# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S56 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 56 Wie verkehrt es sei, die christliche Glaubenslehre als ein System der Speculation darzustellen. Unter den Ausstellungen, welche Dr. Kliefoth in seiner „Kirchlichen Zeitschrift“ an v. Hofmann's „Schriftbeweis“ macht, ist eine nicht unwichtige diese, daß darin die christliche Lehre als ein System der Speculation dargestellt sei. Diese Ausstellung erklärt von Hofmann für durchaus unberechtigt, indem er sich auf die systematische Darstellung der Dogmen beruft, welche z. B. ein Athanasius, ein Augustinus und die lutherischen Dogmatiker gegeben haben. Dies hat denn Kliefoth bewogen, sich hierüber in seiner Zeitschrift (April⸗ und Mai⸗Heft v. J.) weiter auszusprechen. Hieraus theilen wir einiges um so lieber mit, als jene das Christenthum in eine Philosophie verwandelnde Behandlungsweise jetzt die herrschende ist: Kliefoth schreibt a. a. O. Folgendes: „Nach meiner Auffassung verspricht uns v. H. in der hier zur Rede stehenden Beziehung Folgendes: Er will, ausgehend von der zur einfachsten Selbstaussage gebrachten Thatsache seines Christenthums, aus derselben in unverbrüchlicher Nothwendigkeit und unter völligem Absehen nicht allein von der Kirchenlehre, sondern auch von der Schrift, das Ganze christlicher Lehre herleiten; oder mit anderen Worten: besagte Thatsache, indem sie sich selbst zur Aussage bringt, sich selbst entfalten lassen zum Ganzen christlicher Lehre, und zwar in unverbrüchlicher Nothwendigkeit und ohne daß von anderswoher Etwas aufgenommen werde. So habe ich v. H.'s Intentionen verstanden, und habe, daß ich ihn darin richtig verstanden, an seinen eigenen Aeußerungen nachgewiesen. „Nun giebt es zwei Weisen der systematischen Behandlung. Die erste geht bloß darauf aus, ihren Stoff seiner Natur gemäß zusammen zu ordnen. Sie ist die auf empirische Stoffe anwendliche. Daher besteht ihr Charakteristisches in Zweierlei: Erstens muß sie immer vis a vis dieses ihres empirischen Stoffes arbeiten, sie kann diesen ihren empirischen Stoff nur zusammenordnen, indem sie zugleich ihn empirisch erkennt. Zweitens kann solch Zusammenordnen empirischer Stoffe ein in sich geschlossenes Ganzes, ein System nur dann ergeben, wenn dieser Stoff selbst in sich ein Ganzes ist. Wer z. B. die Geschichte eines Menschenvolks schreibt, der wird diesen seinen empirischen Stoff allerdings auch zusammenordnen, aber ein System wird das nicht ergeben, da die Geschichte eines Menschenvolks in sich kein harmonisches Ganzes, vielmehr nur ein Stück aus der Menschengeschichte und überdem in sich durch Sünde zerrissen ist. Dagegen wird sich schon die Naturgeschichte, werden sich selbst größere Parthieen der Naturgeschichte, z. B. Zoologie, Botanik, in dieser Weise systematisch behandeln lassen, da die Thierwelt, die Pflanzenwelt als Werke Gottes voraussetzlich in sich ein harmonisches Ganzes bilden; woraus wir denn aber auch zugleich sehen, daß solch System sich vor Allem seine empirischen Quellen suchen und sich fortwährend an dieselben halten muß, sich nur Hand in Hand mit der empi⸗