# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S64 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 64 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. kann: „„Welcher Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach.““ Warum unirte Kirchen diesen Todestag zu feiern wünschen, liegt auf der Hand, Melanchthon ist der Vater der Union, an die Stelle bestimmten Glaubens und bestimmter Lehre setzte er vieldeutige Formeln; es wird und kann bei der Lage der Zeit nicht unterbleiben, daß die ganze Sache von Seiten der Union und des Liberalismus zu allerlei Demonstrationen gegen die lutherische Kirche wird ausgebeutet werden. Gelegenheit dazu sollte doch vermieden werden, doch wenn es einmal ist und sein muß, so birgt die Sache auch einen Segen in sich, der freilich das Ge⸗ gentheil von dem ist, was die Union bezweckt, die etwaige Feier wird zur Vertiefung in die Geschichte führen, und wer sich in die Geschichte vertieft, vertieft sich in das Leben und Wesen unserer, der lutherischen, Kirche und wird immer mehr zur Wahrheit kommen.“ Naivetät oder Spott? Folgende Worte aus dem Schreiben eines „ausländi⸗ schen“ Pastors an Ehlers entnehmen wir dem von letzterem redigirten Kirchenblatt vom 15. Nov. v. J.: „Sehr wohl hat mir in Nr. 17 des Kirchenblatts Deine Aeußerung über das Verhältniß der Chiliasten und Antichiliasten zu einander gethan, zu welcher ich von gan⸗ zem Herzen Ja und Amen sage. Denn ich bin auch ein Chiliast, aber so zu sagen, wider meinen Willen. Ich wollte am liebsten, daß nach dem Wüthen des Antichrists gleich der HErr JEsus mit seiner letzten Zukunft und dem Reiche Seiner Herrlichkeit erschiene, und nicht erst noch eine 1000jährige Zeit, die ja doch vom Elend der Sünde nicht frei ist und einem noch größeren Kampfe, als mit dem Antichristen, nehmlich mit dem Satan selbst entgegengeht, dazwischen käme. Aber ich kann's doch nicht anders aus der Offenbarung C. 20 herausfinden, und tröste mich drum einerseits damit, daß, wenn es wirklich so kommen wird, dies sicherlich gut und ewigen Lobes werth sein wird, und andererseits, daß ich für meine Person ja doch nicht erst jene 1000 Jahre mit durchmachen muß. Du schüttelst vielleicht den Kopf über meine Unklarheit in dieser Sache, aber da Du mich früher einmal über meine Gedanken hinsichtlich des Chilias⸗ mus frugst, so will ich Dir dieselben auch nicht verhalten, so unklar sie eben auch sind.“ Mecklenburg. Nachdem das dasige Kirchenregiment in christlicher Aufrichtigkeit den Jammerstand der Landeskirche öffentlich gebeichtet hat, hat nun diese Beichte in allen der luth. Kirche feindlichen Blättern die Runde gemacht; noch nachträglich findet sich dieselbe in dem Tiffiner ref. Evangelisten vom 21. Decbr. v. J. Man gibt dabei nicht undeutlich zu verstehen, daß dieser Jammerstand die Früchte zeige, welche das strenge Lutherthum trage. Man begeht hiermit eine große Unbilligkeit; denn das Mecklenburger Lutherthum (abgesehen davon, daß es nicht einmal rein ist) hat diesen Zustand nicht erzeugt, sondern vom Rationalismus, der auch hier eingedrungen war, geerbt. Die Darmstädter Allgem. K.-Z. verliert mit dem neuen Jahre einen ihrer Redacteure, Kirchenrath Schenkel in Heidelberg, der nun eine neue Zeitschrift nach sei⸗ nem Sinne herausgeben will. Ursache des Zurücktritts scheint ein Auseinandergehen Schenkels und des Mitredacteurs, Palmer's, in dem Urtheile über die Agendensache ge⸗ wesen zu sein, indem ersterer über diese Angelegenheit radicaler dachte. Zufälliger Gedanke. Warum wollen so viele Prediger zwar nicht für besser, wohl aber für höher als die sogenannten Laien angesehen werden? — Darum: müßten sie für besser angesehen werden, so müßten sie auch besser, also heiliger, demüthiger, sanft⸗ müthiger, uneigennütziger u. s. w. sein; müssen sie aber für höher angesehen werden, so sind sie der Nothwendigkeit, besser zu sein, überhoben. Ein Bischof, wenn er das Wort nicht achtet, ob er schon heilig wäre, ist ein Wolf und Satansapostel. Der ist nichts von einem Wolf unterschieden, der für die Schaafe nicht wider den Wolf wachet. Luther XVIII, 1314.