# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S49 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Melanchthon's Todestag. 49 die Todesfeier in den lutherischen Landen gestellt werden soll. Den spätern M. können wir nicht feiern, ohne erhebliche Schatten über die Feier fallen zu lassen und die Feier in eine Anklage zu verwandeln. Wir müßten uns also allein an den früheren M. halten mit einigen flüchtigen Blicken auf sein späteres Leben und sein Ende. Das ginge wohl, jedoch es widerspricht das ganz einer Todesfeier, welche das Leben des Mannes in seinem Ausgange und Ende zeigen und sagen soll: So hat er gelebt, und das hat er mit dem Tode besiegelt. Man mache nur den Versuch, denselben Text wie bei Luthers Todestage auszuschreiben: „Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; welcher Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach.“ Da wird man sehen, wie bedenklich die Todesfeier ist, und welche Stimmen sich erheben werden. Ueberhaupt wird keine rechte Festfeier zu Stande kommen. Im Hintergrunde steht immer die trübe Erinnerung, daß M. selbst zu nichte gemacht hat, was wir an ihm preisen wollen, außerdem läßt es seine Halbheit und sein Schwanken zu keiner rechten Erhebung kommen. Wer an dem Tage die Gemeinde im Glauben erbauen und erheben will, der darf ihr M.'s wahres Bild nicht vorführen; er muß entweder mit blassen unbestimmten Farben zeichnen, oder die Schminke nicht scheuen und aus freier Hand dichten, wie das genug geschehen wird. Da nun aber auch die lutherischen Lande hinreichend mit dem Unionsgeiste getauft sind, so ist vorauszusehen, von welcher Art die Feier sein wird. Auf nicht wenigen Kanzeln wird man M. in den Himmel erheben als den Mann der Zeit. Liberale Blätter arbeiten schon dahin, daß die Feier ja auf den 19. April, also auf den Donnerstag abgehalten und nicht auf den nächsten Sonntag verlegt wird. Luthers Todestag hat sich seiner Zeit die Verlegung auf den Sonntag müssen gefallen lassen, um die religiösen Gefühle der Katholiken nicht zu verletzen. Aber wenn es mit der Todesfeier M.'s auf eine Demonstration gegen die lutherische Kirche abgesehen ist, wird man dann auch dieser Rücksicht beweisen? Oder will man die Demonstrationen auch von lutherischer Seite herausfordern und den Feiertag zum Kampftage machen? Im Stader Sonntagsblatte hat sich schon ernstlich eine Stimme vernehmen lassen, welche durch die liberalen Zumuthungen geweckt ist. Da heißt es am Schlusse eines längeren Artikels: „Kommt es dennoch zu irgend einer kirchlichen Feier des 300jährigen Todestages M.'s bei uns, wenn auch nur in der Art, wie es 1846 in Betreff Luthers geschehen ist, so darf kein lutherischer Pastor M.'s Verdienste um das Werk der Reformation rühmen, ohne zugleich gegen sein oben dargelegtes Verfahren entschieden Zeugniß abzulegen.“ Das wird niemand wünschen, aber auch niemand verbieten können, ohne die Feier öffentlich lächerlich zu machen. Zu diesen Schwierigkeiten treten aber noch örtliche Schwierigkeiten hinzu. Was soll man z. B. in Landgemeinden mit der Todesfeier anfangen? Die Landgemeinden wissen durchschnittlich nicht viel von der Reformationsgeschichte, aber am allerwenigsten von M., höchstens daß hier und da einige seinen Namen kennen. Freilich wird man sagen, um so nöthiger ist es, sein.