# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S60 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 60 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Confusion. In der Nummer des ref. Tiffiner „Evangelisten“ vom 28. Decbr. v. J. lesen wir: „Es steht unzweifelhaft fest, daß Christus für die Sünden aller Menschen gestorben ist.“ Bald darnach heißt es in demselben Aufsatz: „Obgleich wir wohl wissen, daß Christi Tod eine hinreichende Bezahlung für alle Sünden aller Menschen ist, so können wir doch kaum ein Capitel der Schrift lesen, ohne wahrzunehmen, daß nicht aller Menschen Sünden wirklich durch Christi Tod gesühnt werden.“ Endlich wird be⸗ hauptet: „Daß Christus für alle gestorben ist, heißt nur, daß Er, soviel an Ihm ist, an Seinem Theil, für alle Menschen eine Vergebung möglich gemacht hat.“ Mit diesen confusen Zusammenstellungen will der Evangelist offenbar den reformirten Particularismus mit der Bibel versöhnen; er zeigt aber deutlich, wie der Reformirte als solcher keine Ahnung hat von der Vollkommenheit der bereits geschehenen Versöhnung. Die Canada-Conferenz der Pittsburger Synode faßte bei ihrer Versammlung in Toronto am 6. — 9. August den Beschluß, daß bei ihrer nächsten Sitzung über die Zweckmäßigkeit u. s. w. der Herausgabe eines deutschen kirchlichen Volksblattes für Canada berichtet werden möge. Abolitionisten-Schwärmerei. Einer im vorigen Hefte mitgetheilten Notiz fügen wir noch folgende hinzu, daß in New York Rev. James B. Dunn bei einer Ver⸗ sammlung in der Presbyterianerkirche (Ecke der Prince⸗ und Marionstr.) die Hinrichtung Brown's mit der Kreuzigung Christi verglich! Der Kirchenfreund ist in neuer schönerer Ausstattung, 16 Seiten in Quart, er⸗ schienen mit auf $1,00 herabgesetztem jährlichen Subscriptionspreis. Als Verleger und Herausgeber nennen sich in der Januarnummer Schäfer und Koradi. Der Kirchen⸗ freund wird, heißt es, auch jetzt „seine Stellung über den Confessionen“ einnehmen; soll wohl heißen, außer oder neben oder in den Confessionen. In New Jersey, berichtet ein Correspondent des Missionary, wurde im October v. J. zu Trenton eine Convention gehalten, auf welcher man eine lutherische Synode dieses Staates zu gründen beabsichtigte. Es kam aber zu keinem Resultat. Nur 9 von den 17 Predigern waren gegenwärtig. Der Bildung einer Synode liegen verschiedene Schwierig⸗ keiten im Wege, deren hauptsächlichste das Vorhandensein „des äußersten rechten und linken Flügels sowie des Centrums“ sein dürfte. E. Romanowsky, weil. Glied der Missouri-Synode, hierauf der Buffalo⸗Synode und nach mancherlei anderen Irrfahrten Glied des (unirten) Kirchenvereins des Westens, ist, wie wir aus dem Missionary ersehen, neulich presbyterianischer Prediger in St. Louis geworden. Der Missionary schließt die Nachricht mit: Where next? Die Vereinigten Staaten hatten nach dem Census von 1853 bei einer Bevöl⸗ kerung von 23,100,876 Seelen 26,842 s. g. Geistliche, also einen auf 863 Seelen. New Hampshire hatte Einen auf 490, New York auf 722, Virginien auf 1317, Louisiana auf 3000 Seelen. Separatisten in Ohio. Das Städtchen Zoar, in Tuscarawas Co., Ohio, wurde angesiedelt von einer Partie Separatisten, die von der lutherischen Kirche ausgingen, die Gesinnungen des Jacob Böhme annahmen und vor etwa 42 Jahren nach Amerika aus⸗ wanderten. Ungefähr 200 Personen verließen das Königreich Würtemberg im Jahr 1817, unter der Leitung eines gewissen Jacob M. Bimeler, und kauften bei ihrer Ankunft in die⸗ sem Lande 6000 Acker wildes Land an dem obengenannten Ort, wo sie jetzt noch wohnen in gesellschaftlichem Leben der strengsten Art, indem alles Vermögen und Arbeit gleichmäßig unter Alle vertheilt wird. Ihre Beamten sind ein Director und drei Verwalter, auf denen die Leitung aller der irdischen Angelegenheiten der Gesellschaft beruht. Diese Beamten werden durch die Stimmen der Glieder der Gesellschaft erwählt, wobei die beiden Geschlech⸗ ter gleiches Stimmrecht besitzen. Die Verwalter werden jeder auf drei Jahre erwählt, wo⸗ bei jedes Jahr die Dienstzeit des einen zu Ende geht und ein anderer zu erwählen ist. Im Jahre 1832 wurde diese Ansiedlung sehr heftig von der Cholera heimgesucht, wobei