# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S57 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie verkehrt es sei, die christliche Glaubenslehre als ein System ꝛc. 57 rischen Forschung erbauen, und vor Abschluß dieser selbst nicht fertig werden kann. Diese Art systematischer Behandlung, die wir die empirische nennen wollen, ist mithin auch nur auf einen Theil empirischer Stoffe anwendlich, und modificirt sich in Etwas bei jedem verschiedenen Stoffe je nach der Natur der diesem Stoffe eignenden empirischen Erkenntnißquellen. „Von ihr grundverschieden aber ist nun diejenige Weise von Systems⸗ bildung, welche den speculativen Philosophen aller Zeiten vorgeschwebt hat: sie wollten, ausgehend von irgend einem Einfachsten, aus diesem Einfachsten unter Zurückweisung aller Empirie durch Selbstentfaltung jenes Einfachsten ein System von Erkenntnissen hervorgehen lassen, der Hoffnung, die unver⸗ brüchliche Nothwendigkeit dieses Entfaltungsprocesses werde solchem System und seinen einzelnen Sätzen eine solche Richtigkeit und Gewißheit geben, daß es dann hinterher nicht allein mit Allem, was die Empirie uns erkennen läßt, sich decken, sondern auch für das empirische Erkennen erst den rechten Schlüssel hergeben werde. Diese Philosophen sind uneinig gewesen darüber, worein das Einfachste des Ausgangspunktes zu setzen sei, und darüber, wie der Entfaltungsproceß sich machen müsse, um die unverbrüchliche Nothwen⸗ digkeit zu ergeben, ob er als logischer Proceß, oder als dialektische Entwicke⸗ lung, oder als mehr substantielle Selbstentfaltung zu denken sei. Aber der ihnen allen vorschwebende gemeinsame Gedanke ist immer der gewesen, daß aus einem Einfachsten ein geschlossenes Ganzes von Erkenntnissen in Noth⸗ wendigkeit und unter Absehen von aller Empirie hergeleitet werden, sich entfalten solle, um sich hinterher an der Empirie auszuweisen. Es bedarf nicht erst des Nachweises, daß diese grundsätzlich von der Empirie absehende speculative Art von Systembildung ganz etwas Anderes ist als jene bloß auf stoffentsprechende Zusammenordnung empirisch gewonnener Erkennt⸗ nisse ausgehende erste Art. Sehen wir nun beide auf ihr Verhältniß zu der Heilslehre an, so ist mir außer Zweifel, daß die speculative Methode weder ganz noch halb anwendlich auf dieselbe ist, da Gott sein Heil geschichtlich in Wort und Werk offenbart hat, also auch will, daß es auf empirische Weise von uns erkannt werde. Dagegen ist eben so gewiß und selbstverständlich, daß ich die erste empirische Art systematischer Behandlung für anwendlich auf die Heilslehre halte, ja daß sie mir auf die Heilslehre mehr als auf irgend etwas Anderes in der Welt anwendlich erscheint, weil die Worte und Werke Gottes zum Heil gewißlich in sich selbst ein harmonisches Ganzes sind. Wie denn auch alle christlichen Dogmatiker aller Zeiten von dieser Methode Gebrauch gemacht haben. Nur bestehe ich eben darum mit allen diesen Dogmatikern auch darauf, daß denn auch die Gesetze dieser Methode inne gehalten werden sollen, daß die Bildung der christlichen systematischen Theologie nur vis a vis der ihr eignenden Empirie erfolgen dürfe. Und zwar werden die ihr eignenden Erkenntnißquellen (?) in der heiligen Schrift, der subjectiven Glaubenserfahrung und der Kirchenlehre bestehen, so daß jede dieser drei ihrer Natur gemäß zu benutzen ist. Verglich ich nun hiemit v. H.'s Systemsforderungen, so lag in seinen eignen Aeußerungen zweifellos