre 1522 gegen Carlſtadts Neuerungen hielt, worin er alſo ſagt: „Es weiß niemand, was die heilige Beichte vermag, denn der mit dem Teufel oft fechten und kämpfen muß. Ich wäre längſt von dem Teufel überwunden und erwürgt worden, wenn mich dieſe Beichte nicht erhalten hätte. Denn es ſind viel zweifelhafte und irrige Sachen, darin ſich der Menſch allein nicht wohl ſchicken kann, noch ſich begreifen.“ Vorzüglich gehört hieher jene bekannte und teeffliche Stelle aus ſeinem Schreiben an die Frankfurter: „Wenn tauſend und aber tauſend Welten mein wären“ ꝛc., welche Stelle noch ſehr an Nachdruck gewinnt, wenn man ſie in ihrem Zuſammenhange betrachtet. Nachdem nämlich Dr. Luther von dem ſeelenverderblichen Mißbrauch geredet hat, welcher früher bei der Beichte ſtatt⸗ fand, fährt er fort: „Nun wir ſie wieder angeregt haben, wollen ſie abermal der Teufel und ſeine Apoſtel wiederum gar niederſchlagen. Aber mir nicht; wer ſie für ſich nicht haben will, der laß ſie gehen; doch ſoll er ſie uns und andern From⸗ men (die ihr benöthiget und ihren Nutz verſtehen) nicht nehmen, noch vernichten. Es heißt, qui ignorat, ignoret (wer unwiſſend ſein will, ſei immerhin unwiſſend). — Wenn tauſend und aber tauſend Welten mein wären, ſo wollte ich alles lieber verlieren, denn ich wollt dieſer Bejicht das geringſte Stücklein eines aus der Kirchen kommen laſſen. — Ja lieber ſollte mir ſein des Pabſtthums Tyrannei vom Faſten, Feyren, Kleidern, Stät⸗ ten, Platten, Kappen, und was ich könnte ohne Verſehrung des Glaubens tragen, denn daß die Bejicht ſollt von den Chriſten genommen werden. Denn ſie iſt der Chriſten erſte, nöthigſte und nützlichſte Schule, darin ſie lernen Gottes Wort und ihren Glauben verſtehen und üben; welches ſie nicht ſo gewaltig thun in öffentlichen Lectionen und Predigten.“ Schon dies eine Zeug⸗ niß Dr. Luthers überwiegt eine Menge Zeugniſſe ſpäterer Lehrer, welche für die Privatbeichte ſpre⸗ chen, und überwindet die vielen Wenn und Aber, die gegen dieſelbe laut geworden ſind. Wenn nun ein Mann wie Dr. Luther das hohe Lob der Privatbeichte, wovon ſein Herz voll war, ſo reichlich aus Mund und Feder ſtrömen läßt, ſollte ſie daher nicht jeder Chriſt, wenn ſie ihm noch dazu angeboten und angerathen wird, nicht nur mit Herzensluſt gebrauchen, ſondern ſie auch, aus Liebe zu ſeinem Nächſten, andern Chri⸗ ſten dringend empfehlen? Aus dieſem Grunde, nämlich aus Liebe zu der ganzen Kirche Chriſti, drang Dr. Luther ſo oft und ernſtlich darauf, daß die Privatbeichte und Abſolution von und für jeden Chriſten feſtgehalten werde; davon handelt er z. B. in dem Rathſchlag für die Handlung zu Schmalkalden, den er im Jahre 1531 abgefaßt hat und worin er auch den Gebrauch der Privatabſolution mit dem Beiſpiele Chriſti rechtfertigt, der meiſtens nur einzeln ab⸗ 19 ſolvirt hat. Er ſchreibt alſo: „Es muß ja eine Form und Zucht in den Kirchen bleiben, welche ohne die Beichte nicht zu erhalten will ſein. Und ſollte dahin wohl gerathen, wo die Leute in der Beichte nicht gewohnten, die Sünde zu achten und der Abſolution oder Vergebung zu warten, daß mit der Zeit die Abſolution und Vergebung der Sünde ganz verlaſſen und umgekehrt Ding werden ſollte und die Leute aus eigner Andacht wiederum zum Sacrament liefen wie vorhin. So muß man ja auch dem tröſtlichen, freien Evangelio den Raum laſſen, daß es ſowohl einem jeglichen Menſchen, als Vielen mag geſagt werden. Was iſt aber die Abſolution anders, denn das Evangelium, einem einzelnen Men⸗ ſchen geſagt, der über ſeine bekannte Sünde Troſt dadurch empfahe? So ſtehet da Chriſti Exempel, Matth. 9., da er den Gichtbrüchigen einzeln ab⸗ ſolvirt, und Luc. 7. die Sünderin auch einzeln abſolvirt.“ Von dem hohen Nutzen der Privatbeichte und Abſolution redet Dr. Luther ebenfalls an vielen Stellen, von denen hier nur einige mitgetheilt werden ſollen. Beides nämlich ſoll für jeden Chriſten inſonderheit eine Uebung der beiden Hauptſtücke der chriſtlichen Lehre, des Geſetzes und des Evangelii, ſein. Dies zeigt er in ſeinem Briefe an die Frankfurter mit folgenden Worten: „So brauchen wir nun der Beicht als einer hei⸗ ligen Uebung. Im erſten Stück üben wir uns am Geſetz; im andern am Evangelio. Denn im erſten Stück lernen wir des Geſetzes recht brau⸗ chen (wie St. Paulus redet), nämlich die Sünde erkennen und haſſen. Im andern Stück üben wir uns am Evangelio, lernen Gottes Ver⸗ heißung und Troſt recht faſſen, und bringen alſo ins Werk, was man auf der Kanzel predigt. Denn obwohl ein Prediger auf der Kanzel auch das Geſetz und Evangelium lehret, ſo läßt ers doch dabei bleiben, übet, fragt und forſcht nie⸗ mand, wie ers faſſe, kann auch nicht ſehen, wo es fehlet, wen er weiter tröſten oder ſtrafen ſolle, weil er keine ſonderliche Perſon vor ſich hat, die er üben mag. Und obwohl der Zuhörer auch alles beides in der Predigt höret, noch faſſet ers viel ſtärker und gewiſſer, was ihm inſonderheit als einer einzelnen Perſon geſagt wird.