# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S55 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die geheimen Gesellschaften ꝛc. 55 man nicht gleich anfangs das Wahre erfahren, sondern erst durch allerlei Umschweife und Blendwerke bis dahin geführt werden möchte, wo man nicht mehr zurück könnte, wenn man auch wollte, wo man also vielleicht ganz unbekannten Händen als ein blindes Werkzeug ihrer Absichten dienen müßte. Das Einzige, was man etwa noch zur Entschuldigung des Beitritts sagen könnte, wäre das günstige Vorurtheil für eine solche Gesellschaft und der gute Ruf ihrer Glieder. Allein Vorurtheile sind immer trüglich; und wo ist die Gesellschaft, deren sämmtliche Glieder unbescholtne, so unbescholtne Männer wären, daß man ihnen blindlings trauen und folgen dürfte? Eben dieses blindlings Trauen und Folgen ist schon etwas Unwürdiges, dem sich kein durchaus gewissenhafter Mann aussetzen kann.*) Und wo kommen denn die vielen Spaltungen, Reformen und Systeme selbst in der gepriesensten geheimen Gesellschaft her, wenn nicht schon in dem Geheimen selbst ein Keim des Verderbens läge, wenn das Geheime sich nicht eben sowohl das Böse als das Gute aneignen könnte? Warum tretet ihr also nicht heraus an das helle Licht des Tages, wenn euch ein guter Geist beherrscht, wenn eure Zwecke und Mittel nichts als lautere Güte sind? Licht war ja von jeher Sinnbild des Guten, Dunkel und Finsterniß Symbol des Bösen. Darum ist der offne und redliche Mann schon von Natur aller Geheimnißkrämerei Feind, und darum sagte auch der größte Moralist der Welt: „„Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen!““ und: „„Man zündet nicht ein Licht an und setzet es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es denen allen, die im Hause sind.““ — **) So wenig also das Zutreten zu geheimen Gesellschaften von der strengeren Moral, ohne darum in einen herben Rigorismus zu verfallen, gebilligt werden kann; eben so wenig und fast noch weniger kann sie billigen das beständige Herumtreiben in unsern öffentlichen Thee⸗, Tanz⸗, Spiel⸗ und Freßgesellschaften, in sog. Klubs, Ressourcen, Assembleen, und wie die Mittel, die ohnehin so flüchtige und doch so kostbare Zeit zu vertreiben, weiter heißen mögen. Diese Erfindungen des Müßiggangs und der Langeweile sind die wahren Quellen unseres geselligen Verderbens.“ (Th. II, S. 217—220.) *) Daß solches Vertrauen auf Menschen noch mehr als etwas Unwürdiges, daß es eine von Gott mit dem Fluch belegte Abgötterei sei (Jer. 17, 5,), dahin steigt die von der Offenbarung verlassene Vernunft freilich nicht. L. u. W. **) „Es ist und bleibt wahr, was der verrufene Sarsena (S. 58) sagt: „„Man wird Freimaurer, ehe man noch weiß, was Freimaurerei ist. Jeder bringt seine besondern Leidenschaften und Begierden mit in die Loge. Jeder ist also geneigt, in dem Verborgenen das zu sehen, was er am liebsten darin sehen möchte. Jeder bemüht sich, heimlich Aehnlichkeiten mit seiner Lieblingsidee, Beziehungen auf seine Wünsche, Gründe für seine Hoffnungen auszuforschen.““ — Ebenso gewiß ist, daß die Meisten in früheren Jahren nur darum in jenen Orden traten, um durch denselben ihr Glück in der Welt zu machen; und wenn sie sich dann, wie gewöhnlich, getäuscht sehen, so werden sie in spätern Jahren laue Brüder, welche die Logen entweder gar nicht mehr oder nur noch aus Gewohnheit und der gesellschaftlichen Unterhaltung wegen besuchen. Vergl. auch den unlängst erschienenen Mac-Benac.“ K.