# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S61 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 61 50 von den Gliedern der Gesellschaft als Opfer dieser Krankheit hingerissen wurden, welches sehr nachtheilig für die Fortschritte derselben war. Der Zuwachs seitdem hat kaum den Verlust ersetzt, indem die Gliederzahl zur jetzigen Zeit kaum 200 übersteigt. Obwohl sie nicht an der Zahl zugenommen haben, so hat sich doch ihr Vermögen um sehr viel vermehrt. Ihre große Farm, der sie durch ihren Fleiß und Sparsamkeit bedeutende Striche beigefügt haben, ist in dem besten Zustande. Ein großes, dreistöckiges backsteinernes Haus, welches früher von ihrem Stifter bewohnt wurde, wird jetzt als die Wohnung der Verwalter benutzt. Ein großer Store, und ein Gasthaus nach der alten deutschen Art, eine schöne Kirche, Mahl⸗ mühle und 50 gute Wohnhäuser, bilden das Eigenthum der Gesellschaft. Sie besitzen gleich⸗ falls eine kleine Druckerei, welche kürzlich neu eingerichtet und in etwas vergrößert wurde. Eine Schule zum Unterricht der Jugend, in englischer und deutscher Sprache, wird wäh⸗ rend des Winters gehalten. Alle Glieder der Gesellschaft sind in blauem Tuch, von ihrer eigenen Manufactur gekleidet. Ihr Endzweck scheint zu sein, auf einfache und öconomische Art zu leben, und sich so wenig Bekümmerniß um die Außenwelt zu machen als möglich ist. (Fr. Botschafter.) Die ev.⸗luth. Synode von Tennessee hat bei Gelegenheit ihrer Versamm⸗ lung im September v. J. eine revidirte Constitution einstimmig angenommen, welche nun den resp. Gemeinden zur Annahme oder Zurückweisung vorgelegt werden soll. In dieser revidirten Constitution heißt es u. A.: „Diese Synode nimmt als eine wahre und treue Darstellung der Lehren der h. Schriften in Absicht auf Gegenstände des Glaubens und der Praxis an die alten Symbole der Kirche — das apostolische, nicänische und athanasianische Glaubensbekenntniß — und die ungeänderte Augsburgische Confession. Sie nimmt auch die anderen symbolischen Blätter der ev.⸗luth. Kirche an (nehmlich die Apologie, die Schmal⸗ kaldischen Artikel, den kleineren und größeren Katechismus Luthers und die Concordienfor⸗ mel) als wahre und schriftmäßige Entwickelungen der in der Augsburgischen Confession ge⸗ lehrten Lehren .. Jeder Prediger, welcher in den Verband dieser Synode aufgenommen zu werden begehrt, soll bei seiner Aufnahme verpflichtet sein, diese Confessions⸗Basis zu unter⸗ schreiben .. Keinem im Verband mit dieser Synode stehenden Prediger soll gestattet sein, ir⸗ gend etwas zu lehren, noch soll die Synode irgend etwas verhandeln, besagter Basis zuwider. Die Wisconsin-Synode (deren Präsident Pastor Mühlhausen ist) sucht sich, wie wir aus dem „Kirchenboten“ vom 23. Dec. v. J. ersehen, durch allerlei herzbrechende Berichte im Osten Geld zu erbetteln, um u. a. in solchen Städten Wisconsins, in denen un⸗ sere Synode bereits das Predigtamt aufgerichtet hat (wie in Watertown), damit die armen Seelen dort nicht verloren gehen, Oppositionsgemeinden errichten und in Bestand erhalten zu können. II. Ausland. Löhianismus. In Bauer's Correspondenzblatt No. 8. u. 9. v. J. wird erklärt: u. A. gebe es jetzt zwei Richtungen in der luth. Kirche der Gegenwart, „von denen die eine die Lehrentwicklung im 16. Jahrhundert als abgeschlossen betrachtet und über diesen Stand⸗ punct um keinen Preis hinausgeht, die andere dem Fortschritt auf Grund der heil. Schrift und Geschichte huldigt, wie das Bedürfniß der Zeit und Gottes Führung es verlangt, und eine Vollendung der Kirche nicht allein in der äußern Gestaltung und im Leben, sondern auch in der Lehre und deren Fassung glaubt und anstrebt.“ Am deutlichsten, heißt es dort, sei erstere Richtung von der Synode Missouri repräsentirt. Dieses s. g. „traditio⸗ nelle“ Lutherthum wird hierauf u. A. folgendermaßen characterisirt: „Es hat auf alle Beweise aus der Schrift in Sachen, die ihm neu scheinen und keineswegs die eigentlichen Fundamentallehren betreffen, stets die Antwort bereit: „„alle Ketzer berufen sich auf die heil. Schrift;““ — oder: „„das hat der und der Ketzer ausgesagt,““ als wenn die heil. Schrift wirklich ein gefährliches oder dunkles Buch wäre, das ohne authentische Interpre⸗ tation nicht verstanden werden könnte, oder wozu allein unsere Väter im 16. Jahrhundert den Schlüssel gehabt hätten. Man traut kaum seinen Augen und Ohren, wenn von recht⸗ gläubigen Lutheranern, welche doch mit allen andern als obersten Grundsatz die alleinige