“ Wie nun eben deshalb jeder Chriſt für ſich in⸗ ſonderheit in der Privatabſolution Troſt ſuchen ſoll, das lehret Dr. Luther in ſeiner Hauspoſtille, am Sonntage Quasimodogeniti: „Auf daß nun der Glaube feſt werde, daß dir und mir unſere Sünden vergeben ſind, hat es Chriſtus ſo ge⸗ ordnet, daß nicht einer für den andern ſich taufen laſſen, oder zum Sacrament gehen ſolle, ſondern ein Jeglicher ſoll es thun für ſich ſelber. Alſo ſoll auch ein Jeglicher für ſich ſelber das Wort hören und die Abſolution ſuchen und begehren, wo er ſich der gemeinen Predigt nicht genugſam mag tröſten: und ſoll ja nicht zweifeln, wie er das Wort von Vergebung der Sünde im Namen IEſu höre, es ſei alſo, daß ſeine Sünden von ihm genommen, und er von denſelben, auch im Himmel und vor Gottes Augen, entbunden ſei.“ Kurz, kräftig und umfaſſend redet Dr. Luther an einem andern Orte (im Sermon vom Sacrament vom Jahr 1526) von dem dreifachen Nutzen der Privatbeichte, daß ſie nämlich zur Losſprechung, Unterweiſung und Tröſtung eines jeden Chriſten inſonderheit diene, wobei er zugleich bemerkt, daß nur fromme Chriſten recht beichten könnten, daß ſie aber nicht ſowohl auf ihre Beichte, als vor⸗ nehmlich auf das Wort der Abſolution achten ſollen. Es heißt daſelbſt: „In der heimlichen Beicht iſt viel Nutz und tröſtliches Dings. Zum Erſten, die Abſolution, daß dich dein Näch⸗ ſter frei ſpricht an Gottes Statt, daß gleich alſo viel iſt, als Gott ſelbſt ſpräche; das uns ja ſollte tröſtlich ſein. Wenn ich wüßte, daß Gott an einem Ort wäre, und wollt mich ſelbſt frei ſpre⸗ chen, wollt ichs nicht einmal, noch an einem Orte, ſondern ſo oft ichs immer könnte, daſelbſt holen. Solches hat er nun ins Menſchen Mund gelegt, darum es gar tröſtlich iſt, ſonderlich den beſchwer⸗ ten Gewiſſen, ſolches da zu holen. Zum andern dienet ſie für die einfältigen Kinder. Denn weil der gemeine Pöbel ein unfleißig Ding iſt, höret immerdar Predigt und lernet nichts, hält auch in Häuſern niemand an, daß mans treibet; darum, wenn ſie gleich nirgend zu gut wäre, ſo iſt ſie ja dazu gut, daß man die Leute unterweiſet und höret, wie ſie glauben, beten, lernen ꝛc.“ (Solche Unterweiſung iſt jetzt ſelbſt den ſogenann⸗ ten Gebildeten nöthig, da jetzt leider auch unter dieſen die Unwiſſenheit in der Katechismuslehre groß iſt. Zu Dr. Luthers Zeit wußte ein Kind von ſieben Jahren, was die Kirche ſei, jetzt wiſ⸗ ſens viele Erwachſene nicht, die doch zum Sa— crament gehen.) „Darum habe ich geſagt“, fährt Luther fort, „man ſoll das Sacrament niemand geben, er wiſſe denn Beſcheid zu geben, was er hole, und warum er hingehe. Solches kann nun am füglichſten in der Beichte geſchehen. Zum dritten iſt aber ein Troſt darin, wer ein böſe Gewiſſen hat oder ſonſt ein Anliegen oder Noth, wollt gerne Rath haben, daß er den um Rath bitte. Darum können wir die Beicht nicht ver⸗ achten, denn es iſt da Gottes Wort, das uns tröſtet und ſtärket im Glauben, dazu unterrichtet und lehret, was uns fehlet, dazu auch Rath gibt in Nöthen. Darum thut dieſe Beichte auch nie— mand recht, denn fromme Chriſten. Denn es müſſen ſolche Leute ſein, die ſo fühlen, daß ſie gerne wollten Rath und Troſt holen. Das iſt aber der Fehl daran, daß man nicht Acht hat auf die Abſolution gehabt, ſondern auf unſer Werk, wie wohl und rein man beichtet; dazu die Sünde hat wollen zählen, welches man nicht thun kann, wird auch zuviel und große Arbeit mit Zuhören.“ „Daß wir aber williglich und gern beichten, ſollten uns zwo Urſachen reizen. Die erſte, das heilige Kreuz, d. i. die Schande und Scham, daß der Menſch ſich williglich entblöße vor einem andern Menſchen und ſich ſelbſt ver⸗ klaget und verſühnet. Das iſt ein köſtlich Stücke von dem heiligen Kreuz. O wenn wir wüßten, was Strafe ſolche willige Schamroth vorkäme, und wie einen gnädigen Gott ſie mache, daß der Menſch ihm zu Ehren ſich ſelbſt alſo vernichtiget und demüthiget, wir würden die Beichte aus der