# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S51 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Judenbekehrung und tausendjähriges Reich. 51 ist. Er behauptet aber, daß zwischen dem Zustande der gegenwärtigen Kirche und dem der Gemeinde des tausendjährigen Reiches kein anderer Unterschied bestehe, als daß letztere, welche aus einer israelitischen und einer heidenchristlichen Kirche zusammengesetzt sein soll, in einer gesteigerten Gemeinschaft mit dem HErrn steht, und vermöge derselben Weltherrschaft übt. Im Uebrigen sollen Sünde und Tod noch in ihr vorhanden sein, obwohl nur als Naturbestimmtheiten. Auch Kinder erzeugen und erziehen die Glieder des tausendjährigen Reichs — Letzteres jedoch nur in den Jahren der Kindheit; denn da das Millenium aus lauter Heiligen bestehen muß, so werden die millenischen Kinder in die übrige Welt, zu Gog und Magog, hinausgethan, bis sie sich bewährt haben und zur Reife gelangt sind! — In Betreff dieser Darstellung, namentlich der letzteren, heißt es nun zwar in der genannten Zeitschrift ganz richtig: „Doch lassen wir diese mit dem Anspruche auf ächtestes Lutherthum zum Besten gegebenen Thorheiten! Es handelt sich um etwas sehr Ernsthaftes, um ein grundwesentliches Stück der christlichen Hoffnung“ — aber was kramt nun der Kritikus selbst aus? — Er behauptet, daß nach 1 Thess. 4, 15 — 17., 1 Cor. 15, 51 — 53., 2 Cor. 5, 4., 2 Thess. 1, 10 ff. 1 Joh. 3, 2., Phil. 3, 20. ein solches tausendjähriges Reich zu erwarten sei, welches aus lauter Leuten mit verklärten Leibern bestehe, nehmlich aus den dann theils vom Tode erstandenen, theils lebend verwandelten Gläubigen, die daher dann ohne Sünde und Tod seien. Dann werde sich also an der dennoch unbekehrt bleibenden Welt das Wort erst recht bewahrheiten: „Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Todten auferstünde.“ — Es ist zwar leider begreiflich, aber gewiß traurig genug, daß solches Zeug seinen Weg nun auch in die Erlanger Zeitschrift findet (die gegenwärtig nur noch von Dr. v. Hoffmann, Dr. H. Schmid und Dr. A. v. Scheurl herausgegeben wird.) — In dem Octoberheft des Reuterschen Repertoriums vom vorigen Jahre finden sich Recensionen zweier chiliastischen Schriften, und zwar erstlich einer solchen von Th. Lessing („Die Hoffnung des Christen. Stuttg. 1858.“). In der Recension dieser Schrift heißt es: „Unpassend, ja verkehrt und unrecht ist es, sich damit (mit chiliastischen Darlegungen) sofort an die Laienchristen zu wenden, es sei denn, daß man wirklich mit seiner Kirche zu brechen vorhat. Es liegt darin jedenfalls eine Untreue oder eine Feindseligkeit gegen die eigene Kirche, die um so stärker hervortritt, je mehr man den Laienchristen gegenüber diesen Widerspruch mit der Kirche verschweigt. Der Verfasser deutet denselben zwar in zarter Weise in der Vorrede an, indem er zugiebt, er sei vielleicht hin und wieder über den Buchstaben der Bekenntnißschriften hinausgegangen, aber er meint doch dabei, er habe dabei nach dem Geist und Sinn der Reformation (!!) weiter zu forschen sich bemüht, und unterläßt es — was wir entschieden tadelnswerth finden —, bei den betreffenden Punkten seine Abweichung von der kirchlichen Lehre anzugeben. Der Verfasser lehrt nehmlich den in der Augustana Art. 17 bestimmt verworfenen Chiliasmus, und zwar in sehr sinnlich phan⸗