# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S58 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 58 Wie verkehrt es sei, die christliche Glaubenslehre als ein System ꝛc. vor, daß ihm die empirische Art der systematischen Behandlung nicht wissen⸗ schaftlich genug dünkt, sondern daß er den Weg speculativer Systemsbildung empfiehlt. Denn er sucht ein Einfachstes als Ausgangspunkt, das soll sich selbst entfalten, aus dem soll in unverbrüchlicher Nothwendigkeit hergeleitet werden, dabei soll von Schrift und Kirchenlehre abgesehen werden, aber was herauskommt, wird sich mit den hinterher zu vergleichenden decken. Von alle dem, von diesen Kategorieen von Nothwendigkeit, Selbstentfaltung, Herleitung, weiß die empirische Art systematischer Behandlung Nichts; aber die speculative weiß nicht allein davon, sondern sie hat in ihnen ihr Wesen. Anderer Seits setzt nun aber v. H. sein Einfachstes in eine Thatsache, und Thatsachen eignen sich nun einmal nicht, um sich selbst zum System zu ent⸗ falten, taugen einmal nicht zum Ausgangspunkt speculativer Behandlung, wie Jeder weiß, der sich auf solche Dinge versteht. Daher nun sagte ich: es wende v. H. die streng speculative Methode der Systemsbildung auf die Heilslehre an, was nicht angehe, und komme damit um so weniger zum Ziel, als er überdem in einer mit dieser Methode nicht verträglichen Weise seinen Ausgang von einer Thatsache nehme. „Was hat nun v. H. hierauf entgegnet? Nun, er stellt einfach die Sachlage so dar, als ob ich überhaupt gar keine systematische Theologie wolle, und als ob er weiter Nichts als Wissenschaft und systematische Theologie in hergebrachter unschuldigster Weise wolle. Ich habe, referirt er von mir, gegen seine Systematik, daß sie mir zu streng und zu neu ist, ich will nur „beliebige“ Ordnung des Lehrstoffes; wenn ich von einer „Nothwendigkeit“ Nichts wissen will, so will ich ja natürlich die „Willkühr“; und er weiß nicht recht, ob ich eine systematische Theologie überhaupt zu Recht bestehen lasse. Für sich dagegen führt er an, daß auch Augustinus und Athanasius „sich die Aufgabe ihrer systematischen Thätigkeit strenge genug gestellt“; er „läugne indessen nicht, daß er die Anforderung an den Systematiker verschärft“ (bloß verschärft) „habe“; aber immerhin liege doch das von ihm Geforderte von der Aufgabe, die Thomasius sich gestellt, „nicht allzuweit ab“. Und dann quasi re bene gesta nimmt er nach seiner Gewohnheit den Mund sehr voll, und sagt, es habe mit meinen Bedenken nicht viel auf sich. Die Absicht von dem Allen ist nun klar genug: Mit jenen Expectorationen hebt er seine Entgegnung an; und wie seine ganze Entgegnung zumeist für solche berechnet scheint, die meine Abhandlung nicht gelesen haben, so können diese nun hier gleich auf den ersten drei Seiten es Schwarz auf Weiß haben, daß v. H. als der Träger und Vertreter der Wissenschaft von mir, als einem idiotischen Verächter derselben, angegriffen, weil nicht gewürdigt noch verstanden ist. Schade nur, daß es eben Alles nicht wahr ist. Es ist nicht wahr, was er von sich selbst zeugt: Seine Systematik ist nicht wesentlich dieselbe wie die Wissenschaftlichkeit des Augustinus, denn es handelt sich nicht um die Strenge oder Nichtstrenge in den wissenschaftlichen Anforderungen, sondern es handelt sich um ein Herleiten und Sich⸗selbst⸗entfalten⸗lassen mit Nothwendigkeit und unter Absehen von der Schrift, wovon Augustinus u. s. w. nicht ein