# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1860_S66 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 66 Die fleißige Uebung des Katechismus in der lutherischen Vorzeit. Wie glücklich sind wir hier im Vergleich mit unsern jenseitigen Glau⸗ bensgenossen! Wir bedürfen zur Uebung des Katechismus keiner amtlichen Verordnungen „auf allerhöchsten Befehl“ und unter Androhung von allerlei Zwangsmitteln; der Befehl Gottes des Allerhöchsten, sein Wort und folg⸗ lich auch den Auszug desselben, nämlich den kleinen Katechismus Dr. Luthers, gerne zu hören und zu lernen, die geist⸗ und kraftvollen Vorreden des theu⸗ ren Mannes Gottes zu seinen beiden Katechismen, das unübertroffene Vor⸗ bild seiner Katechismus⸗Auslegungen und seiner andern, mit steter Katechis⸗ musanführung durchwürzten Schriften, die dadurch geweckte Lust und Liebe unserer eifrigen Prediger, den Katechismus zu lehren, und unserer heilsbe⸗ gierigen Zuhörer, ihn zu lernen, die zunehmende Erfahrung von dem über⸗ schwänglichen Segen dieser Uebung, endlich die vielfachen Ermunterungen, die uns die trefflichen Katechismus⸗Anstalten der lutherischen Vorzeit geben — dies alles bringt bei uns die Katechismus⸗Uebung immer mehr in Schwang. Dazu lasse Gott auch diesen Aufsatz dienen! Ueber die Nothwendigkeit der Katechismuslehre in Predigt und Exa⸗ men spricht sich Dr. Rudelbach also aus: „der Strom des Wortes Gottes muß in kleinere Bäche abgeleitet werden, es müssen den Herzen die Wahr⸗ heiten des Evangeliums noch viel näher gelegt, es muß der christliche Pre⸗ diger mehr nach dem Vorbilde der Apostel Allen Alles werden. — — Es muß ein praktischer Cursus der ganzen Christenthumslehre, welcher alle Punkte nach und nach in seinen Umkreis zieht, hinzukommen.“ Die hohen Verdienste Dr. Luthers um den Katechismus schildert Dr. R. kurz und treffend also: „daß Martin Luther der wahre Katechismusvater in der evangelischen Kirche, ist unnöthig zu sagen; denn Jedermann weiß es: sein Herz voll brünstiger Liebe und starken Glaubens trieb ihn, vor Allen mit den Jungen anzufangen, damit ein Geschlecht in Gottesfurcht und wah⸗ rer christlicher Erkenntniß gebildet werde. Seine Erfahrungen, besonders die er als Visitator in den Jahren 1527—1529 über die traurige Unwissen⸗ heit und Versunkenheit des Volks und gemeinen Mannes sowie über das Ungeschick und Untüchtigkeit vieler Pfarrer gemacht hatte, geboten ihm, frühe Etwas zu thun. Ehe noch das Gesammtbekenntniß der ev.⸗luth. Kirche da war, war der Katechismus auf dem Platze; und ob auch Luther nicht der erste war, der öffentlich damit hervortrat (denn Brenz und einige Andere hatten kurz zuvor Katechismen herausgegeben), so war er doch der, welcher durch Gottes Gnade am einfältigsten und gesalbtesten Alles zusammenfaßte — eine so herrliche Einfalt, daß man sich damit in die ersten Tage der bekennenden Gemeinde Christi zurück versetzt sieht. Denn das ist eben das Siegel der lutherischen Reformation, daß, so wie sie sich in jeder Art und Weise historisch, also auch durch Symbol und Katechismus, legitimiren kann. — — Bündiger und gesalbter hat wohl überhaupt Niemand die gött⸗ liche Größe im Kleinen des Inhalts des Katechismus herauszustreichen ge⸗ wußt, als Luther.“ Dabei wird auf die Vorreden zu den beiden Katechis⸗ men und auf die Stelle im XI. Capitel der Tischreden hingewiesen, die mit